Bremen weitet Beratungsangebot zu religiös begründetem Extremismus und Islamfeindlichkeit aus

28. Oktober 2016 | Themenbereich: Bremen, Innere Sicherheit | Drucken

„Kitab“, das Beratungsangebot für Eltern, Angehörige, Betroffene und Fachkräfte zu religiös begründetem Extremismus und Islamfeindlichkeit, wird künftig von der Stadtgemeinde Bremen finanziert und zugleich auf zwei volle Stellen ausgebaut. Nach einem entsprechenden Beschluss des Senats am Dienstag hat heute (27. Oktober 2016) auch die Deputation für Soziales, Jugend und Integration den Ausgaben von 120.000 Euro im Jahr 2017 zugestimmt. Bisher hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge das Angebot im Umfang von 45 Stunden finanziert.

„Kitab ist ein ganz wichtiges Angebot in einer Zeit, in der viele junge Menschen auf der Suche nach Orientierung und Werten sind“, sagte Senatorin Stahmann. „Gerade für Jugendliche ist das Thema bestimmend. Antworten auf Fragen von Moral und Ethik können eine ganze Biographie nachhaltig bestimmen.“ Daher sei es wichtig, Ansprechpartner auch für die schwierigen Phasen zu haben und das Feld nicht radikalen Kräften zu überlassen, so die Senatorin.

„Kitab“ ist angesiedelt beim Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit (VAJA e.V.). Das Beratungsangebot richtet sich an Eltern und Angehörige von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich offenbar extremistisch (oder auch nationalistisch-) islamistischen Organisationen zuwenden, an die betroffenen Heranwachsenden selber sowie an deren Umfeld, etwa Lehrerinnen und Lehrer oder Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben solche Beratungsstrukturen inzwischen in die Länderhoheit übernommen. „Wenn wir das jetzt nicht aus Landesmitteln übernehmen würden, ginge die bei VAJA aufgebaute Kompetenz verloren, obwohl salafistische und islamistische Strömungen in Bremen immer wieder als vergleichsweise stark beschrieben werden“, sagte die Senatorin. Der Senat hatte „kitab“ bereits unter dem Aspekt „Sicherheit“ im April dieses Jahres als wichtigen Baustein ins Integrationskonzept aufgenommen.

„Bedingt durch die öffentliche Aufmerksamkeit für religiös bedingte Radikalisierung und die Sensibilisierung ist der Beratungsbedarf spürbar angestiegen“, so Senatorin Stahmann weiter. So gebe es mittlerweile Wartezeiten selbst für betroffene Einzelpersonen und deren Angehörige. „Daher sehe ich die Aufstockung als unverzichtbar“, sagte sie. So solle „kitab“ wieder verstärkt in die Lage versetzt werden, dem Informations-, Beratungs- und Fortbildungsbedarf von pädagogischen Fachkräften im Hinblick auf Präventionsmaßnahmen und das Erkennen von Radikalisierungstendenzen nachzukommen.

„Jugendliche mit türkischem, arabischem oder kurdischem Hintergrund machten oft die Erfahrung, dass sie als junge Muslime mit negativen Vorurteilen konfrontiert werden“, so Senatorin Stahmann. Dabei sei der Glaube Teil ihrer Identität. Dazu können Probleme in Schule und Ausbildung kommen, in der Familie oder teils Konflikte mit dem Gesetz. Salafistische Strömungen böten diesen Jugendlichen das Gefühl von Zugehörigkeit zu einer Gruppe, mit der sie gewisse Werte teilen. „Kitab“ suche gefährdete Jugendliche gezielt auf, baue Kontakt über Angebote im Bereich Freizeit- und Erlebnispädagogik auf. Auf dieses Basis lässt sich pädagogisch an Stärken und Schwächen der Jugendlichen arbeiten. „Es ist wichtig, in der Auseinandersetzung mit diesen Jugendlichen zu bleiben“, sagte Senatorin Stahmann. „Integration kann sich nicht darin erschöpfen, dass man Erwartungen an andere hat, man muss selber auch Angebote machen.“

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