„Extremismusprävention mit ganzheitlichem Ansatz“

15. September 2016 | Themenbereich: Hessen, Innere Sicherheit | Drucken

Das Land Hessen setzt im Kampf gegen den religiösen Extremismus auf ein vielfältiges Maßnahmenpaket. „Wir verfolgen beim Thema Prävention einen ganzheitlichen Ansatz, um zu verhindern, dass Menschen in den Extremismus abdriften. Mit unserem Konzept sind wir bundesweit Vorreiter, unser Präventionsnetzwerk dient mittlerweile als Rahmenkonzeption für andere Bundesländer“, so der Hessische Innenminister Peter Beuth.

Als anstehende neue Maßnahmen wird das Hessische Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE) im Rahmen der Herbsttagung der Jugendamtsleitungen im Hessischen Landkreistag im Oktober über Präventionsmaßnahmen speziell für junge Menschen berichten. Unter der Überschrift „Extremismusprävention – Land und Kommunen gemeinsam für Hessen“ lädt das Innenministerium im Dezember zudem alle hessischen Bürgermeister ein, sich über die Strategie der Hessischen Landesregierung zur Extremismusprävention und -intervention sowie über Fördermöglichkeiten des Bundes und des Landes zu informieren. Damit sollen den Verantwortlichen vor Ort Impulse für die aktuelle oder künftige Arbeit in diesen Themenfeldern eröffnet werden. Zudem werden die vielfältigen hessischen Beratungsangebote dargestellt.

Im Jahr 2015 startete unter Federführung des Hessischen Innenministeriums das Landesprogramm „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“. Aus diesem Programm standen für das Jahr 2015 im Bereich der Extremismusprävention im Kontext Islamismus Mittel in Höhe von 473.000 Euro zur Verfügung. Für das laufende Jahr 2016 wurden diese Mittel auf derzeit 1,2 Millionen Euro erhöht. Damit werden weiterhin Präventions- und Deradikalisierungsmaßnahmen gefördert, die im Rahmen des „Präventionsnetzwerkes gegen Salafismus“ und der „Beratungsstelle Hessen – Religiöse Toleranz statt Extremismus“ umgesetzt werden.

Wesentliche Bestandteile des Hessischen Präventionsnetzwerkes gegen Salafismus sind die Beratung von bzw. die Deradikalisierungsarbeit mit Radikalisierten in einem frühen Stadium sowie ein Ausstiegsangebot, das Deradikalisierungsmaßnahmen für den konkreten Einzelfall entwickelt. Diese Arbeit wird von Violence Prevention Network (VPN) übernommen, bei dem die Zentrale Beratungsstelle – ein wesentlicher Baustein im Präventionsnetzwerk – angesiedelt wurde. Der zivilgesellschaftliche Träger hat mit seinen Experten die erforderliche Kompetenz, auf junge Leute aus der salafistischen Szene zuzugehen, um konkrete Hilfen anzubieten.

Im Rahmen des Hessischen Präventionsnetzwerks gegen Salafismus arbeiten die Experten des VPN landesweit mit jungen Menschen und ihren Angehörigen zusammen, um eine islamistische Radikalisierung zu verhindern. Die Beratungsstelle wurde jüngst durch die bundesweite Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ als eines der einhundert besten Projekte 2016 ausgezeichnet. Aktuell wird mit 104 Radikalisierten bzw. Gefährdeten gearbeitet, darunter befinden sich auch Syrienrückkehrer. 119 Angehörige, deren Kinder oder Freunde gefährdet sind, werden unterstützend beraten und begleitet. Zudem wurden mehr als 100 Workshops an hessischen Schulen durchgeführt. An 89 Institutionen haben darüber hinaus Beratungsgespräche stattgefunden.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass ein großer Beratungs- und Unterstützungsbedarf gefährdeter junger Menschen sowie betroffener Eltern besteht. Mit seinem Präventionsnetzwerk hat Hessen eine strategische Ausrichtung, bei der sowohl die Prävention als auch die Beratung von Gefährdeten und islamistisch Radikalisierten und die Deradikalisierungsarbeit bzw. Ausstiegsbegleitung im Zentrum der Arbeit stehen“, so Innenminister Peter Beuth.

Zudem hat das HKE den 17-minütigen Schulungsfilm „RADIKAL“ inklusive Begleitmaterial erstellen lassen, der sich mit der phänomenübergreifenden (virtuellen) Radikalisierung Jugendlicher auseinandersetzt und ihr entgegenwirkt. Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium und der Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien unter Einbeziehung zahlreicher Experten aus den Bereichen Polizei, Verfassungsschutz, zivilgesellschaftliche und staatliche Prävention, Islamwissenschaft, Medienkompetenz und politische Bildung verwirklicht. Der Film ist für die Präventionsarbeit mit jungen Menschen (etwa ab 14 Jahren) geeignet und zeichnet Radikalisierungsprozesse in den Phänomenbereichen „Linksextremismus“, „Rechtsextremismus“ und „Islamismus/Salafismus“ nach. Mittlerweile wurden über 4.000 Filme hessen- und bundesweit verteilt.

Zum Landesprogramm gehören Informationsveranstaltungen für Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen sowie Aufklärungsveranstaltungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen über das Phänomen Salafismus. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf möglichen islamistischen Rekrutierungsversuchen in und im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften. Koordiniert werden die Maßnahmen durch das HKE. Dabei informieren muttersprachliche Beamtinnen und Beamte mit eigener Migrationsgeschichte, Migrationsbeauftragte der Polizei, Expertinnen und Experten für politische Bildung und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von VPN in enger Abstimmung mit der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung Flüchtlinge über die Gefahren des Salafismus sowie über die Rolle der Polizei im Allgemeinen und über wesentliche Grundwerte unserer demokratischen Gesellschaft. Die Veranstaltungen für Flüchtlinge finden großen Anklang und es konnten bislang in 14 Erstaufnahmeeinrichtungen insgesamt 27 Veranstaltungen durchgeführt werden. Dadurch wurden insgesamt etwa 4.100 Flüchtlinge erreicht. Weitere Veranstaltungen sind bereits geplant.

Parallel zu den Informationsveranstaltungen für Flüchtlinge finden seitens des Landesamts für Verfassungsschutz in den hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen Sensibilisierungs- und Aufklärungsveranstaltungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das Phänomen Salafismus und die daraus resultierenden Gefahren sowie zu den Themen Salafismus, Islamischer Staat, Erkennbarkeit von Radikalisierungsprozessen, Anwerbestrategien und über Beratungs- und Hilfsangebote statt. Ebenso werden ehrenamtliche Unterstützer sowie das Wachpersonal der jeweiligen Unterkünfte beschult, um vor Ort die Sensibilität für mögliche Gefahren durch extremistische Agitation zu schärfen. Das Beratungsangebot für (ehrenamtliche) Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter in den Erstaufnahmeeinrichtungen wird ebenso sehr gut angenommen und genutzt. Es wurden in diesem Jahr bereits 15 Schulungen in Erstaufnahmeeinrichtungen durchgeführt und dabei rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreicht. Auch hier sind weitere Schulungen bereits geplant.

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.