Beratungsstelle für Radikalisierte und deren Angehörige eröffnet

16. Juni 2016 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Innere Sicherheit | Drucken

„Die neu eingerichtete Beratungsstelle ist ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung des extremistischen Islamismus“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl. Die unter dem Dach des „Kompetenzzentrum zur Koordinierung des Präventionsnetzwerks gegen (islamistischen) Extremismus in Baden-Württemberg“ (KPEBW) eingerichtete Beratungsstelle ist heute eröffnet worden.

„Die Terrorgefahr ist auch in Baden-Württemberg nach wie vor sehr groß, auch wenn es keine konkreten Hinweise auf einen Anschlag gibt. Der Salafismus ist bundesweit die am schnellsten wachsende islamistische Bewegung. Wir haben mit der Einrichtung der Beratungsstelle schnell und entschlossen reagiert. Das leistet einen wichtigen Beitrag, dass gewaltgeneigte Islamisten keine jungen Menschen verführen können“, so Strobl. Das beim Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration für die Netzwerkbildung im Bereich der Extremismusprävention angesiedelte KPEBW habe in einem europaweiten Vergabeverfahren Violence Prevention Network (VPN) als externen Partner für die Beratungsstelle in Stuttgart gewinnen können. „Mit VPN haben wir einen erfahrenen Partner, der seit Jahren in der Antigewaltarbeit, der Extremismusprävention und der Deradikalisierung extremistisch motivierter Gewalttäter tätig ist“, so der Innenminister.

Zu den Aufgaben der Beratungsstelle gehörten Maßnahmen der Prävention, die Beratung von Angehörigen und des sozialen Umfelds von Radikalisierten sowie der Aufbau eines Aussteigerprogramms für Radikalisierte. „Die Zeiten, in denen Eltern, Freunde oder Lehrer einer drohenden Radikalisierung der meist jungen Menschen sprach- und hilflos gegenüber standen, gehören in Baden-Württemberg mit der Einrichtung der Beratungsstelle endgültig der Vergangenheit an“, so der Innenminister.

„Unsere Erfahrungen aus der Beratungspraxis mit Hochradikalisierten und Syrienrückkehrern illustrieren die Dringlichkeit von Beratungs- und Interventionsangeboten, die nicht nur die Angehörigen erreichen, sondern auch Kontakt zu den radikalisierten jungen Menschen selbst aufnehmen“, ergänzte Thomas Mücke, Geschäftsführer von VPN.

Neben Angeboten für das Umfeld radikalisierter Personen werde die Beratungsstelle durch interreligiöse bzw. interkulturelle Workshops an Schulen sowie Trainings für gefährdete Jugendliche präventiv tätig und strebe eine Grundimmunisierung gegen salafistische und islamistische Tendenzen an. Gefährdete Jugendliche könnten durch die Angebote erkannt und bei der Distanzierung von extremistischen Ideologien unterstützt werden. Auch könnten Multiplikatoren aus den Bereichen Polizei, Schule und Jugendhilfe durch Fortbildungen im Umgang mit der Zielgruppe sensibilisiert werden, um im Berufsalltag sicher mit den Themen Islamismus und Salafismus umgehen zu können.

Die Hotline der Beratungsstelle Baden-Württemberg ist für Radikalisierte, deren Eltern, Angehörige und Umfeld sowie Institutionen bereits seit Ende des vergangenen Jahres unter 0711 / 72 23 08 93 erreichbar.
Radikalisierung in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es rund 3.400 Islamisten, von denen circa 120 als gewaltbereit gelten. Darüber hinaus reisten bisher rund 50 Menschen aus Baden-Württemberg in Richtung Syrien oder den Irak aus, um dort auf Seiten des Islamischen Staates und anderer terroristischer Gruppierungen an Kampfhandlungen teilzunehmen oder diese in sonstiger Weise zu unterstützen. Zugleich sind in Baden-Württemberg rund 600 Salafisten aktiv mit dem Ziel, junge Menschen in Schulen, Jugendtreffs aber auch Flüchtlingswohnheimen zu rekrutieren.
Violence Prevention Network (VPN)

VPN arbeitet seit fünfzehn Jahren mit Männern, die wegen rechtsextremistisch oder islamistisch motivierter Gewalttaten inhaftiert sind sowie mit jungen Menschen, die drohen, sich zu radikalisieren. Mehr als 1.000 ideologisierte Gewalttäter haben bereits am Gefängnis-Programm „Verantwortung übernehmen – Abschied von Hass und Gewalt“ teilgenommen.

Im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge berät VPN seit 2013 in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen Angehörige von radikalisierten Jugendlichen, die als „Foreign Fighters“ in Kriegsgebiete ausreisen wollen oder bereits ausgereist sind. VPN ist ein Verbund erfahrener Fachkräfte, die seit Jahren in der Deradikalisierungsarbeit und Extremismusprävention tätig sind. Mehrere Bundesministerien, die Justizbehörden zahlreicher Bundesländer sowie andere institutionelle Partner arbeiten mit VPN aktuell zusammen.

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