Die Schattenseiten des Auftragsbooms in der privaten Sicherheit

13. Juni 2016 | Themenbereich: Security | Drucken

Knapp 40 Prozent Umsatzwachstum – Die aktuellen Rekordzahlen der Umsätze im privaten Sicherheitsgewerbe sind nicht ausschließlich positiv für die Branche. Mit dem ersten Quartalsvergleich 2016/2015 der Konjunkturstatistik des Statistischen Bundesamtes zeigen sich auch die Probleme dieses „Booms“ – niedrige Qualität, Ausschreibungen rein nach dem geringsten Preis und gefälschte Unterrichtungsnachweise.

Das Wachstum im vergangen Jahr hat vor allem eine Ursache: Der Flüchtlingszustrom nach Deutschland. „Dies hat der Sicherheitsbranche diese – hoffentlich – einmalige Sonderkonjunktur verschafft.“, so BDSW Hauptgeschäftsführer Dr. Harald Olschok. Diese kritische Betrachtung sei laut Olschok dringend nötig. Denn das Umsatzwachstum wurde und werde mit erheblichen, negativen Begleiterscheinungen erkauft. Täglich gebe es Medienberichte über Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünfte. „Häufig werden Unternehmen groß gemacht, die vorher nur in Randbereichen tätig waren oder sogar neu gegründet wurden.“, so Olschok besorgt. Die Behörden waren und seien häufig überfordert, binnen weniger Tage für Unterkünfte und deren Schutz zu sorgen. Im Zuge dessen werde die Zuverlässigkeit oft unzureichend überprüft. . Die Ordnungsbehörden seien kaum in der Lage, vor allem die Klein- und Kleinstunternehmen ausreichend zu überprüfen. Immer öfter seien auch gefälschte Unterrichtungsnachweise im Umlauf. Eine dringend notwendige Qualifizierung entfalle – häufig sei geeignetes Personal auch gar nicht vorhanden und die Vergabe gehe in den meisten Fällen an den billigsten Anbieter.

Über 15.000 neue Stellen wurden 2015 geschaffen. Es sind rund 235.000 Beschäftigte in den privaten Sicherheitsdiensten tätig – weitere 15.000 offene Stellen wurden der Bundesagentur für Arbeit Anfang 2016 gemeldet. Diese wirtschaftliche „nur auf den ersten Blick“ positive Entwicklung für die Branche muss laut Olschok aber auch in Zukunft mit großer Sorge betrachtet werden. „Es besteht die große Gefahr, dass das mit Ausbildungsberufen, Studiengängen und aufgabenbezogene Qualifizierungen erreichte Qualitätsniveau der privaten Sicherheitsdienste, unter den negativen Begleiterscheinungen des „Booms“ leidet,“, so Olschok abschließend.

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