„Mehr Erfahrungsaustausch für bessere Arbeitsbedingungen“

6. Juni 2016 | Themenbereich: Hessen, Polizei | Drucken

Der Hessische Innenminister Peter Beuth fordert eine bundesweite Vereinheitlichung für die Erhebung von Fehlzeiten bei Polizeibeschäftigten. „Die Kriminalstatistik oder die Verkehrsunfallstatistik werden nach einheitlichen Standards geführt, um sicherzustellen, dass diese Kennzahlen valide sind. Aus den Daten lassen sich außerdem wichtige Erkenntnisse für die weitere strategische und taktische Arbeit der Polizei ableiten und nicht zuletzt ermöglichen sie einen sinnvollen Ländervergleich. Bis heute existiert aber kein einheitliches Erfassungssystem von Fehlzeiten bei Polizeibeschäftigten in den Ländern oder im Bund. Ein intensiverer Erfahrungsaustausch kann künftig auch dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen für unsere Polizistinnen und Polizisten zu verbessern und Fehlzeiten zu reduzieren“, so Peter Beuth. Hessen werde dieses Thema auf Ebene der Innenministerkonferenz zur Sprache bringen.

Eine Auswertung der durchschnittlichen Ausfallzeiten bei der Arbeit aufgrund von Krankheitstagen von hessischen Polizisten ist aufgrund des flexiblen Schichtdienstes zurzeit nicht möglich. In die sogenannte Fehlzeitenstatistik der Polizei fließen alle Fehlzeiten ab dem ersten Kalendertag – auch ohne Attest – ein. Bei den gesetzlichen Krankenkassen werden nur Ausfallzeiten mit Attest erfasst. Das bedeutet in der Praxis, dass ein dauerhaft krankgeschriebener Beamter mit vollen 365 Tagen in die Statistik eingeht und nicht mit seinen individuellen Arbeitstagen. Wenn ein Polizist im Jahresverlauf drei Erkrankungen (jeweils von Montag bis Sonntag) zu verzeichnen hatte, bei denen er jeweils fünf Arbeitstage dem Dienst fernblieb, so schlägt er aktuell mit 21 Kalendertagen statt mit 15 Arbeitstagen zu Buche.

„Ein sinnvoller Vergleich der Fehlzeiten bei der Polizei mit Erhebungen in der Privatwirtschaft ist bis heute nicht möglich“, erläuterte der Innenminister. Im Zuge einer parlamentarischen Kleinen Anfrage an die Landesregierung wurden die Fehlzeiten hessischer Polizeibeschäftigter aktuell erhoben. Die Auswertung ergab eine Fehlzeitenquote von 7,7 Prozent für das Jahr 2015, im Vorjahr lag sie bei 7,4 Prozent.

In Nordrhein-Westfalen lag die Fehlzeitquote in den vergangenen Jahren zum Beispiel bei rund acht Prozent[1], die Polizei in Brandenburg verzeichnete im Jahr 2015 einen Wert von 9,8 Prozent[2]. Allerdings werden die Fehlzeitenquoten der Länder nach unterschiedlichen Kriterien ermittelt. Die Fehlzeiten im öffentlichen Dienst sind jedoch allgemein höher als in der Privatwirtschaft. So ergab eine Umfrage des Hessischen Städtetages für das Jahr 2012 an der sich 173 Städte beteiligt haben eine Fehlzeitenquote von 6,13 Prozent (Hessischer Städtetag vom 28.10.2013).

„Die hessische Polizei hat im vergangenen Jahr große Herausforderungen bewältigt, die EZB-Eröffnung, zahlreiche zusätzliche Demonstrationen, Terrorlagen sowie Bewältigung der großen Flüchtlingszahl haben die Kolleginnen und Kollegen sehr gefordert. Um die Einsatzkräfte zu entlasten und eventuellen gesundheitsbedingten Ausfällen vorzubeugen, stellen wir in diesem Jahr 300 zusätzliche Polizeianwärter und 100 zusätzliche Wachpolizisten ein. Im Übrigen hat der Haushalt 2016 einige Verbesserungen für die hessischen Polizeibeamtinnen und -beamten bewirkt, allen voran die Ausbezahlung von rund 800.000 Mehrarbeitsstunden sowie die Anhebung der Zulage für den Dienst zu ungünstigen Zeiten“, so Innenminister Peter Beuth.

Um die Rahmenbedingungen für Polizistinnen und Polizisten bei der Arbeit zu verbessern, wurde das Gesundheitsmanagement der hessischen Polizei entwickelt. Seine Aufgabe ist es, behördliche Strukturen und Prozesse zu entwickeln und auszubauen, welche die gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeit und Organisation (Verhältnisprävention) sowie die Befähigung zum gesundheitsförderlichen Verhalten der Beschäftigten (Verhaltensprävention) fördern. „Ein wichtiges Ziel ist es, die Fehlzeiten langfristig zu reduzieren. Dazu gehört ein modernes und landesübergreifendes Analyseinstrument, das Grundlage für eine fundierte Auswertung sein kann“, sagte der Minister.