Jedes Delikt bei der Polizei anzeigen

23. Mai 2016 | Themenbereich: Polizei | Drucken

In Deutschland gibt es nach Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) wesentlich mehr Straftaten, als es die am Montag von Bundesinnenminister Thomas de Maizière vorgestellte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2015, aber auch für die vergangenen Jahre, ausweise. Dieses Zahlenwerk liste ausschließlich die der Polizei bekannt gewordenen Taten auf. Nicht in der Statistik zu finden seien daher Straftaten, die entweder nicht angezeigt wurden, oder die die Polizei oftmals aus Personal- und Zeitmangel nicht ermitteln konnten, so zum Beispiel bei der Rauschgiftkriminalität oder den Machenschaften organisierter Verbrecher. Experten zufolge könnte die tatsächliche Zahl der Straftaten bis zu zehnmal höher sein. „Es ist richtig zu behaupten, dass wir in einem ziemlich sicheren Land leben. Dies aber an den Zahlen der PKS festzumachen, ist angesichts des ungefähren Charakters der Statistik politische Augenwischerei“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow am Montag in Berlin.
Ohne eine tiefgehende sogenannte Dunkelfeldstudie könnten keine genauen Aussagen über die tatsächliche Kriminalität in Deutschland getroffen werden, so Malchow. „Neben der viel zu selten abgefragten wissenschaftlichen Analyse von Kriminologen, wäre es weiterhin notwendig, die Bevölkerung zu ermuntern, möglichst jedes Delikt bei der Polizei anzuzeigen.“ Aus Beobachtungen und Erfahrungsberichten wisse die GdP, dass immer mehr Bürger vermeintlich harmlosere Delikte unter den Tisch fallen lasse. Das betreffe vor allem Taten im Bereich der Körperverletzung, Betrugsdelikte sowie einfachen Diebstahl. „Das legt die Polizei ja sowie nur zu den Akten legen, hören wir dann von Bürgern. Das halten wir für eine fatale Entwicklung“, betonte der GdP-Chef. Deutlich werde, dass das Vertrauen der Menschen in das Vermögen der Polizei, auch Alltagskriminalität aufzuklären, weiter sinke. Das bedeute auch, dass Täter immer öfter ungestraft davonkämen und zu weiteren Taten motiviert würden.
Es sei höchste Zeit, dass vor allem die Landespolitiker sich angesichts dieses besorgniserregenden Trends klar zu mehr innerer Sicherheit bekennen müssten.

Malchow: „Abstrakte Gefahren beispielsweise durch Terrorismus haben erheblich weniger Einfluss auf die Lebensqualität als die gefühlte Unsicherheit in direkter Nähe. Die Sicherheit des direkten Lebensumfeldes definiert sich nicht nur über eine ausreichende Präsenz der Polizei, sondern auch über entsprechende Aktivitäten kommunaler Behörden wie des Ordnungsamtes.“ Wichtig sei es, junge Menschen für die Arbeit bei der Polizei zu begeistern. Das klappe am besten, wenn politische Entscheidungen bewiesen, dass die innere Sicherheit eine hohe Priorität besitze.