Tagung nimmt Radikalisierung von Jugendlichen in den Blick

17. Mai 2016 | Themenbereich: Aktuelle Veranstaltungen, Sachsen-Anhalt | Drucken

Wie kommt es zu rechtsextremen und islamistischen Radikalisierungen von Jugendlichen, welche Einstiegspfade und Entwicklungsverläufe gibt es? Diese Fragen stellt eine Fachtagung am Dienstag, 17. Mai, im Magdeburger Sozialministerium. Unter dem Titel „Erkennen – Verstehen – Handeln“ werden rechtsextreme Jugendkulturen, politische Strukturen und deren Aktionsformen beleuchtet sowie Präventions- und Interventionsansätze diskutiert.

„Wir brauchen starke und gute Netzwerke in der Präventionsarbeit“, betonte Staatssekretärin Susi Möbbeck, Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte. Die Tagung befördere den wichtigen fachlichen Austausch. Vor dem Hintergrund der islamistischen Anschläge im Paris und Brüssel stehe gegenwärtig der politische Islamismus im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, sagte Möbbeck. Es dürfe dabei aber nicht aus dem Blick geraten, dass das Potential der Jugendlichen, die rechtsextreme Einstellungen vertreten, gerade in den neuen Bundesländern auf einem hohen Niveau stabil ist. Möbbeck: „Die rechten Mobilisierungen gegen Flüchtlingsunterkünfte belegen die breite Akzeptanz rechter und fremdenfeindlicher Einstellungen.“

Rechtsextreme Orientierungen sind in Deutschland bei circa 10 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen festzustellen. Der Verein Miteinander arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit rechtsextrem gefährdeten Jugendlichen und hat modellhaft pädagogische Methoden und Ansätze entwickelt, um den Jugendlichen Alternativen aufzuzeigen.

Die Beschäftigung mit dem Phänomen islamistischer Radikalisierungen bei Jugendlichen hat laut Möbbeck erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. In Sachsen-Anhalt habe die Ausreise von zwei Mädchen/jungen Frauen aus Sangerhausen und Salzwedel zum IS nach Syrien große Aufmerksamkeit erzeugt und Hilflosigkeit hinterlassen, erinnerte sie. Die Rekrutierungsmethoden seien stark auf das Internet ausgerichtet. Es sei zu beobachten, dass viele Jugendliche, die in den Salafismus und Islamismus abglitten, zunächst meist keinen direkten Bezug zum Islam gehabt hätten. Viele wendeten sich direkt dem Salafismus zu, ohne mit dem Islam näher in Verbindung zu kommen.

Im Rahmen der Tagung werden Erfahrungen aus Modellprojekten vorgestellt, die in Sachsen-Anhalt aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ gefördert werden. Neben Vorträgen sind Workshops geplant.

Veranstalter sind das Ministerium für Soziales, Arbeit und Integration, der Verein Miteinander e.V., das Multikulturelle Zentrum Dessau e.V., die Servicestelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V., der Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e.V. sowie das Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt.