European Rail Summit 2016 in Brüssel

27. April 2016 | Themenbereich: Bayern, Verkehr | Drucken

Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann möchte das Transportmittel Schiene noch sicherer machen. Handlungsbedarf sieht Herrmann im Hinblick auf den Ausbau von Videoüberwachung in Zügen und an Bahnhöfen, das hat er heute in der Bayerischen Vertretung in Brüssel beim zweiten Europäischen Eisenbahngipfel (European Rail Summit) gefordert. Vor Vertretern aus Politik, Bahnunternehmen und Bahnindustrie aus ganz Europa, darunter auch EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc, sprach Bayerns Verkehrsminister unter dem diesjährigen Motto „Breaking Down Borders“ über die aktuellen Herausforderungen im Eisenbahnsektor: „Ich mache mich persönlich stark dafür, dass wir die Videoüberwachung im Schienenverkehr flächendeckend ausbauen. Kameras dienen nicht nur der Abschreckung, sondern helfen auch bei der Aufklärung von Straftaten. Ich bin erfreut, dass meine Kollegen in den deutschen Bundesländern dies ebenfalls so sehen und wir auf unserer letzten Verkehrsministerkonferenz einen entspre­chenden Beschluss gefasst haben“, so Herrmann.

 

Der Verkehrsminister begrüßte außerdem wichtige europäische Projekte im Infrastrukturbereich. Als wichtigste Vorhaben nannte er die anstehende Eröffnung des Gotthard-Tunnels im Juni diesen Jahres sowie die Inbetriebnahme der Neubaustrecke zwischen Bayern und Thüringen Ende 2017. Dank eines Hochgeschwindigkeitszuges seien Berlin und München dann nunmehr knapp vier Stunden voneinander entfernt. Handlungsbedarf sah er allerdings noch bei den Bahnverbindungen von München und Nürnberg nach Prag. Hier appellierte er an den Bund, den Ausbau der Strecken voranzutreiben, und an die EU, den Ausbau finanziell zu unterstützen.

Der Verkehrsminister nutzte den European Rail Summit auch, um sich mit der EU-Kommission zu aktuellen Verkehrsfragen auszutauschen. Insbesondere warb er für eine EU-Förderung des Bahnprojekts „Überwerfungsbauwerk Flughafen West“ einem Teilprojekt des Erdinger Ringschlusses. Mit der rund 45 Millionen Euro teuren Maßnahme sollen die bisherigen S-Bahn-Trassen westlich des Münchner Flughafens zusammengeführt werden, ohne dass wie bisher das Gegengleis gekreuzt werden muss. „Damit können wir die Verbindung zwischen den beiden wichtigsten bayerischen Verkehrsknotenpunkten noch stabiler machen“, so Herrmann. Der Förderantrag liegt bereits in Brüssel, im Sommer wird darüber entschieden.

Herrmann hob hevor, dass die Eisenbahn nach wie vor mit das sicherste Verkehrsmittel darstelle. In Deutschland sei die Wahrscheinlichkeit, mit dem Zug zu verunglücken, um ein Vielfaches geringer als bei Pkw-Fahrten. „Sie ist mit einem um 63 Mal geringeren Todesrisiko und einem um 113 Mal geringeren Verlet­zungsrisiko verbunden.“, erläuterte Herrmann. Dennoch sei man trotz der hohen Sicherheitsstandards im Bahnverkehr nicht vor Unfällen gefeit. Das Bahnunglück im oberbayerischen Bad Aibling sei für ihn das bedrückendste Ereignis in seiner bisherigen Amtszeit als Verkehrsminister gewesen. „Umso mehr setze ich mich deshalb dafür ein, dass wir den Ursachen akribisch auf den Grund gehen und die möglichen Erkenntnisse mit unseren europäischen Nachbarn teilen, um das System Schiene für alle noch sicherer zu gestalten“, so Herrmann.

Der European Rail Summit fand heute nach 2014 zum zweiten Mal statt. Veranstalter ist Railway Gazette International, ein führendes Eisenbahn-Fachmagazin aus Großbritannien.