Verkehrsunfallstatistik 2015

26. April 2016 | Themenbereich: Mecklenburg-Vorp., Verkehr | Drucken

Die Bilanz für die Verkehrsunfallentwicklung im zurückliegenden Jahr ist im Ergebnis leider nicht gut. Erfreulich ist zwar, dass das Verkehrsunfallgeschehen im Langzeitvergleich nach wie vor rückläufig ist, aber im Vergleich zum Vorjahr musste in allen statistischen Bereichen eine Zunahme festgestellt werden.
Die Anzahl der Verkehrsunfälle insgesamt ist im Vergleich zum Vorjahr in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2015 um 5,7 Prozent gestiegen.
Im Jahr 2015 ist mit 93 Getöteten Menschen eine Person mehr im Straßenverkehr tödlich verunglückt als 2014. Damit konnte der bisherige Tiefststand der im Straßenverkehr tödlich verletzten Menschen aus dem Jahr 2013 (80 Getötete Personen) leider nicht erreicht werden. Mit insgesamt 35 % weniger Verkehrstoten als noch im Jahr 2011 lässt sich dennoch sagen, dass die auf lange Sicht ausgelegte Unfallprävention erfolgreich verläuft.
Die Betrachtung des Verhältnisses der getöteten bzw. verletzten Verkehrsteilnehmer[1] zur Einwohnerzahl lässt in der Betrachtung leider die Unfälle, in denen Besucher und Touristen in Mecklenburg-Vorpommern verwickelt sind, leider völlig unberücksichtigt. Gerade in einem touristisch stark geprägten Bundesland wie Mecklenburg-Vorpommern entsteht hier ein verzerrtes Bild im Bundesvergleich.
„Die gestiegene Entwicklung bei den Verkehrsunfällen gegenüber dem Vorjahr ist auch in der Bundesstatistik festzustellen, wobei der prozentuale Anstieg der Unfälle mit Personenschaden bei uns noch deutlich größer ist als im Bundesvergleich. Das kann für uns natürlich nicht zufriedenstellend sein“, sagte Innenminister Lorenz Caffier.
Der Anteil der bei Baumunfällen Getöteten hat sich prozentual zu allen Getöteten mit 26,9 Prozent im Fünf-Jahres-Vergleich den tiefsten Wert erreicht. 2011 starben noch 44 Menschen bei Baumunfällen.
„Schon ein seitlicher Aufprall an einen Baum mit 55 km/h hat für die Fahrzeuginsassen schwerste oder gar tödliche Verletzungen zur Folge. Bei einem Crash mit 90 km/h, eine durchaus realistische Geschwindigkeit in Alleen, in denen die Bäume ungeschützt am Straßenrand stehen, zerteilt oder zerfetzt der Baum das Auto regelrecht: Die Insassen haben dann keine Überlebenschance mehr“, erklärt Innenminister Caffier.
Die Zahl der Leicht- und Schwerverletzten nahm um 7,1 bzw. 6,3 % zu.
Innenminister Caffier: „Die Entwicklung vorrangig auf die ein erhöhtes Verkehrsunfallgeschehen in den Sommermonaten zurückzuführen und macht deutlich, welche Auswirkungen gerade in den Ferienwochen das erhöhte Verkehrsaufkommen in unserem vom Tourismus stark geprägten Bundesland ist. Gerade in der Sommersaison ist die Gefahr bei einem Verkehrsunfall zumindest leicht verletzt zu werden, größer als zu den übrigen Jahreszeiten.“
Die Unfallursache Nr. 1 aller statistisch relevanten Verkehrsunfälle war im letzten wieder „Vorrang/Vorfahrt“ gefolgt von „Geschwindigkeit“. Erst dann kamen „Alkohol“, „Abstand“ und „Überholen. Überhöhte bzw. nicht angepasste Geschwindigkeit war auch wieder die häufigste Unfallursache bei Verkehrsunfällen mit schweren Folgen. Im Zusammenhang mit Geschwindigkeitsverstößen hat die Landespolizei Mecklenburg-Vorpommerns im vergangenen Jahr insgesamt über zehn Prozent mehr Ordnungswidrigkeiten angezeigt als im Vorjahr.
Auch im Jahr 2014 bilden die Pkw-Insassen den Hauptanteil der Verunglückten, gefolgt von den Radfahrern.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren, weil sie die Rangfolge weiterhin anführen. Die Zahl der Verunglückten in der Altersklasse der 18-24 Jährigen Altersklasse verringerte sich im Fünf-Jahres-Vergleich um 33,7 Prozent.
„Das ist auch ein Erfolg unserer Unfallprävention“, hebt Innenminister Caffier hervor. „Nach wie vor sind junge Erwachsene zu häufig an Verkehrsunfällen beteiligt. Daher gilt es diese Zielgruppe frühzeitig zu erreichen und weiter an den bestehenden Präventionsmaßnahmen und Initiativen in der vorbeugenden Verkehrssicherheitsarbeit festzuhalten.“
Herausragendes Projekt dabei ist der „Crash Kurs MV“. Daran haben seit Projektstart im Jahr 2013 schon über 5.000 Jugendliche in MV teilgenommen, davon im letzten Jahr allein über 1.770.
Die kontinuierliche Senkung der Zahlen der 18-24 Jährigen als Verursacher schwerer Verkehrsunfälle um über 35 Prozent seit 2011 setzte sich in der Altersgruppe auch im vergangenen Jahr fort. Bei der Altersgruppe der über 65-Jährigen ist nach wie vor festzustellen, dass diese Altersgruppe sowohl in der Gruppe der bei Verkehrsunfällen Verunglückten Verkehrsteilnehmer als auch in der Gruppe der Unfallverursacher deutlich im Vergleich zum Anteil in der Bevölkerung (22,7%) unterrepräsentiert ist.
Insgesamt ist die Zahl der festgestellten Ordnungswidrigkeiten im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Prozent gesunken.
Die Zahl der polizeilich festgestellten Ordnungswidrigkeiten im Bereich der Geschwindigkeitsverstöße konnte seit 2011 um über 45 Prozent gesteigert werden.
Im letzten Jahr mussten infolge der Überprüfungen der Fahrtauglichkeit die Polizei 9 Prozent Verkehrs-Ordnungswidrigkeiten bzw. -Straftaten angezeigt werden, weil die Fahrzeugführer unter dem Einfluss von Alkohol standen. Hier gilt es insbesondere verstärkt tätig zu werden, da die Unfälle mit der Ursache “Alkohol“ im letzten Jahr nicht gesunken, sondern gestiegen sind.
„Das Trügerische am Alkohol ist, dass man fälschlicherweise meint, man habe noch alles im Griff. Das Unrechtsbewusstsein, durch Trunkenheitsfahrten gegen Normen zu verstoßen ist oftmals nicht sehr ausgeprägt“, so Innenminister Caffier. „Deshalb fordere ich ja schon länger die 0,0-Promille-Grenze für alle Fahrzeugführer. Dann wissen alle Bescheid, was geht und was eben nicht geht.“
Um fast 10 Prozent gestiegen ist auch die Anzahl der festgestellten Verstöße des Fahrens unter anderen berauschenden Mitteln, also Drogen im Vergleich zum Vorjahr .
„Als Innenminister ist für mich in der Diskussion der generellen Legalisierung oder Erhöhung von Toleranzgrenzen bei Betäubungsmitteln entscheidend, dass der Besitz und damit auch das Fahren unter dem Einfluss verbotener Substanzen grundsätzlich nicht erlaubt ist und das auch so bleibt.“, hält Minister Caffier fest.
Zusammenfassend ist festzustellen:
Die Schwerpunkte der polizeilichen Überwachungstätigkeiten konzentrieren sich weiterhin auf die besonders unfallträchtigen Fehlverhaltensweisen. Dabei stehen die Unfallrisikogruppen verstärkt im Focus der polizeilichen Maßnahmen. Mit der Fortschreibung des bewährten Verkehrssicherheitskonzeptes M-V kommt der Ausweitung von Präventionsprojekten für junge Fahrerinnen und Fahrer sowie der Verstärkung der Geschwindigkeitsüberwachung durch Anhaltekontrollen eine besondere Bedeutung zu. Zudem soll die Arbeit der Verkehrsunfallkommissionen durch Fortführung der elektronischen Unfalltypenkarte im ganzen Land verbessert werden.
„Die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2015 hat einmal mehr gezeigt, wie komplex das Thema ist. Als Innenminister kann ich anhand der Statistik die wesentlichen Trends aufzeigen und auf die Probleme und Herausforderungen aufmerksam machen. Prävention im Verkehrsbereich ist aber ebenso wie in der Kriminalitätsbekämpfung eine langfristige Aufgabe und kann nicht allein durch die Polizei geleistet werden“, so Minister Caffier. „Viele engagieren sich in der Verkehrssicherheitsarbeit wie zum Beispiel die Landesverkehrswacht. Ich bin mir mit dem zuständigen Fachminister einig, dass wir zur Bündelung und Koordination der unterschiedlichen gesellschaftliche Akteure verstärkt die Verkehrssicherheitskommission nutzen wollen.“
[1] Unfälle mit Personenschaden:
Bei Unfällen mit Personenschaden sind Personen getötet, schwer-oder leichtverletzt worden. Als Getötete werden Personen erfasst, die unmittelbar oder innerhalb von 30 Tagen nach Unfallereignis an den Unfallfolgen starben.
Als schwerverletzt werden Personen erfasst, die unmittelbar zur stationären Behandlung – mindestens für 24 Stunden – in einem Krankenhaus aufgenommen wurden. Als leichtverletzt werden alle übrigen verletzten Personen erfasst, bei denen eine stationäre Behandlung nicht erforderlich ist

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