Fahrassistenzsysteme müssen Blaulicht und Martinshorn „erkennen“

9. März 2016 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen | Drucken

Telefonieren und Musikhören am Steuer: Polizei und Rettungsfahrzeuge im Einsatz bleiben immer wieder am Heck des Vordermannes kleben und kommen nicht voran, weil Autofahrer das Blaulicht nicht bemerken und das Martinshorn“ nicht hören. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert nach einem zweittägigen Verkehrssymposium in Potsdam, dass die bereits heute eingesetzten hochentwickelten Assistenzsysteme im Fahrzeug auch Rettungsfahrzeuge im Einsatz erkennen. Als Folge müssten alle anderen Geräuschquellen im Fahrzeug heruntergefahren werden, damit der Autofahrer rasch reagieren und die sogenannte Rettungsgasse frei machen kann. Das ist ein Ergebnis einer bundesweiten Zusammenkunft von rund 100 Verkehrsexperten aus Polizei, Justiz, Wirtschaft und Verbänden, die am Mittwoch zu Ende ging.

„Die Tagung zum Thema autonomes Fahren hat eine Fülle von Überlegungen, Anregungen, aber auch Kritik an den Zukunftsvisionen des Autofahrens erbracht“, sagte der für Verkehrspolitik zuständige stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Arnold Plickert in einem ersten Fazit der Veranstaltung. Für die Polizei sei es wichtig, von der Entwicklung nicht abgehängt zu werden. Auch sie brauche für ihre eigenen Fahrzeuge zum Schutz der Beamtinnen und Beamten ein Maximum an technischer Sicherheit, da sie sich häufig in kritischen Verkehrssituationen bewege. „Ebenso muss ihr die Fülle von Daten, die von den Herstellern in den Fahrzeugen erhoben werden, unmittelbar zur Verfügung stehen, um bei schweren Verkehrsunfällen Ursachen und Verursacher eindeutig ermitteln zu können.“

Das selbst fahrende Auto wirft nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) noch weitere dringend zu klärende Fragen auf. Straßenverkehrsteilnehmer, Straßenverkehrsbehörden, Justiz, Versicherer und die Polizei dürften sich von der technischen Entwicklung nicht überraschen lassen, appellierte Plickert.

Die Straßenverkehrsordnung, Datenschutzvorgaben sowie die polizeiliche Verkehrsüberwahung, Unfallaufnahme und das Ermitteln und Verfolgen von Verkehrsdelikten müssten rasch für die nicht mehr weit entfernte Vision des „Chips am Lenkrad“ fit gemacht werden. „Es wäre verheerend, wenn die Polizei beispielsweise zu einem Unfall von einem Automaten-Auto und einem fahrergesteuerten Kraftfahrzeug gerufen würde, und dann mit einem unklaren Rechtsrahmen konfrontiert sei“, sagte der GdP-Verkehrsexperte.