Ehrenamtliches Engagement in den baden-württembergischen Justizvollzugsanstalten

29. Februar 2016 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Strafvollzug | Drucken

Das bürgerschaftliche Engagement im baden-württembergischen Justizvollzug boomt. 782 Mitbürgerinnen und Mitbürger bringen sich auf ganz vielfältige Weise ehrenamtlich in den 17 Justizvollzugsanstalten des Landes ein und unterstützen die Gefangenen so auf ihrem Weg in ein straffreies Leben in Freiheit. Dieses Engagement wird von den Gefangenen honoriert. Eine aktuelle Befragung der Hochschule Esslingen zeigt eine große Zufriedenheit mit den ehrenamtlichen Angeboten.

„Bürgerschaftliches Engagement im Justizvollzug bildet eine ungemein wertvolle Brücke zwischen Straffälligen und Gesellschaft. Die verlässliche, konstruktiv-kritische Begleitung durch Menschen aus dem „normalen“ Leben hilft den Straffälligen, neuen Mut zu fassen, ihr Leben ernsthaft in die richtige Bahn zu lenken und sich mit frischer Kraft auf ein straffreies Leben in sozialer Verantwortung vorzubereiten. Die vielen ehrenamtlich Tätigen leisten daher einen ganz bedeutenden Beitrag zur Resozialisierung von Straftätern und damit zur Sicherheit der Gesellschaft insgesamt“, sagte Justizminister Rainer Stickelberger und sprach seinen Dank und seine große Anerkennung aus.

„Unsere Erfahrungen zeigen: Die Gefangenen sind dankbar für jede Form der Ansprache und Zuwendung. Sei es beim gemeinsamen Kochen, in Sportgruppen, bei Gesellschaftsspielen, künstlerischen Aktivitäten oder ganz einfach im gemeinsamen Gespräch – jede Bürgerin, jeder Bürger ist herzlich willkommen, sich und seine Fähigkeiten einzubringen“, sagte der Minister. Er wies auf die umfangreichen Hilfestellungen hin, die Interessierten die Mitwirkung im Vollzug erleichtern sollen. „Ein vom Justizministerium initiierter Fortbildungsverbund organisiert und koordiniert regelmäßig Einführungsseminare und Weiterbildungsveranstaltungen und begleitet die Ehrenamtlichen bei allen praktischen Fragen“, sagte Stickelberger. Ausdrücklich dankte er den am Fortbildungsverbund beteiligten Vereinen und Trägern, konkret den im Netzwerk Straffälligenhilfe Baden-Württemberg zusammengeschlossenen Verbänden, der evangelischen und katholischen Anstaltsseelsorge, dem SKM – katholischer Verein für soziale Dienste der Erzdiözese Freiburg und dem Schwarzen Kreuz – christliche Straffälligenhilfe e.V.

Eine aktuelle, durch den Fortbildungsverbund in Auftrag gegebene bundesweit einmalige Befragung durch die Hochschule Esslingen zeigt eine große Zufriedenheit der Gefangenen mit dem ehrenamtlichen Engagement und ein reges Interesse an den vielfältigen Angeboten. Der nach wissenschaftlichen Standards erarbeitete siebenseitige Fragebogen wurde an 516 Gefangene in zwölf Justizvollzugsanstalten des Landes verteilt, die hohe Rücklaufquote von 70,5% gewährleistet repräsentative Ergebnisse. Insbesondere Koch- und Backkurse, Computerkurse und Fremdsprachenunterricht, aber auch Sport- und Handwerksangebote kamen sehr gut an. Vielfach wurde eine intensivere Einzelbetreuung gewünscht, um sich im Gespräch mit den Ehrenamtlichen insbesondere auf die Entlassung und den Übergang von Haft auf das Leben in Freiheit noch besser vorbereiten zu können. „Diese Ergebnisse sind Bestätigung und Anerkennung der ungemein wichtigen ehrenamtlichen Tätigkeit vor Ort. Gemeinsam mit dem Fortbildungsverbund unternehmen wir alle Anstrengungen, um noch mehr Menschen die Gefängnisse als Orte des Ehrenamts näher zu bringen und sie zur Mitwirkung zu ermutigen“, so Stickelberger, der sich bei Professorin Dr. Andrea Janßen und Professorin Dr. Sabine Schneider von der Hochschule Esslingen für die Durchführung der Befragung bedankte. Der Fortbildungsverbund hat eine Internetseite eingerichtet, auf der sich interessierte Bürgerinnen und Bürger über die Möglichkeiten eines ehrenamtlichen Engagements im Vollzug informieren können.

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