Steigende Opferzahlen bei Risikogruppe der jungen Fahrer

26. Februar 2016 | Themenbereich: Rheinland-Pfalz, Verkehr | Drucken

Die Zahl der Verkehrsunfälle in Rheinland-Pfalz ist 2015 um rund sechs Prozent auf 140.416 gestiegen. Dabei kamen 194 Menschen zu Tode, 19 Menschen mehr als im Vorjahr. „Einen besorgniserregenden Trend müssen wir besonders bei der Risikogruppe der jungen Fahrer verzeichnen, denn allein in dieser Gruppe stieg die Zahl der Todesopfer von 28 auf 39“, sagte Innenminister Roger Lewentz bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz 2015.

Die hohe „Ablenkungsanfälligkeit“ junger Fahrer könne ein möglicher Faktor bei den Unfallursachen sein. „Ablenkung“ im Straßenverkehr werde 2016 ein Schwerpunktthema der Polizei. Die Erhöhung der Verkehrssicherheit müsse ein zentrales Anliegen aller bleiben.

Im vergangenen Jahr nahm die rheinland-pfälzische Polizei im Durchschnitt täglich 384 Verkehrsunfälle auf. Statistisch gesehen ereignete sich damit alle vier Minuten ein Unfall. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Unfälle um 7972 auf 140.416. Auch wenn es in 90 Prozent der Fälle bei Sachschäden bleibt, werden statistisch gesehen jeden Tag zehn Menschen auf rheinland-pfälzischen Straßen schwer verletzt.

In vielen Fällen ist Ablenkung im Straßenverkehr eine Unfallursache. So steigt das Unfallrisiko zum Bespiel beim Telefonieren um das Zwei- bis Fünffache. Hierbei spielt das Alter eine Rolle: 18 bis 24-Jährige sind 40 Prozent mehr Ablenkungsereignissen als Senioren ausgesetzt. „In der Verkehrssicherheitsarbeit setzt das von der Polizei initiierte Projekt ‚Chrashkurs‘ bei Schülerinnen und Schülern der Oberstufe an und erzielt auch entsprechende emotionale Wirkung“, so der Minister. Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten oder Notfallseelsorger schildern dabei hautnah ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit schweren Unfällen.

Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Kinderbeteiligung ist nach Rückgängen in den Jahren 2012 und 2013 im vergangenen Jahr erneut um 18 auf 1390 (2014: 1372) leicht gestiegen. Fünf Kinder starben bei Verkehrsunfällen, zwei weniger als im Vorjahr. „Gerade im Bereich der schwächsten Verkehrsteilnehmer unternehmen wir alle Anstrengungen, um die Verkehrssicherheitslage zu verbessern. Umso wichtiger ist es, dass nun auch der Bund auf die Forderungen der Länder reagiert hat, vor Kindergärten und Schulen Tempo 30 zur Regel zu machen“, unterstrich der Minister.

Gestiegen ist im vergangenen Jahr auch erneut die Zahl der Verkehrsunfälle mit Seniorenbeteiligung. Die Unfälle nahmen um mehr als sechs Prozent um 1485 auf 23.506 zu. Die Zahl der verunglückten Senioren blieb mit exakt 2144 im Vergleich zum Vorjahr unverändert, die Zahl der getöteten Senioren stieg hingegen von 51 auf 53. Damit ist nahezu jeder dritte Verkehrstote 65 Jahre oder älter. Senioren ab 75 Jahren waren als Fahrer an 1012 (2014: 920) Unfällen mit Personenschaden betei-ligt und dabei in fast 80 Prozent der Fälle Hauptverursacher. „Neben den jungen Fahrern bleiben auch die Senioren im Fokus der Verkehrssicherheitsarbeit. Ziel ist es, ältere Menschen im Straßenverkehr fit zu halten. Denn Mobilität ist in einem Flächenland für Senioren ein wichtiger Bestandteil ihrer Lebensqualität“, so Lewentz.

Bei den Motorradfahrern blieb die Zahl der tödlichen Unfälle unverändert auf 44 Opfern. Insgesamt verunglückten mit 2059 Motorradfahrern 94 mehr als im Vorjahr. „Motorradunfälle sind in besonderem Maße witterungsabhängig und unterliegen aufgrund der hohen Geschwindigkeiten oder der fehlenden Knautschzone höheren Gefährdungen als Autofahrer“, so der Minister. Motorradfahren war bereits 2015 eine Schwerpunktthema der Verkehrssicherheitstage.

Bei allen Unfällen mit Personenschaden sind weiterhin überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Sicherheitsabstand und Vorfahrtverletzungen die Hauptursache für Unfälle. „Die Verkehrssicherheit in Rheinland-Pfalz ist auf einem hohen Niveau. Trotzdem gilt es in jedem Jahr an Zielgruppen orientierte Präventionsmaßnahmen abzuleiten sowie weitere Initiativen insbesondere für Kinder und Jugendliche zu starten oder auszubauen. Wir müssen uns aber auch den neuen Herausforderungen stellen und uns zum Beispiel den Flüchtlingen als einer Zielgruppe der Verkehrssicherheitsarbeit annehmen“, betonte Lewentz.