Wir brauchen Verstärkung

18. Februar 2016 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen | Drucken

Immer mehr Aufgaben mit immer weniger Personal – für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Deshalb hat sie heute in Stuttgart eine Kampagne für mehr Polizisten und Sicherheit unter dem Motto „Wir brauchen Verstärkung“ gestartet. „Die Polizei ist am Limit. Wohnungseinbrüche, zunehmende Internetkriminalität, Gewalt bei Demonstrationen und Fußballspielen – die Polizei macht ihren Job, aber so geht es auf Dauer nicht weiter. 16.000 Stellen wurden in den letzten Jahren bei der Polizei gestrichen, um Haushaltslöcher zu stopfen. Damit muss Schluss sein. Es müssen wieder mehr Polizistinnen und Polizisten eingestellt werden, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten“, fordert der GdP-Landesvorsitzende Rüdiger Seidenspinner.

Die Kampagne zeigt in der körnigen Schwarz-Weiß-Optik von Überwachungskameras fröhliche Kriminelle beim Wohnungseinbruch, Diebstahl und Internetbetrug. Sie sind die Nutznießer der Stellenstreichungen und freuen sich, weil die Polizei zu wenig Personal hat, um sie an ihren Straftaten zu hindern. „Es ist ungewöhnlich, wenn ausgerechnet die Gewerkschaft der Gesetzeshüter fröhliche Menschen beim Gesetzesbruch zeigt. Aber wir wollen neue Wege beschreiten, um öffentlichen Druck auf die Politik auszuüben“, erklärte Seidenspinner. „Schöne Worte hören wir genug, wenn es um den Personalmangel bei der Polizei geht, aber es folgen keine Taten. Diese bequeme Haltung des Nickens und Nichtstuns muss ein Ende haben“, fordert der GdP-Chef.

Ein Schwerpunkthema der Kampagne ist die zunehmende Zahl der Wohnungseinbrüche. 150.000 Einbrüche gab es im vergangenen Jahr – der höchste Wert seit 17 Jahren. Das entspricht der Einwohnerzahl einer mittelgroßen deutschen Stadt wie Heidelberg, durchschnittlich alle dreieinhalb Minuten wird ein Türschloss aufgebrochen oder ein Fenster eingeschlagen. Vor allem die psychischen Folgen seien eine enorme Belastung für die Opfer, erklärt Seidenspinner. „Es ist eine dramatische Erfahrung, wenn man sich in seinen eigenen Wänden nicht mehr sicher fühlt.“

Ganz bewusst verzichtet die GdP bei ihrer Kampagne darauf, die Flüchtlingskrise und die aktuelle Bedrohung durch den Terrorismus zum Thema zu machen. „Natürlich steigt die Arbeitsbelastung der Kolleginnen und Kollegen durch die hohen Flüchtlingszahlen und die Terrorbedrohung – das ist ja offensichtlich. Aber auch ohne Flüchtlinge und ohne Terror hätten wir viel zu wenig Personal. Seit Jahren wurden Stellen abgebaut, der Personalmangel ist hausgemacht und es soll nicht der Eindruck entstehen, das Problem sei durch die jüngsten Ereignisse verursacht“, stellte Seidenspinner klar.

Die Kampagne umfasst eine bundesweite Plakatkampagne, Hörfunkspots, Online-Videos und regionale Aktionen. Informationen rund um den Personalmangel und zur Kampagne gibt es auf www.wir-brauchen-verstärkung.info.