Verhindern, dass sich Jugendliche radikalisieren

17. November 2015 | Themenbereich: Bremen, Innere Sicherheit | Drucken

„Salafismus und Islamophobie als Herausforderung in der Schule“ lautet der Titel eines Fachtages, der heute, 17. November 2015, über 100 Teilnehmer ins Bremer Landesinstitut für Schule (LIS) führte. Unter dem Eindruck der Anschläge in Paris informierten und diskutierten Pädagogen, Vertreter des Bildungsressorts und Experten intensiv über das Thema. Der Bedarf an fachlicher und pädagogischer Unterstützung, um Handlungssicherheit im Umgang mit menschenrechts- und demokratiefeindlichem Verhalten von Jugendlichen zu gewinnen, ist an den Bremer Schulen weiterhin sehr hoch. Doch wie können Lehrer verhindern, dass sich Schüler rekrutieren lassen? Wie können sie mit radikalisierten Jugendlichen ins Gespräch kommen? Der Verfassungsschutz schätzt, dass in Deutschland zirka 7.900 Salafisten leben, Bremen gilt mit etwa 360 Anhängern dieser besonders konservativen Strömung des Islam als Hochburg. Allerdings hat sich die Zahl der Salafisten in der Hansestadt in den vergangenen drei Jahren nicht mehr erhöht; im Bundestrend hingegen hat sie sich mehr als verdoppelt.

„Die tragischen Ereignisse am vergangenen Wochenende führen uns in erschreckender Weise vor Augen, welche grauenhaften Folgen religiöser und politischer Fanatismus und Extremismus haben können“, erklärte Michael Huesmann, Abteilungsleiter im Bildungsressort, in einer Rede während des Fachtages. Es gebe keine allgemeinen und einfach zu handhabenden Rezepte und Antworten. „Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir ändern können. Und wir können durch unsere Arbeit vielleicht verhindern, dass solchen Situationen wie jetzt in Paris in unserer Gesellschaft überhaupt der Boden bereitet wird. Wir müssen versuchen zu verhindern, dass Jugendliche und junge Erwachsene sich radikalisieren und anfällig werden für den religiösen Extremismus. Wir entwickeln darauf bereits geeignete Handlungsstrategien“, so Huesmann.

Dazu gehören Präventionsangebote des Dachverbandes der islamischen Religionsgemeinschaften Schura. In einem Workshop stellten Bassam El-Choura und Esra Basha die Präventionsarbeit islamischer Gemeinden in Bremen sowie Beratungsangebote vor. Aus der Praxis berichteten zwei Lehrerinnen des Schulzentrums Walle und ein Schulleiter aus Hamburg.

„Bisher sind uns lediglich vereinzelt dschihadistischen Anwerbeversuche von Jugendlichen in Bremer Schulen bekannt. Aber wir beobachten seit wenigen Jahren, dass sich ein kleiner Teil der Schülerinnen und Schüler oder auch religiöser Eltern radikalisiert“, sagt Helmut Kehlenbeck, zuständiger Referent in der Bildungsbehörde. Er präsentierte auch Beispiele. So habe ein Schüler (3.Klasse) in das Freundschaftsbuch eines Mitschülers geschrieben: Sein größter Traum sei es Soldat im Heiligen Krieg zu sein und als Märtyrer zu sterben. Andere Eltern haben sich daraufhin an die Schulleitung gewandt.

Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung, setzt auf den Dialog: „Die Schulen – Lehrkräfte, sowie auch Schulsozialarbeiterinnen und Sozialarbeiterarbeiter – sind gefordert, Respekt und Wertschätzung der verschiedenen Sprachen, Traditionen, Religionen und die Entwicklung einer Willkommenskultur zu verbinden. Dies muss auf Basis der Grundprinzipien und zentralen Werte unserer demokratischen Gesellschaft geschehen. Ich weiß, diese Arbeit ist teilweise sehr mühsam. Das gilt vor allem dann, wenn uns Jugendliche mit extremistischen Äußerungen und Verhaltensweisen an unsere Grenzen bringen. Umso wichtiger sind klare Handlungsstrategien. Diese wollen wir unter anderem mit Fachtagen und individuellen Unterstützungen der Schulleitungen, aber auch insgesamt mit dem Senatskonzept zum Umgang mit religiösem Extremismus vermitteln.“