Senat unterstützt die Weiterentwicklung des Hilfesystems bei häuslicher Gewalt in Berlin

17. November 2015 | Themenbereich: Berlin, Innere Sicherheit | Drucken

Der Senat hat heute den von der Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, vorgelegten Bericht an das Abgeordnetenhaus über eine Studie zur Weiterentwicklung des Berliner Hilfesystems bei häuslicher Gewalt beschlossen.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Grundversorgung gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder in Berlin als gewährleistet angesehen werden kann. Mit den sechs Frauenhäusern, 40 Zufluchtswohnungen, fünf Interventions- und Fachberatungsstellen sowie der BIG-HOTLINE, der ergänzenden Anlaufstelle bei BIG für die Nachtstunden, an Wochenenden und Feiertagen sowie der BIG-Koordinierung verfügt Berlin danach über ein gut aufgestelltes und differenziertes Hilfesystem. Zudem werden die Zufluchtswohnungen und Frauenhäuser auch über die reine Grundversorgung hinaus als gut geeignet für bestimmte Zielgruppen eingeschätzt.

Dennoch hat sich die Klientel hinsichtlich des erforderlichen Unterstützungsbedarfs in den letzten Jahren stark verändert und die Multiproblemlagen haben spürbar zugenommen. Dies bringt einen deutlich erhöhten Beratungs- und Begleitungsbedarf mit sich. Gleichzeitig verweilen Frauen wegen der zugespitzten Wohnungsmarktsituation länger als erforderlich in den Unterstützungseinrichtungen.

Bedarfslücken in der Versorgung bestehen insbesondere für
• Nutzerinnen mit starken akuten psychischen Belastungen bzw. Erkrankungen,
• Nutzerinnen mit problematischem Alkohol- und/oder Medikamentenkonsum und Suchterkrankung,
• Kinder der Nutzerinnen, die einen besonderen Unterstützungsbedarf haben,
• Nutzerinnen mit Migrationshintergrund mit Multiproblemlagen,
• Nutzerinnen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen.

Vor diesem Hintergrund hat die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen Maßnahmen vorgeschlagen, die zu einer bedarfsgerechteren Versorgung gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder sowie zur Ausdifferenzierung des Hilfesystems beitragen sollen. Diese umfassen:
• die Weiterführung der fachlichen Diskussion zur Schwerpunktsetzung in den Frauenhäusern insbesondere in Bezug auf den Aufbau von Versorgungsketten und die Ausweitung niedrigschwelliger Angebote für psychisch besonders belastete oder kranke Frauen sowie für behinderte Frauen;
• den Ausbau der ambulanten Beratung durch Begleitung und Unterstützung der Frauen bei Ämtern, Jobcentern, Wohnungssuche etc.;
• die Schaffung von weiteren Möglichkeiten zur Aufnahme von Söhnen über 14 Jahren über das bestehende Angebot hinaus;
• die Etablierung der trägereigenen Wohnungen im Hilfesystem durch Kooperation mit Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen unter Einbezug der angrenzenden Hilfesysteme (Suchthilfe, Psychiatrisches Hilfesystem) und Abschluss einer diesbezüglichen Kooperationsvereinbarung;
• die Entwicklung und Umsetzung von Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen der Frauenunterstützungseinrichtungen zum Erkennen von psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen, zu Traumapädagogik und zur kognitiven Gewaltbewältigung sowie zu ressourcenstärkenden Ansätzen für die Mitarbeiterinnen der Frauenunterstützungseinrichtungen;
• die Entwicklung und Etablierung eines einheitlichen, computergestützten Dokumentationssystems als Basis für eine weitere, bedarfsgerechte Planung.

Im Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2016/2017 sind dafür zusätzliche Mittel im Umfang von jeweils 600.000 € vorgesehen.