BDK Sachsen unterstützt die Ausbildung von IT-Spezialisten

9. Oktober 2015 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Sachsen | Drucken

An der Hochschule Mittweida werden Studenten im Studiengang „Allgemeine und Digitale Forensik“ als IT-Forensik-Spezialisten ausgebildet. Der BDK Sachsen unterstützt über einen Kooperationsvertrag eine dort gebildete studentische Forschungsgruppe Forensik.

Begehungsweisen der Internetkriminalität entwickeln sich zunehmend zu einer Herausforderung an die Gesellschaft und somit auch der Sicherheitsbehörden. In kaum einem weiteren Gebiet ist eine derartige Dynamik zu verzeichnen.

Die Palette der hier zu betrachtenden Begehungsweisen geht von der Nutzung moderner Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten bei der Begehung herkömmlicher Straftaten bis zur gewollten Nutzung des Internets als Tatmittel bei der Begehung von Straftaten, die es ohne dieses Medium nicht geben könnte. Hier sei auf das illegale Abgreifen von Daten, Betrugshandlungen unter Ausnutzung des Internet bis zu schwerwiegenden Störungen und wirtschaftlichen Schädigungen durch Hacking. Viele der genannten Deliktsarten verlagern sich teilweise oder auch ganz in das Internet, hinzu kommen vermehrt Anonymisierungs- und Verschlüsselungsmöglichkeiten, aber auch die derzeit fehlende Vorratsdatenspeicherung als Ermittlungshemmnisse.

An keinem Tätigkeitsbereich der Polizei lässt sich das Erfordernis einer Spezialisierung besser begründen, als eben bei der Bekämpfung dieser Kriminalitätsfelder. Neben kriminalpolizeilichem Sachverstand ist hier vor allem tiefes Fachwissen bei Ermittlungen bei der Internet- und Computerkriminalität erforderlich.

Die sächsische Polizei ist seit geraumer Zeit bestrebt, die Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität zu intensivieren.

Als aufbauorganisatorischer Unterbau wurde eigens dafür ein Cybercrime-Competence-Center im Landeskriminalamt eingerichtet, wobei hier die personelle Untersetzung noch deutlich verbessert werden muss.

Auch in Organisationseinheiten der Polizeidirektionen wird zunehmend IT-Fachkompetenz zum Tragen kommen müssen.

Im Koalitionsvertrag der sächsischen Staatsregierung wird als politischer Wille die Einstellung von IT-Spezialisten zur Unterstützung des Polizeivollzugsdienstes, insbesondere in den Bereichen Cybercrime, IT-Forensik und zur Sicherstellung der polizeilichen IT-Infrastruktur festgehalten. In den nächsten zwei Jahren (beginnend ab dem Jahr 2015) sollen deshalb 100 entsprechende Spezialisten eingestellt werden.

Zudem verpflichtet sich die sächsische Staatsregierung, im Bereich der Internetkriminalität und deren Bekämpfung die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu stärken.

Im Zuge der Neugestaltung des Dienstrechtes durch das Dienstrechtneuordnungsgesetz wurde zur beamtenrechtlichen Sicherstellung dieses Vorhabens in die Sächsische Laufbahnverordnung ausdrücklich als neuer Schwerpunkt der Fachrichtung „Polizei“ die Verwendung im „Computer- und Internetkriminalitätsdienst“ aufgenommen. Somit wird potentiellen Bewerbern eine gesicherte beamtenrechtliche Perspektive eröffnet, was für uns einer Direkteinstellung in die Kriminalpolizei gleich kommt. Das ist sehr beachtlich.

Bundesweit läuft nunmehr die Suche und Auswahl geeigneter Bewerber für diese Spezialverwendung in der Polizei, was mit konkurrierenden Wirkungen einhergeht. Problematisch hierbei wird, geeignete Bewerber anzusprechen und diese für eine Tätigkeit in der sächsischen Polizei zu interessieren.

Mit Studienbeginn 1. Oktober 2015 haben nunmehr 10 (man beachte: von für 2015/2016 avisierten 100) Absolventen eines IT-Studiums ihren einjährigen Vorbereitungsdienst an der Hochschule der Sächsischen Polizei begonnen. Hier ist sicher noch mehr möglich. Vor dem Hintergrund des deutlich definierbaren Anforderungsprofils dieser Spezialisten drängt sich die Überlegung auf, ob das hier auferlegte Auswahlverfahren einfach unüberlegt und nicht zeitgemäß war und ist. Es lässt sich kaum vermitteln, dass aus einem Pool von nahezu 100 Bewerbern letztendlich dieser geringe Anteil an Absolventen übrig bleibt.

Auch wäre zu überlegen, ob vor dem Hintergrund der ausschließlichen Verwendung der Spezialisten im IT-Bereich die bislang angesetzte einjährige Ausbildung in Anlehnung an die in Sachsen praktizierten Fortbildung im Rahmen eines K-Fachlehrganges zeitlich und inhaltlich reduziert werden kann.

Kooperation mit der Hochschule Mittweida

An der Hochschule Mittweida werden Studenten im Studiengang „Allgemeine und Digitale Forensik“ als IT-Forensik-Spezialisten ausgebildet.

Durch den Bund Deutscher Kriminalbeamter wird über einen Kooperationsvertrag mit der Hochschule Mittweida eine dort gebildete studentische Forschungsgruppe Forensik (Students Research Group) unterstützt, um frühzeitig eine fachliche Rückkopplung zur erforderlichen polizeilichen Ausrichtung der Ausbildungsinhalte herstellen zu können; im Lichte der Aussagen im Kooperationsvertrag wohl auch eine Aufgabe für die Staatsregierung.

Was leistet dabei der BDK?

Das Engagement des BDK ist auf unser verbandspolitisches Selbstverständnis zurückzuführen, wir sehen uns hier in der Verantwortung. Die Kooperation bezieht sich ausdrücklich auf die gegenseitige Unterstützung auf dem Gebiet der Aus- und Fortbildung, die gegenseitige Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung von thematischen Lehrveranstaltungen sowie Workshops.

Durch den BDK werden an der Hochschule Mittweida im Rahmen der „Kripo-Akademie“ Fachseminare – so z.B. „Forensik mit Open Source Tools“ oder „Open Source Intelligence (OSINT)“ – angeboten, die bundesweit durch Polizeibeamte stark nachgefragt werden.

Der BDK ist bei der Einrichtung eines berufsbegleitenden Bachelor-Studienganges „IT-Forensik / Cybercrime“, beginnend ab dem Jahr 2016, eingebunden.

Durch den BDK – Landesverband Sachsen werden im Rahmen einer „AG Kriminalistik“ des Bezirksverband Chemnitz polizeilich-relevante Themen in die fakultative Studiengestaltung eingebracht. Eine Teilnahme von interessierten Studenten an Veranstaltungen des BDK – Landesverbandes ist grundsätzlich möglich.

Dieses Engagement verfolgen wir auch, um eine Einrichtung im regionalen Raum entsprechend zu unterstützen.

Für Studenten und Mitarbeiter der Hochschule Mittweida besteht die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft im Bund Deutscher Kriminalbeamter.

In geführten Gesprächen mit Studenten und Lehrkräften wurde ständig angeregt, neben anderen Maßnahmen zur Herstellung der Praxisnähe des Studienganges die studiengangbegleitenden Praktika auch im Bereich der Polizei durchführen zu können.

Durch den BDK wurde diese Thematik an das Sächsische Staatsministerium des Innern herangetragen, mit der Bitte um Prüfung, ob und in welchen Dienststellen und Organisationseinheiten der Sächsische Polizei diese Praktika angeboten werden könnten. Wir sehen die Einräumung einer solchen Möglichkeit für Studenten dieses Studienganges für die Bildungseinrichtung, aber auch für die Polizei als zukünftiger Bedarfsträger als sehr förderlich an.

Wir stellen uns hier eine beständige Zuweisung vom Praktikumsplätzen vor. Für eine Vermittlung mit der Hochschule Mittweida haben wir uns gegenüber dem Sächsischen Staatsministerium des Innern ausdrücklich angeboten.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter sieht das deutliche Erfordernis, die Abläufe und das Einstellungsprocedere von IT-Spezialisten zu intensivieren.

Uns läuft die Zeit davon.