Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) stand heute im Zeichen der Gerichtsmedizin

7. Oktober 2015 | Themenbereich: Brandenburg, Justiz | Drucken

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) – Landesverband Brandenburg – hat heute den Gerichtsmediziner MR PD Dr. med. Wolfgang Mattig mit dem „Hans-Gross-Preis für herausragende Verdienste um die Kriminalistik“ ausgezeichnet. Die festliche Preisverleihung erfolgte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Mattig, der für sein Lebenswerk geehrt wurde, sei ein anerkannter Fachmann, der sich weit über die Grenzen seines unmittelbaren Arbeitsbereichs hinaus immer wieder auch für eine fachlich, materiell und personell ausreichend ausgestatte Gerichtsmedizin engagiert habe, betonte der BDK-Landesvorsitzende Riccardo Nemitz (42). In der Zeit nach der Wende habe der heute Geehrte immer wieder im Abwehrkampf gegen Personalabbau sowie gegen Organisationsüberlegungen, die die Eigenständigkeit seines Instituts gefährdeten, gestanden. Aber auch seiner Auffassung nach nicht sachgerechte Strukturveränderungen und Personalabbau bei der Kriminalpolizei habe Mattig kritisiert. In den Medien habe er immer wieder auf die Bedeutung einer funktionsfähigen Rechtsmedizin in enger Partnerschaft mit Kriminalpolizei und Justiz aufmerksam gemacht.

Der 1944 geborene Mediziner hat seine berufliche Laufbahn seit seiner ersten Obduktion 1973 ganz in den Dienst der Gerichtsmedizin gestellt. Zur dieser kam der gebürtige Hallenser, der an der Berliner Humboldt-Universität Medizin studierte und sich für die Psychiatrie interessierte, durch den international renommierten Gerichtsmediziner Prof. Dr. Otto Prokop. 1973 wurde er bei ihm Assistenzarzt, 1983 nach Frankfurt (Oder) berufen, um dort das Gerichtsmedizinische Institut zu gründen. Nach der Wende sollten das Frankfurter und das Potsdamer Institut aufgelöst werden, es kam jedoch zu einer Fusion. 1991 übernahm Mattig als Nachfolger von Institutsdirektor Dr. Kurt Markert auch das Amt in Potsdam. 1994 erfolgte der Umzug vom Schloss Lindstedt in den gegenüberliegenden Neubau. Bis zum Eintritt in den Ruhestand 2009 stand er an der Spitze des Brandenburgischen Landesinstituts für Rechtsmedizin. Die enge Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei im Dienste der Verbrechensbekämpfung war ihm dabei stets ein besonderes Anliegen.

Der heute vergebene Preis ist nach dem Begründer der Kriminalistik als Wissenschaft sowie hervorragenden Kriminologen und Strafrechtler, Prof. Hans Gross (1847-1915), Karl-Franzens-Universität Graz (Österreich) benannt. Der BDK Brandenburg verleiht diesen nun bereits zum vierten Mal an Persönlichkeiten für ihre Verdienste um die Förderung der Verbrechensbekämpfung, der Kriminalpolizei und der Kriminalwissenschaften. Erster Preisträger 2009 war der Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, Prof. Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg. 2011 und 2013 folgten die Juristen, Kriminalisten und Hochschullehrer Prof. Dr. sc. jur. Rolf Ackermann und Prof. Dr. jur. habil. Armin Forker.

Bereits am Vormittag fand eine ebenfalls vom BDK Brandenburg ausgerichtete Fachveranstaltung statt, die sich mit „Todesermittlungen und Deliktsvortäuschungen“ befasste. In der Tagung mit hochkarätigen Fachreferenten hatten sich mehr als 200 Teilnehmer angemeldet, vornehmlich Kriminalisten, Gerichtsmediziner und andere interessierte Ärzte. In den Fachvorträgen ging es um die Verbesserung der ärztlichen Leichenschau ebenso wie die Forderung nach deutlich mehr Obduktionen. „Jeder Mensch hat ein Recht darauf, dass seine Todesursache verlässlich festgestellt wird.“, betonte BDK-Chef Nemitz. Dabei gehe es nicht allein darum, Verbrechen zu erkennen und aufzuklären, sondern auch um eine solide Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen. „Eine Todesursachenstatistik ist aber nichts wert, wenn sie auf tönernen Füßen steht.“, so Nemitz abschließend.

Das Interesse an der Tagung ging weit über Brandenburg hinaus.

Beide Veranstaltungen standen unter der Schirmherrschaft des Präsident der Europa-Universität Viadrina, Prof. Dr. Alexander Wöll.