Verkürzte Ausbildung bei der Bundespolizei geplant? BDK warnt vor peinlichem Rohrkrepierer!

6. Oktober 2015 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

 

Das BMI plant offenbar, die Ausbildung der BPOL von 30 auf 18 Monate zu verkürzen. Damit sollen die 3.000 versprochenen zusätzlichen Stellen schnellstmöglich nutzbar werden. Dabei soll es keine Abstriche in der Ausbildungsqualität geben und fehlende Module später „garantiert“ nachgeholt werden.

Das klingt sehr verlockend. Die Frage ist nur, was das in der jetzigen Krise helfen soll. Die Bundespolizei benötigt jetzt und nicht erst in zwei bis drei Jahren spürbar mehr Personal.

Im Übrigen wird dieser von Panik und Aktionismus diktierte Schnellschuss des Ministeriums sehr schnell zum Rohrkrepierer und die Reputation der gesamten deutschen Polizei in Frage stellen. Wenn es möglich sein soll, einen so komplexen Beruf wie den eines Polizeibeamten in 18 Monaten zu erlernen, es zur Ausbildung zum Frisör jedoch drei Jahre benötigt, dann kann das doch wohl nur bedeuten diese „Notpolizisten“ dem wieder einzuführenden „Einfachen Dienst“ zuzurechnen und irgendwo zwischen A 4 und A 6 zu besolden.

Auch stellt sich die Frage nach den Ausbildungsinhalten. Welche unwichtigeren Elemente sollen denn in der Ausbildung wegfallen? In einer Zeit wo beinahe jede polizeiliche Maßnahme in Frage gestellt und rechtlich geprüft wird, können es wohl kaum die Rechtsfächer sein. Sport, Schießen, Selbstverteidigung kommt jetzt schon zu kurz und müsste angesichts zunehmender Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte deutlich ausgeweitet werden. Kriminalistik, Kriminologie findet ohnehin kaum statt. Freiräume gäbe es allenfalls im Bereich der Führungslehre, da die dort vermittelten Inhalte des kooperativen Führungsstils ohnehin kaum Anwendung finden und diese „Notpolizisten“ ohnehin wohl niemanden führen werden.

Auch das Versprechen vom garantierten Nachholen ausgefallener Ausbildungsinhalte entpuppt sich angesichts der seit Jahren bestehenden und sich verstetigenden Fortbildungsengpässe als Wunschdenken. Fortbildung soll vergangene Ausbildungsinhalte ergänzen bzw. aktualisieren; kann sie aber nicht ersetzen!

Der BDK hat bereits vor Wochen den Vorschlag gemacht, etwa 2.000 kurz vor dem Ruhestand stehende, oder in den vergangenen 3-5 Jahren in den Ruhestand verabschiedete Beschäftigte von Bundesbehörden zur freiwilligen Dienstverlängerung bzw. Rückkehr in den Dienst zu bewegen.
Darüber hinaus müssten sofort etwa 1.000 Tarifbeschäftigte regional eingestellt werden, die als Schreib- und Dateneingabekräfte ohne polizeiliche Ausbildung zur Unterstützung und Entlastung der Ermittlungsbereiche eingesetzt werden.

Letztlich muss sich die BPOL auf ihre Kernaufgabe Grenzschutz fokussieren und andere Aufgaben aufgeben, vor allem aus dem „Fußballfanbegleitirrsinn“.