Niemals geht man so ganz… Wissenschaft und Praxis

30. September 2015 | Themenbereich: Polizei | Drucken

Die Stadthalle in Hiltrup war auch in diesem Jahr wieder der Ort, an dem die Absolventinnen und Absolventen der DHPol feierlich von ihrer Hochschule verabschiedet wurden. Grund genug für die Repräsentanten der Innenministerien und Innensenatoren, nach Münster zu kommen, um den Führungsnachwuchs zu beglückwünschen. In diesem Jahr schlossen 137 Masterabsolventen das Studium erfolgreich ab und übernehmen nun Führungsfunktionen in den Polizeien der Länder und des Bundes. „Niemals geht man so ganz…“, das machte Prof. Dr. Hans-Jürgen LANGE, Präsident der DHPol, in seiner Ansprache an die Absolventen deutlich.

Die ehemaligen Studierenden bleiben willkommene Partner, wenn es um die Weiterentwicklung der Hochschule geht, aber auch um den Austausch zwischen Berufspraxis und Hochschule lebendig zu halten. Zwar ist das Studium erfolgreich beendet, die neuen Herausforderungen stehen aber schon vor der Tür und hierfür können sich die Absolventen immer wieder an ihrer DHPol in Fortbildungsseminaren qualifizieren lassen.

Der rheinland-pfälzische Staatssekretär des Ministeriums des Innern, Randolf STICH, machte deutlich, dass die Absolventinnen und Absolventen angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen dringend in ihren Ländern und beim Bund gebraucht werden und dort auf die Kompetenzen vertraut werden kann, die im Studium erworben wurden. In diesem Jahr ist die Freude groß, dass eine Absolventin der niedersächsischen Polizei, Anke ARKENAU, mit 14 von 15 möglichen Punkten den besten Abschluss seit Bestehen der DHPol erzielt hat. Erst mit Mitte 20 war für Anke ARKENAU klar, dass sie bei der Polizei genau ihren Beruf gefunden hat. Nach dem Studium an der Fachhochschule und verschiedenen Stationen in der niedersächsischen Polizei nahm sie im Oktober 2013 das zweijährige Masterstudium auf, das sie nun so bravourös beendet hat.

Nach ihrem Erfolgsrezept befragt: Es sind die 3 Is, die den Erfolg ausmachen. Interesse an neuen Themen, an neuen Perspektiven und Menschen. Investition an Arbeit, Zeit und Kraft. Der Erfolg ist ihr nicht in den Schoß gefallen, er ist erarbeitet, das aber mit großer Freude und Begeisterung für die Sache. Das dritte I steht für Innovation. Nicht das Althergebrachte, das schon immer Praktizierte, sondern das Suchen und Ausprobieren von innovativen Konzepten und Ideen, das hat sie zu ihrem Prinzip gemacht. So ist es ihr gelungen, in vielen Prüfungen und in der Masterarbeit Bestnoten zu bekommen. Dabei hat sie das Studium, jedes Modul und jede Prüfung als Projekt verstanden, dem sie ihre ganze Aufmerksamkeit gewidmet hat. Dass dieses Konzept aufgegangen ist, das wurde ihr heute vor über 500 Gästen bescheinigt. Nicht nur als beste Absolventin, sondern auch als Verfasserin einer der besten Masterarbeiten bekam sie aus der Hand des rheinland-pfälzischen Staatssekretärs Randolf STICH ein Präsent als Erinnerung an diese herausragende Leistung. Sie wird die im Studium erworbenen Kompetenzen als Leiterin des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) der Polizeiinspektion Aurich/ Wittmund nutzen.

Auch wenn jetzt der Reiz der praktischen Polizeiarbeit überwiegt, will Anke ARKENAU nicht ausschließen, dass sie an die DHPol zurückkehrt, um zu promovieren.

Diese Entscheidung hat Bernd BÜRGER schon hinter sich und nahm daher aus der Hand von Prof. Dr. Dieter KUGELMANN, dem Vorsitzenden des Promotionsausschusses, die Promotionsurkunde entgegen. Bernd BÜRGER ist zwar nicht der erste Absolvent der DHPol, der promoviert hat, er ist aber der erste, der das Vorhaben Promotion unmittelbar im Anschluss an das Masterstudium vor zwei Jahren in Angriff genommen hat. Doch trotz des akademischen Titels „Dr. rer. publ.“ ist Bernd BÜRGER nach eigenen Bekunden „Polizist aus Leidenschaft“. Seine akademische Qualifikation hilft ihm, zu erkennen, wann Probleme nicht kurzfristig zu lösen sind, sondern einer gründlichen Aufarbeitung bedürfen. Über das methodische Handwerkszeug verfügt er nun nachgewiesener Maßen.

Natürlich kennt er die Bedenken der Skeptiker, die bezweifeln, dass ein promovierter Polizeibeamter seinen praktischen Aufgaben wirklich noch gewachsen ist. Akzeptanz für die Akademisierung des höheren Polizeivollzugsdienstes lässt sich aus Sicht von Bernd BÜRGER nur durch konkrete Erfahrungen erreichen. Als Führungskraft beim Unterstützungskommando einer Bayerischen Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit wird er zeigen, dass es möglich ist, wissenschaftliche Kompetenz mit Kompetenz im polizeilichen Berufsfeld zu verknüpfen. Wie ihm das gelingt, wird er in Fortbildungsveranstaltungen für Masterabsolventen vorstellen können, denn für diesen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis steht die DHPol und wird zukünftig offensiv diesen Austausch vorantreiben, wie Prof. Dr. Hans-Jürgen LANGE in seiner Ansprache deutlich gemacht hat.