Spezialitäten von Land und Meer – der Jugendvollzug kocht!

1. September 2015 | Themenbereich: Schleswig-Holstein, Strafvollzug | Drucken

Die Gefangenen in der Jugendanstalt Schleswig werden tagtäglich durch die Anstaltsküche verpflegt. Eine Besonderheit ist, dass die Anstaltsküche vollständig als Ausbildungs- und Qualifizierungsbetrieb organisiert ist. Bis zu 13 junge Gefangene sind im Echtbetrieb an 365 Tagen im Jahr unter Anleitung von erfahrenen Hauswirtschafts- und Küchenmeistern mit der Vorbereitung aller Mahlzeiten im Rahmen einer Berufsvorbereitung oder einer Ausbildung zur Fachkraft für Gastronomie beschäftigt. In der Berufsvorbereitung gewinnen die jungen Gefangenen so Grundkenntnisse, die wertvolle Pluspunkte im Bewerbungsverfahren um einen Ausbildungsplatz im Gastronomiebereich nach der Haftentlassung sind. Die Auszubildenden zur Fachkraft im Gastronomiebereich gehören mit ihrem Berufsabschluss am Arbeitsmarkt zur Gruppe der gesuchten Facharbeitskräfte.

Um ihr Können zu präsentieren, haben die jungen Gefangenen heute (31. August) Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Justiz zu einem Abendessen in der Jugendanstalt eingeladen. Serviert wurde ein dreigängiges Menü, inspiriert von der Vielfalt des Landes zwischen den Meeren. Nach einem kleinen Krabbencocktail zum Auftakt folgte der Hauptgang mit Schweinemedaillon, Bohnen und Speck sowie Kartoffeln. Zum Dessert wurde eine Creme nach Fürst-Pückler-Art serviert. Auch Justizministerin Anke Spoorendonk war der Einladung gefolgt und nutzte die Gelegenheit, in diesem Rahmen Herrn Hans-Herrmann Henken, dem Schulleiter und Geschäftsführer des Berufsbildungszentrums Schleswig (BBZ), einen Förderbescheid über rund 932.000 Euro für das Jahr 2015 zu übergeben. Dabei betonte sie, dass das BBZ ein regional aufs Beste vernetzter und anerkannter Bildungsträger sei. „“Dem BBZ gelingt es in bemerkenswerter Form sowohl die Fähigkeiten und Kenntnisse der Zielgruppe als auch die Bedarfe und Möglichkeiten des externen Arbeitsmarktes aufeinander zu beziehen. Die Erweiterung der Berufsvorbereitenden Maßnahmen um die Ausbildung zur Fachkraft in der Gastronomie ist ein Ausdruck dieses besonderen Engagements. Gemeinsam arbeiten Vollzug und BBZdaran, die jungen Gefangenen zu befähigen, künftig ein Leben ohne Straftaten und in sozialer Verantwortung zu führen. Der Vorbereitung auf den Zugang zum Arbeitsmarkt, durch die Berufsvorbereitung und Berufsausbildung ist ein wichtiger Baustein dabei““, sagte Spoorendonk.

Termin am 01.09.2015 © Norbert Czybulka

Die Fördersumme von rd. 932.000 Euro setzt sich aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds aus dem Landesprogramm Arbeit in Höhe von knapp 387.000 und Landesmitteln in Höhe von 545.000 € zusammen. Gefördert wird die schulische und berufliche Bildung von jungen Gefangenen in der Jugendanstalt Schleswig mit 70 Teilnehmerplätzen zur Berufsvorbereitung in verschiedenen handwerklichen Bereichen (Holz, Metall, Farbe, Bau-/Baunebenberufe, Küche, Gebäudereinigung) oder Berufsausbildung im Bereich Gastronomie. Zur Qualifizierung gehören auch ein arbeitstherapeutischer Bereich, EDV-Qualifizierung und die Unterstützung bei der Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Konzeptionell ist das Angebot an Berufsvorbereitende Maßnahmen der Agentur für Arbeit außerhalb des Vollzugs angelehnt. Geeignete Gefangene können im Rahmen der Teilnahme auch einen dem ersten allgemeinbildenden Schulabschluss gleichwertigen Abschluss erwerben. Für die Berufsausbildung gilt die Berufsausbildungsverordnung. Das Angebot ist auf die Bedarfe und Möglichkeiten der Gefangene im Alter von 14 – 24 Jahren ausgerichtet. Das BBZ setzt zur Berufsvorbereitung und -ausbildung sowie zur Integrationsbegleitung 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Das BBZ ist zudem als zuständige Berufsschule vor Ort auch für die Erteilung des Berufsschulunterrichts zuständig.

Hans-Herrmann Henken betont: „“Unser Bemühen um eine gute schulische und berufliche Qualifizierung der jugendlichen Gefangenen ist auch ein Beitrag gegen den wachsenden Fachkräftemangel. Diejenigen, die wir heute im Vollzug auf eine Berufsausbildung vorbereiten oder ausbilden und nach der Haftentlassung in eine Berufsausbildung oder auf einen Arbeitsplatz vermitteln, sind auf dem besten Weg, zukünftig zu den gesuchten Fachkräften am Arbeitsmarkt zu gehören“.“

Die Aktion „Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen für jugendliche Gefangene“ wird aus dem Landesprogramm Arbeit mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert.
Das Arbeitsmarktprogramm der Landesregierung für die Jahre 2014 bis 2020 setzt auf die Sicherung und Gewinnung von Fachkräften, die Unterstützung bei der Integration von Menschen, die es besonders schwer haben, in den ersten Arbeitsmarkt zu kommen und die Förderung des Potentials junger Menschen.
Das Landesprogramm Arbeit hat ein Volumen von etwa 240 Millionen Euro, davon stammen knapp 89 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfond (ESF).