Der niedersächsische Justizvollzug bildet erfolgreich aus

31. August 2015 | Themenbereich: Niedersachsen, Strafvollzug | Drucken

Wer aus einer niedersächsischen Justizvollzugseinrichtung entlassen wird, soll eine Perspektive für ein Leben ohne Straftaten haben. Denn wer heute noch eine Haftstrafe verbüßt, kann schon morgen wieder unser Nachbar sein.

„Die soziale Integration ehemaliger Strafgefangener ist der Schlüssel für die Sicherheit der Bürger unseres Landes“, betont Justizministerin Niewisch-Lennartz. „Nachweislich sind eine Ausbildung und ein Arbeitsplatz entscheidende Resozialisierungsfaktoren, die dazu beitragen, dass Menschen wieder – oder erstmals – in der Gesellschaft Fuß fassen und ihr Leben sinnvoll gestalten können.“

Weil die Mehrheit der Gefangenen vor der Inhaftierung keiner geregelten Arbeit nachgegangen ist und nicht über einen Berufsabschluss verfügt, hält der niedersächsische Justizvollzug vielfältige schulische und beruflichen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen vor, die sehr gut angenommen werden. Allein im ersten Halbjahr 2015 haben von den 4.830 niedersächsischen Gefangenen insgesamt 556 an Maßnahmen der beruflichen Aus- und Weiterbildung und 1.228 an schulischen Bildungsmaßnahmen teilgenommen. Die 1.008 landesweit vorhandenen Aus- und Weiterbildungsplätze sind durchgängig nahezu vollständig ausgelastet. „Diese Zahlen sprechen deutlich für den Erfolg unserer Bemühungen“, unterstreicht die Justizministerin.

Im Schul- und Ausbildungsjahr 2014/2015 konnten überwiegend im Jugend- und Jungtätervollzug 88 Hauptschulabschlüsse, 46 Realschulabschlüsse, teilweise mit sehr guten Ergebnissen, vergeben werden. Zusätzlich absolvierten 46 junge Gefangene einen Förderschulabschluss. Im Erwachsenenvollzug haben 44 Gefangene erfolgreich an einem Integrations- und Deutschkurs teilgenommen und zum Teil auch Sprachzertifikate am Goethe-Institut erworben. 135 Gefangene konnten in Elementar- und Förderkursen auf die Aufnahme in Schulabschlusskurse vorbereitet werden.

77 Gefangene erlangten Abschlüsse in anerkannten Ausbildungsberufen wie Koch, Maler, Maurer, Fahrzeuglackierer, Teilezurichter, Tischler, Kfz-Mechatroniker oder Hochbaufacharbeiter. In der Justizvollzugsanstalt Sehnde lag ein Fachlagerist aufgrund seiner sehr guten praktischen Leistungen sogar über dem Durchschnitt der Prüfungen im Zuständigkeitsbereich der Industrie und Handelskammer Hannover. Im Jugend- und Jungtätervollzug absolvierten zudem 27 Gefangene erfolgreich ihre Zwischenprüfung im handwerklichen Bereich.

Wegen der zum Teil recht kurzen Haftdauer und der oftmals geringen schulischen Vorbildung der Gefangenen ist das Ausbildungsangebot im niedersächsischen Justizvollzug vielfältig und flexibel. In berufsvorbereitenden Maßnahmen konnten 77 Teilnehmende für die Aufnahme einer Ausbildung gerüstet werden. 194 Gefangene ergriffen die Chance einer Helferausbildung oder einer Einstiegsqualifizierung u. a. in den Bereichen Glas- und Gebäudereinigung, Lager-Logistik, Gastronomie, Metallbau oder Garten- und Landschaftsbau. 218 Gefangene erwarben wichtige zusätzliche Teilqualifizierungen wie das Schweißzertifikat oder den Gabelstaplerführerschein. In der Justizvollzugsanstalt Bremervörde haben sich zudem im Rahmen von Arbeitssicherheitsschulungen 24 Gefangene zu Ersthelfern ausbilden lassen.

Die digitale Entwicklung und der wachsende Einsatz von Software stellen immer höhere Anforderungen an alle Beschäftigten. Niedersachsen betreibt deshalb im Verbund mit elf Bundesländern und Österreich über das Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft (IBI) die „elis-Lernplattform (eLearning im Strafvollzug). An diese besonders gesicherte Internet-Lernplattform sind in den Ausbildungsbereichen aller zwölf niedersächsischen Justizvollzugsanstalten und der Jugendanstalt mit ihren jeweiligen Abteilungen insgesamt 384 PCs angeschlossen. Allein in diesem Schuljahr haben darüber 240 Gefangene den Europäischen Computerführerschein (ECDL) abgelegt. Neben der Nutzung vielfältiger Lernprogramme besteht auch die Möglichkeit, über die Lernplattform einzelne Internetseiten freischalten zu lassen. Seit dem Wintersemester 2014/2015 können Gefangene auf diesem Weg nun auch an der Fernuniversität Hagen studieren.

„Der niedersächsische Justizvollzug bietet seinen Gefangenen auch auf diesem Gebiet ausgezeichnete Lernbedingungen“, unterstreicht Niewisch-Lennartz zum Abschluss des Ausbildungsjahrs.