BMI besucht Grenzdurchgangslager Friedland

31. August 2015 | Themenbereich: BMI, Innere Sicherheit | Drucken

Für mehr als vier Millionen Flüchtlinge, Vertriebene und Heimkehrer ist das Grenzdurchgangslager im südniedersächsichen Friedland seit seiner Gründung im Jahr 1945 die erste Anlaufstelle in der Bundesrepublik Deutschland und wird deshalb auch als „Tor zur Freiheit“ bezeichnet.
Ein historischer Rückblick

Tatsächlich blickt die Einrichtung auf eine bewegte Geschichte zurück. Einst als Flüchtlings(sammel)lager durch die britische Militärverwaltung eröffnet, diente das Grenzdurchgangslager der Erstversorgung, Erfassung und Weiterleitung der dort ankommenden Menschen.

Handelte es sich nach dem 2. Weltkrieg dabei zunächst vorwiegend um Flüchtlingsgruppen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße, Evakuierte, Vertriebene und sonstige Umgesiedelte, so diente das Lager, das 1948 an das damalige Niedersächsische Ministerium für Flüchtlingsangelegenheiten abgegeben wurde, in der Folge als Aufnahmeeinrichtung etwa für sowjetische Kriegsgefangene sowie Zivilinternierte aus der Sowjetunion Mitte der 1950er Jahre.

1956 wurden zudem Flüchtlinge aus Ungarn, ab 1974 zunächst zeitweise Asylbewerber, ab 1978 Flüchtlinge aus Vietnam sowie jüdische Zuwanderer (Komtingentflüchtlinge) aus der ehemaligen Sowjetunion (1998 – 2000 und ab 2004 bis heute) und schließlich Flüchtlinge aus Krisengebieten (insbesondere Irak und Syrien) aufgenommen.

Aktuelle Herausforderungen

Derzeit beherbergt die Einrichtung, die seit dem 1. Januar 2011 eine von fünf offiziellen Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber in Niedersachsen ist, mehr als 3.000 Menschen. Damit hat das eigentlich für lediglich 700 Menschen konzipierte Lager seine Kapazitäten bereits deutlich überschritten.

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière, der letzte Woche die Öffentlichkeit darüber informierte, dass die Zahl der Asylbewerber in Deutschland im Jahr 2015 ein neues Allzeithoch erreichen werde, informierte sich bei seinem Rundgang in Friedland am heutigen Vormittag über die gegenwärtige Situation in der Einrichtung. Begleitet wurde er vom niedersächsichen Innenstaatssekretär Stephan Manke, dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann und dem Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk.

In Anwesenheit einer Reihe von Pressevertretern nutzte der Bundesinnenminister in Friedland noch einmal die Gelegenheit und verurteilte die jüngsten Angriffe auf Asyleinrichtungen auf Schärfste: „“Wir sind empört über die Angriffe, die es gegeben hat und noch gibt […] auf Asylbewerber und Asylbewerbereinrichtungen. Aber […] das ist nicht das, was Deutschland ausmacht!““ Trotzdem die Bevölkerung eine so große Anzahl an Asylbewerbern nicht gewöhnt sei, gäbe es Aufnahmebereitschaft, Toleranz, Geduld und keine erhöhte Kriminalität, so der Minister weiter.

Der Bundesinnenminister, der bei seinem Besuch im Grenzdurchgangslager auch mit Flüchtlingen ins Gespräch kam und einem sogenannten Wegweiser-Kurs teilnahm, der den Neuankommenden im Lager erste Sprachkenntnisse vermitteln und eine Orientierung über Behörden und Verwaltungsabläufe in der Bundesrepublik Deutschland geben soll, lobte Friedland als „“eine andere Form der Unterbringung““, die sich nunmehr seit Jahrzehnten etabliert habe. Die Überbelegung im Lager bezeichnete der Minister als große Herausforderung, die die Mitarbeiter bis an die Grenzen der Belastbarkeit fordere.

De Maizière nutzte daher auch die Gelegenheit und zollte vor Ort stellvertretend all jenen hauptamtlichen Mitarbeitern seinen Respekt, die in den Bürgermeisterämtern, Landkreisen, bei den großen sozialen Trägern, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie der Bundes- und den Landespolizeien arbeiten. Seinen besonderen Dank brachte der Minister dabei gegenüber den Tausenden von Ehrenamtlern zum Ausdruck, die sich für Flüchtlinge „“engagieren, die spenden, die Deutsch[unterricht] geben, die die Türen in ihre Herzen öffnen. […] Ohne sie würde das System morgen zusammenbrechen!““

Nichtsdestoweniger müsse sich die deutsche Bevölkerung auf längere Zeit auf hohe Flüchtlingszahlen einrichten, fand der Minister klare Worte. Mit den hergebrachten Grundsätzen der Verwaltungsabläufe seien die gegenwärtigen Probleme nicht zu bewältigen, weswegen man neue Wege gehen müsse. Den Ländern und Kommunen sicherte er dabei eine „“dauerhafte, strukturelle und dynamische““ Unterstützung zu.

Er wolle die Probleme nicht klein reden, so der Minister abschließend; in den großen Herausforderungen liege aber auch eine Chance: „“Dass wir merken, dass mit Improvisation, gesundem Menschenverstand, Engagement dieses Land zu großen Dingen fähig ist!“ „