Personalmangel bei der Bundespolizei gefährdet die Sicherheit rund um den Fußball

24. Juli 2015 | Themenbereich: Bundespolizei | Drucken

Zum Start der Bundesligasaison 2015/16 warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor Sicherheitslücken im Fanreiseverkehr. Ursache sei der Personalmangel bei der Landespolizei in Baden-Württemberg und bei der Bundespolizei. „Allein der Bundespolizei, unter anderem zuständig für die Sicherheit an den Bahnhöfen, fehlen laut Gewerkschaft rund 3.400 Stellen, in Baden-Württemberg sind über zehn Prozent der Stellen nicht besetzt. Die Bahnhofsdienststellen der Bundespolizei und die Bundesbereitschaftspolizei arbeiten bei der Fanbegleitung Hand in Hand. Aber inzwischen sind beide Bereiche völlig unterbesetzt und die Bereitschaftspolizei steht nur noch bedingt als Einsatzreserve zur Verfügung, weil sie woanders Personalmangel ausgleichen muss.“, teilt Berthold Hauser, zuständig für die GdP-Bundespolizei in Baden-Württemberg mit.
„Gewaltbereite Hooligans nutzen Bahnhöfe als Treffpunkte für gewalttätige Auseinandersetzungen. Dort müssen wir sie von den vielen friedlichen Fans und den unbeteiligten Bahnreisenden trennen“, so Jörg Radek, Vorsitzender der GdP Bundespolizei. Doch die Bundespolizei sei aufgrund des Personalmangels an vielen Bahnhöfen überhaupt nicht mehr präsent. Die Aufgabe fällt dann der Landespolizei zu, die laut GdP selbst unterbesetzt und überaltert ist.

„Dass das nicht funktioniert, liegt auf der Hand“, sagt der GdP-Landesvorsitzende in Baden-Württemberg, Rüdiger Seidenspinner, und berichtet von einem Vorfall am Bahnhof in Cannstadt. Dort wurden die am Ort befindlichen Polizisten von Fußballrowdys eingekesselt und konnten nur durch Warnschüsse auf sich aufmerksam machen, damit andere Kollegen zur Hilfe kamen. „Es grenzt an ein Wunder, dass sowohl Beamte als auch andere Reisende nicht verletzt wurden. Aber auf Wunder dürfen wir uns nicht verlassen“.

Die GdP fordert daher eine Einstellungsoffensive für die Polizeien von Bund, um die vorhandenen Personallücken zügig zu schließen und keine weiteren Rückzug aus den ländlichen Regionen zuzulassen. Die derzeitigen Einstellungszahlen reichten kaum aus, um die Polizisten zu ersetzen, die in Pension gehen.

Auch der geplanten Ausstattung von Bahnhöfen mit Videoüberwachung erteilt die GdP eine Absage. „100 Bahnhöfe mit Videokameras auszustatten, ist vollkommen unzureichend. Insgesamt gibt es in Deutschland schließlich fast 6.000 Bahnhöfe und Haltepunkte. Außerdem hilft uns Videoüberwachung nur dabei Täter zu ermitteln, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Unser Ziel muss doch aber die Verhinderung von Gewalttaten sein. Und das geht nur mit ausreichend Polizistinnen und Polizisten vor Ort“, so Radek.