„Im Vollzug ausbilden bedeutet Chancen geben“

17. Juli 2015 | Themenbereich: Hessen, Strafvollzug | Drucken

Die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann hat heute die Justizvollzugsanstalt in Fulda besucht. Mit 77 Haftplätzen im geschlossenen und 9 Haftplätzen im offenen Vollzug gehört die Vollzugsanstalt zu den kleineren Haftanstalten in Hessen. Begrüßt wurde die Ministerin von dem Leiter der Justizvollzugsanstalt Winfried Michel.

„Justizvollzug hat mehrere Aufgaben: Einmal die Sicherheit der Bevölkerung und die Vollstreckung der Strafe. Zum anderen aber auch die Resozialisierung. In hessischen Justizvollzugsanstalten wird deshalb vom ersten Tag an ein umfassendes Programm in Gang gesetzt, um mit den Inhaftierten zu arbeiten. Ausbildung, schulische Bildung, aber auch Schuldnerberatungen und Antigewalttrainings stehen dabei zur Verfügung. Jeder, der mit dem Ziel ‚nie wieder straffällig zu werden‘ die Vollzugsanstalt verlässt, ist ein Erfolg“, so die Justizministerin am Rande des Besuches.
Fit machen für ein straffreies Leben

„Die erst in dieser Woche vorgestellte Studie zur Rückfallstatistik im Jugendstrafvollzug hat belegt, dass man während der Haft erfolgreich auf die Menschen einwirken kann. Nur etwa jeder dritte Jugendliche der in hessischen Vollzugsanstalten war, wird wieder derart straffällig, dass er eine erneute Haftstrafe antreten muss“, so die Ministerin, die fortfuhr: „Wir wollen im Strafvollzug fit machen für ein straffreies Leben. Denn dies ist ein wesentlicher Beitrag zur Sicherheit. Ein Leben ohne weitere Straftaten bedeutet nämlich auch, keine weiteren Opfer mehr zu produzieren.“
Die Kreativwerkstatt

Den Besuch in Fulda nutzte die Ministerin, die neu eingerichtete Kreativwerkstatt in der Anstalt zu besichtigen. „Dieses besondere Beschäftigungsprojekt wurde Anfang des Jahres begonnen. Hier werden kreative, niedrigschwellige Angebote vorgehalten, die den Bedürfnissen des Einzelnen gerecht werden. Auch das Bewusstsein für Gesundheit, Bewegung und Ernährung werden mit entsprechenden Veranstaltungen entwickelt“, erläuterte der Leiter der Vollzugsanstalt Winfried Michel.

„Das Angebot der Kreativwerkstatt richtet sich an Inhaftierte mit besonderem Unterstützungsbedarf. Zum Personenkreis zählen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Arbeitswelt integriert sind. Dabei stehen kognitive Schwächen, psychische oder physische Einschränkungen im Vordergrund. Die Kreativwerkstatt bietet den Gefangenen die Möglichkeit, sich eine Tagesstruktur aufzubauen, die ihren aktuellen Fertigkeiten entspricht“, so Michel weiter.

In der Kreativwerkstatt wartete dann auch eine kleine Überraschung auf die Ministerin. Die Bediensteten und der Leiter der Anstalt wählten ein besonders gelungenes Werkstück aus und übergaben es der Justizministerin für einen guten Zweck. „In dieser kleinen Holzente liegen viel Energie und viele Emotionen. Geschaffen wurde sie von mehreren Inhaftierten, die hier teils für Gewalt- und Drogendelikten ihre Haft verbüßen. Das Spielzeug kann jetzt zum Beispiel in einem Kinderzeugenzimmer eingesetzt werden und Kindern, die Opfer oder Zeuge einer Straftat geworden sind, Mut geben, das Verfahren zu bewältigen“, so Winfried Michel.
Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die Justizministerin dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Justizvollzugsanstalt. „Die Arbeit im Justizvollzug ist geprägt vom steten Sicherheitsdenken; man erlebt aber auch menschliche Schicksale und Erlebnisse. Es ist deshalb eine besondere Herausforderung für jede einzelne Mitarbeiterin und jeden einzelnen Mitarbeiter, Tag für Tag nicht nur seinen Job zu erledigen, sondern auch auf die Menschen einzugehen und ihnen mit besonderen Maßnahmen ein Stück Hoffnung auf ein straffreies Leben zu geben. Eine Ausbildung zu geben, Fertigkeiten zu stärken ist dabei besonders wichtig. Denn Ausbildung im Vollzug bedeutet Lebenschancen geben“, so die Ministerin.