Baufeier in der JVA Bautzen

6. Juli 2015 | Themenbereich: Sachsen, Strafvollzug | Drucken

In der Justizvollzugsanstalt Bautzen sind mehrere Baumaßnahmen zum Abschluss gekommen. Der Sächsische Staatsminister der Justiz, Sebastian Gemkow, feierte heute gemeinsam mit Vertretern des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement und der Vollzugsanstalt die Übergabe der fertiggestellten Gebäude.

Im Haus 1 wurde die Sanierung des Ost- und Westflügels abgeschlossen. Auch der Umbau des Hauses 2 für die Sicherungsverwahrung ist nunmehr fertiggestellt. Zudem wurde die umlaufende Anstaltsmauer erneuert.

Finanzminister Unland äußerte sich zur Baumaßnahme: „Durch die nun abgeschlossenen Umbau- und Sanierungsarbeiten haben wir die baulichen Voraussetzungen geschaffen, um den heutigen Anforderungen an einen modernen und humanen Strafvollzug an der Justizvollzugsanstalt Bautzen weiter gerecht zu werden und die sichere Unterbringung der Gefangenen zu gewährleisten. Die Kosten für die nun beendeten Baumaßnahmen betragen zusammen rund 37,2 Millionen Euro. Insgesamt hat der Freistaat seit 1991 rund 100 Millionen Euro an Baukosten in der JVA Bautzen investiert.“

Justizminister Gemkow: „Die bauliche Gestaltung einer modernen Justizvollzugsanstalt muss eine Umgebung schaffen, die einerseits allen Sicherheitsanforderungen genügt und gleichzeitig Motivation und Bereitschaft zur Veränderung bei den Gefangenen fördert. Ich freue mich, dass mit dem Abschluss der Baumaßnahmen die Sicherheit der JVA Bautzen erhöht, die Arbeitsbedingungen der Bediensteten verbessert und die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zur Unterbringung der Sicherungsverwahrten erfüllt werden. Durch die getätigten Investitionen wird der Sächsische Justizvollzug in die Lage versetzt, seinen wichtigen Beitrag für die innere Sicherheit des Freistaats auch weiterhin auf hohem Niveau zu erfüllen.“

Sanierung Ost- und Westflügel im Haus 1
Im Haus 1 wurde die innere Struktur von Ost- und Westflügel umfassend geändert. Auf fünf unabhängigen, geschossweisen Ebenen sind insgesamt 284 Haftplätze, vorrangig Einzelhafträume, entstanden. Zusätzlich wurden Betreuungsstationen, Stationen für Wohngruppen und Freizeitbereiche geschaffen.

Die Zelle im Ostflügel, in der Ernst Thälmann 1943/1944 einsaß, ist unverändert und bleibt als Zeugnis der Geschichte der JVA erhalten. In der Zelle stehen noch ein Metallbett sowie anderes Mobiliar aus der damaligen Zeit.
Die Sanierung der beiden Flügel erfolgte nacheinander, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Die Sanierung des Ostflügels erfolgte zwischen 2008 und 2011, anschließend wurde der Westflügel saniert. Die Gesamtbaukosten lagen bei rund 19,5 Millionen Euro.

Im Haus 1 waren zuvor bereits der Süd- und Nordflügel umgebaut und saniert worden.

Sanierung und Umbau des Hauses 2
Das Haus 2 wurde seit seiner Errichtung 1904 als Hafthaus mit Arbeitsbereichen genutzt. Da die JVA Bautzen seit 2013 auch für den Vollzug der Sicherungsverwahrung zuständig ist, wurde das Haus 2 in den letzten Jahren umfassend umgebaut und dient seitdem der Unterbringung von männlichen Sicherungsverwahrten. Das Gebäude wurde komplett entkernt und beherbergt im Sockelgeschoss den Freizeit- und Therapiebereich. Im Erd- und Obergeschoss befinden sich die Wohnbereiche mit 40 teilweise barrierefreien Zimmern für die Sicherungsverwahrten.

Auch im Haus 2 erfolgten die Arbeiten in zwei Bauabschnitten, um eine Interimsunterbringung der Sicherungsverwahrten während der Bauphase zu ermöglichen. Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf ca. 9,2 Millionen Euro.

Erneuerung der Anstaltsmauer
Die alte Anstaltsmauer inklusive Sicherheitszäunen entsprach nicht mehr heutigen Sicherheitsanforderungen, so wurde z.B. die Mauerhöhe von 6 Metern nicht durchgängig eingehalten. Deshalb wurde die Mauer nun größtenteils neu errichtet und auf einem Stück von 90 Metern aus baukonstruktiven und denkmalpflegerischen Gründen im Bestand saniert. Die Gesamtlänge der Mauer beträgt 1.444 Meter. Im 1. Bauabschnitt wurden bis 2011 bereits 847 Meter der Mauer neu errichtet, nun ist auch der 2. Bauabschnitt abgeschlossen. Die sanierte Bestandsmauer und die angrenzenden historischen Gebäude bilden nun eine optische Einheit, die die alte Gestalt der Anlage erkennen lässt. Die Gesamtbaukosten für die Erneuerung der Anstaltsmauer betragen rund 8,5 Millionen Euro.

Zur JVA Bautzen
Die von 1900 bis 1904 erbaute Landestrafanstalt Bautzen, später Bautzen I genannt, war das bedeutendste Neubauvorhaben des sächsischen Strafvollzuges aufgrund der Reformbestrebungen des 19. Jahrhunderts. Wegen ihrer gelben Klinkerfassade erhielt sie schon bald den volkstümlichen Beinamen „Gelbes Elend“. Mit 1092 Plätzen war sie eine der drei größten Strafanstalten in Sachsen. Aufgrund der ästhetischer Architektur sowie großzügiger Freiflächen und Alleen galt Bautzen als schönste Anstalt im Freistaat. In den ersten Jahrzehnten genoss das Gefängnis wegen seines modernen Strafvollzuges einen reformerischen Ruf. Diese reformorientierte Phase endete 1933 mit der Übernahme durch die Nationalsozialisten.
Zwischen 1933 und 1945 wurden hauptsächlich politische Gefangene hier inhaftiert, der namhafteste von ihnen war Ernst Thälmann (1943/1944).
Nach Ende des 2. Weltkrieges bis 1950 nutzten die sowjetischen Streitkräfte die Anstalt als Speziallager. Als einziges von drei Speziallagern wurde Bautzen ab 1950 von der DDR als Strafvollzugsanstalt weitergeführt. Hier wurden u.a. Häftlinge untergebracht, die von der Staatssicherheit wegen mehrfacher Ausreiseanträge als „Besserungsunwillige“ bezeichnet wurden.

Die JVA Bautzen verfügt jetzt über 414 Haftplätze und 40 Plätze für Sicherungsverwahrte. Sie ist zuständig für den Vollzug von Freiheitsstrafen von wenigen Tagen bis zur lebenslangen Freiheitsstrafe.