Landtag debattiert über fehlende kriminalpolizeiliche Ausbildung

4. Mai 2015 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Nordrhein Westfalen | Drucken

Kaum ein Bürger weiß, dass Nordrhein-Westfalen zu den Bundesländern gehört, die über keine Ausbildung für die Kriminalpolizei verfügen.

Vor diesem Hintergrund rücken ein Antrag sowie Teile einer großen Anfrage der CDU heute eines der wichtigsten Probleme der NRW-Kriminalpolizei in den Mittelpunkt der Debatte. Der Nachwuchs der Kripo stammt derzeit zu 100 % aus der Schutzpolizei und muss seine Kripo-Qualifikation durch „learning by doing“ selbst erlangen. Nur diejenigen Kollegen, deren Studienabschluss bereits länger als vier Jahre zurückliegt, absolviert eine zehnwöchige Fortbildung und nimmt an zwei kurzen Praktika teil.

Bewerber, die sich für das anspruchsvolle Berufsbild Kriminalpolizei interessieren, haben in NRW leider keine Möglichkeit, ihrem Berufswunsch näher zu kommen. Sie wandern in andere Bundesländer, die ein spezialisiertes Studium anbieten, oder zum Bundeskriminalamt ab.

„Wir haben daher große Nachwuchssorgen. Im derzeitigen Polizeistudium bekommen die Studierenden nur in weniger als 8 % ihrer Studienzeit kriminalfachliche Theorieinhalte vermittelt, die Trainings sind defizitär, zu wenig und ein Kripo-Praktikum von vier Wochen innerhalb eines dreijährigen Studiums ist einfach zu kurz, um auf die immer komplexeren Herausforderungen der Kriminalitätsbekämpfung ausreichend vorbereitet zu sein. Das gilt auch in Bezug auf die grenzüberschreitenden Ermittlungen, die in vielen Deliktsformen an der Tagesordnung sind. Die Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage offenbart auch hier massiven Handlungsbedarf in Bezug auf die Qualifizierung der Kolleginnen und Kollegen der Kripo“, fasst der BDK-Landesvorsitzende Sebastian Fiedler zusammen.

Wirtschaftsunternehmen, die Ausbildungsbetriebe sind, würden künftige Mitarbeiter des Vertriebs niemals einer einheitlichen, technischen Ausbildung in der Produktion unterziehen, um sie anschließend mit einer kaufmännischen Kurzbeschulung fortzubilden. Exakt nach diesem Muster verfährt jedoch Nordrhein-Westfalen im Bereich der Qualifikation der Kriminalpolizei, weil die Landesregierung dem Druck einer anderen Polizeigewerkschaft ausgesetzt ist.

„Wir sind zu dem Thema Kripo-Studium schon länger in guten Gesprächen mit den Landtagsfraktionen und dem Innenminister. Ich hoffe, dass sich nun so schnell wie möglich etwas tut und wir unseren künftigen Kolleginnen und Kollegen der Kripo die Ausbildung angedeihen lassen, die sie benötigen. Das ist heute bei weitem nicht der Fall.“, erklärt Sebastian Fiedler.