Gut gedacht – schlecht gemacht – Probleme bei der Leichenschau in Berlin

22. April 2015 | Themenbereich: Berlin, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Seit dem 1. Oktober 2014 gibt es mit Inkrafttreten der Durchführungsverordnung zum Bestattungsgesetz in Berlin eine professionalisierte Leichenschau; eine langjährige Forderung des BDK schien umgesetzt. Doch leider wird in Berlin weiter gespart…

…, was zur Folge hat, dass die Umsetzung der gut gemeinten Verordnung wieder einmal an mangelnder Personalausstattung scheitert. Das Sparen macht vor keinem Thema halt und jeder muss sehen, wo er bleibt. Neuerdings fragen sich die Hinterbliebenen von gerade Verstorbenen, wo der Arzt bleibt, der Bereitschaftsarzt, wohlgemerkt. Denn der Notarzt, der den Tod festgestellt hat, war bereits da. Allerdings hat er den Tod aus Zeitgründen (Personal fehlt) nur vorläufig festgestellt und eilte weiter, um Leben zu retten. Nun muss noch der Bereitschaftsarzt ran, um die ordnungsgemäße Leichenschau samt Entkleiden vorzunehmen und den für die weiteren Ermittlungen notwendigen zweiten Teil des Leichenschauscheins auszustellen. Der Bereitschaftsarzt teilt sich in einer Zwölfstunden-Schicht (bei der Polizei angeblich vom EuGH verboten) die Stadt Berlin als Einsatzgebiet und die Leichen auf, was im Schnitt zu 8 Leichen pro Arzt und Schicht führen dürfte. Das dauert. Berlin ist eine große Stadt mit vielen Einwohnern, von denen natürlich täglich einige sterben. Ob das im Einzelfall so natürlich ist, prüft der Bereitschaftsarzt. Die Polizei wartet mit den Angehörigen auf den Bereitschaftsarzt. Wenn es keine Angehörigen gibt, allein. Bis zu 10 Stunden. Im Einzelfall eine ganze Polizei-Schicht lang, ohne andere Einsätze erledigen zu können. Für den Notarzt hat die Rettung von Leib und Leben Vorrang, natürlich. Für die Bereitschaftsärzte, wenn denn einer der vorgesehenen Schichtärzte ausfällt, gibt es neben der Leichenschau natürlich auch noch die vorrangige Versorgung der Patienten.

Diese Missstände hat der BDK in einer Presseinformation Ende März thematisiert, zumal er sich seit Jahren für eine professionelle Leichenschau einsetzt. Leider wird die ärztliche Leichenschau von den Bereitschaftsärzten der Kassenärztlichen Vereinigung nur als Serviceleistung deklariert und hat daher wenig Chancen auf personelle Aufstockung. Aus Sicht des BDK ist seitens der Politik aber eine vernetzte Kostenprüfung erforderlich.