„Fahrfreude und Rücksichtnahme sind keine Gegensätze“

21. April 2015 | Themenbereich: Hessen | Drucken

Am zurückliegenden Wochenende nahm die Polizei in ganz Hessen Motorradfahrer ins Visier. Im Rahmen der landesweiten Aktion „(B)RENNPUNKT Geschwindigkeit“ hatten die Polizistinnen und Polizisten bereits vergangene Woche im Rahmen des dritten bundesweiten Blitzmarathons auf die Gefahren zu schnellen Fahrens aufmerksam gemacht. Am Wochenende setzten sie ihre Kontrollen fort, die zu Beginn der Zweiradsaison speziell auf Motorräder abzielten.

Der Hessische Innenminister Peter Beuth betonte: „Ich freue mich, dass der Frühling unsere Bikerinnen und Biker in Hessen so strahlend begrüßt. Zum Saisonstart rufe ich die Motorradfahrerrinnen und -fahrer auf, ihre Maschinen verantwortungsvoll auf unseren Straßen zu steuern, denn Fahrfreude und Rücksichtnahme sind keine Gegensätze“.

Bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein zog es viele Kradfahrer auf die Straßen. Allein oder gemeinsam mit weiteren Motorradfreunden in einer Gruppe schätzen die „Biker“ insbesondere kurvenreiche Landstraßen – oftmals sehr zum Leidwesen der lärmgeplagten Anwohner. Versierte Polizeibedienstete überprüften daher nicht nur die gefahrenen Geschwindigkeiten, sondern warfen auch einen Blick auf den technischen Zustand der Motorräder.

Bei fast 100 Motorrädern wurden technische Veränderungen beanstandet. Hierzu zählen beispielsweise manipulierte oder nicht erlaubte Endschalldämpfer, die für einen vermeintlich „besseren Sound“ sorgen sollen, aber mit einer erheblichen Lärmbelästigung einhergehen. Darüber hinaus wurden weitere Umbauten festgestellt, die teils gravierende Auswirkungen auf das Fahrverhalten der Motorräder haben können.

An knapp 20 Kontrollstellen in Hessen nahmen etwa 100 Polizistinnen und Polizisten Fahrer und Maschinen ins Visier. Hierbei überprüften sie mehr als 1.800 Kräder. 211 Motorradfahrer waren zu flott unterwegs. Bei 84 Bikern waren die gemessenen Geschwindigkeiten so hoch, dass neben einem Bußgeld auch ein Eintrag in das Fahreignungsregister beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg auf sie zukommt. Zudem müssen 17 Raser mit einem Fahrverbot rechnen.

Im Lahn-Dill-Kreis wurde ein besonders verantwortungsloser Raser kontrolliert. Er wurde bei erlaubten 100 km/h mit 175 km/h auf der B 255 in Höhe des Aartalsees geblitzt – mit seinem neunjährigen Sohn als Sozius.

In der Vergangenheit gestaltete sich die Geschwindigkeitsüberwachung von Kradfahrern schwierig, weil herkömmliche Geschwindigkeitsmessanlagen bei einem festgestellten Verstoß lediglich ein Frontfoto fertigen und somit Kradfahrer außerhalb von Anhaltekontrollen nur schwer als Raser ermittelt werden konnten. Seit dieser Saison – so auch am vergangenen Wochenende – setzt die Polizei in Hessen bei der Geschwindigkeitsüberwachung verstärkt modernste Messtechnik ein. Diese Anlagen fertigen neben dem bekannten Frontfoto nun zusätzlich eine Heckaufnahme, so dass Motorradfahrer nach einem festgestellten Geschwindigkeitsverstoß ebenfalls ermittelt werden können. Möglich wird dies durch eine zweite über WLAN gesteuerte Kamera.

Beim Gros der Motorradfahrer stießen die Kontrollen auf Verständnis und Zustimmung. Schließlich haben alle ein großes Interesse daran, nach einem sonnigen Fahrvergnügen wieder gesund nach Hause zur Familie zurückzukehren. So fand sich am Rande der Kontrollen immer auch Zeit zum Austausch und Fachsimpeln mit der Polizei. Die verteilte zudem gelbe Warnwesten an die Biker, um einem weiteren Unfallrisiko zu begegnen: Nicht nur bei überhöhter Geschwindigkeit sondern z.B. auch bei tiefstehender Sonne werden Motorräder leicht übersehen.

Trotz der umfangreichen Kontrollen kam es am vergangenen Wochenende wieder zu schweren Verkehrsunfällen auch unter der Beteiligung von Motorrädern. Die Polizei wird daher weiterhin über die Gefahren zu schnellen Fahrens aufklären, für gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr werben und entsprechende Kontrollen durchführen.