Weniger Unfälle und dennoch mehr getötete Verkehrsunfallopfer

21. April 2015 | Themenbereich: Mecklenburg-Vorp., Verkehr | Drucken

Leichter Rückgang der Gesamtanzahl von Verkehrsunfällen, als einziges Bundesland leichter Rückgang der Personenschäden insgesamt, jedoch eine traurige Trendwende bei den im Straßenverkehr getöteten Personen – das sind drei Schlagworte, der polizeilichen Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2014, die heute von Innenminister Lorenz Caffier vorgestellt wurde.

„Eine traurige Trendwende zeigt der Blick auf die Verkehrsunfallbilanz 2014. Nach dem historischen Tiefstand im Jahr 2013 stieg die Zahl der bei Verkehrsunfällen Getöteten in Mecklenburg-Vorpommern um 15 Prozent auf 92 Getötete an. Ein wesentlicher Grund hierfür waren vermutlich die relativ milden Wintermonate“, zieht Innenminister Caffier Bilanz.

Minister Caffier weiter: „Die Verkehrssicherheitsarbeit unseres Landes ist deshalb nach wie vor darauf ausgerichtet, das Risiko für Leib und Leben aller Verkehrsteilnehmer trotz steigenden Verkehrsaufkommens zu minimieren und Verkehrsunfälle zu verhindern. Daher gilt auch weiterhin: Kein Pardon bei Rasern und Dränglern, kein Pardon bei Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Das Entdeckungsrisiko ist zu erhöhen und eine schnellstmögliche Sanktionierung wird angestrebt.“

Unfalllage

Für das Jahr 2014 kann für fast alle Bereiche der Verkehrsunfallentwicklung – entgegen dem Bundestrend – über ein nahezu durchweg positives Ergebnis berichtet werden.

Auch langfristig mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen 15 Jahre zeigt sich diese positive Tendenz. In fast allen Positionen konnte ein langjähriger Tiefststand erreicht werden.

2014 wurden insgesamt 53.058 (- 2,8 Prozent) Verkehrsunfälle registriert. Das sind absolut 1.552 Verkehrsunfälle weniger als im Vorjahr.

Wiederum zurückgegangen ist die Anzahl der durch Verkehrsunfälle verunglückten Personen im vergangenen Jahr – gegenüber dem Jahr 2013 um 2,2 Prozent. Es ereigneten sich 5.100 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, bei denen insgesamt 6.573 Personen verunglückt sind. Das sind 147 Personen weniger als 2013.

Beim Blick auf die Anzahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Personen zeigt sich, dass mit 405 Verletzten je Einhunderttausend Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern nach Thüringen bundesweit die niedrigsten Zahlen festzustellen sind.

Die Zahl der Leichtverletzten Personen nahm in Mecklenburg-Vorpommern mit insgesamt 5.251 im Vergleich zum Vorjahr um 2,6% ab und hat einen historischen Tiefststand erreicht. Im Jahr 2014 wurden außerdem 1.230 Personen weniger schwerverletzt als im Jahr 2013. Das entspricht einem Rückgang von 1,6 Prozent.[1]

Die positive Entwicklung der Vorjahre bei der Anzahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen konnte 2014 leider nicht fortgesetzt werden. Die Anzahl der tödlichen Verkehrsunfälle lag mit insgesamt 83 auf dem Niveau des Jahres 2012. 92 Verkehrstote im vergangenen Jahr bedeuten aber auch zwölf mehr als 2013.

„Es hängt häufig von verschiedenen Faktoren ab, ob ein Unfallbeteiligter stirbt oder schwer verletzt wird. Deshalb betrachtet die Polizei bei den Unfallursachen die Gruppe der Getöteten und Schwerverletzten grundsätzlich zusammen“, macht Innenminister Caffier deutlich. „Leider ist nicht angepasste Geschwindigkeit weiterhin die Hauptunfallursache bei Verkehrsunfällen mit schweren Folgen. Es ist daher wichtig, die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer nachhaltig zu sensibilisieren, nicht nur die zulässige Höchstgeschwindigkeit einzuhalten, sondern die gefahrene Geschwindigkeit am Verkehrsgeschehen zu orientieren.“

Unfallursachen

Neben der Betrachtung der nicht angepassten Geschwindigkeit als eine der häufigsten Unfallursachen konnte bei der Anzahl der Getöteten und Schwerverletzten bei Alkoholunfällen, als dritthäufigste Unfallursache im Jahr 2014, ein rückläufiger Trend festgestellt werden. Diese Entwicklung spiegelt den gesteigerten polizeilichen Kontrolldruck wider. Die deutlich rückläufigen Tendenzen der letzten Jahre zeigen sich hier insbesondere bei den Verunglücktenzahlen im Zusammenhang mit den sogenannten Disco-Unfällen. Dabei wurden im Fünf-Jahres-Vergleich erstmals kein Jugendlicher getötet und im Vergleich zum Vorjahr acht Jugendliche weniger schwerverletzt. Hier entfalten die jahrelang durchgeführten Präventionsmaßnahmen, wie das fifty-fifty-Taxi-Ticket und „Crash Kurs“ für Heranwachsende ihre Wirkung.

Innenminister Caffier: „Niemand hat etwas dagegen, dass gefeiert wird. Alkohol und die Teilnahme am Straßenverkehr aber passen nicht zusammen. Das gilt auch für Fahrradfahrer. Eingeschränkte Wahrnehmung, falsche Einschätzung von Geschwindigkeiten und Entfernungen sowie die Beeinträchtigung von Reaktion und Koordination sind nur einige der schwerwiegenden Folgen von Alkoholkonsum“,warnte der Minister. „Wer feiern will, sollte deshalb auf öffentliche Verkehrsmittel oder ein Taxi zurückgreifen.“

Risikogruppen

Vergleicht man die Einwohneranteile und die Anteile der Getöteten nach Altersklassen, so wird deutlich, dass hier die Altersgruppe der 25 bis unter 35-Jährigen mit 23 Prozent bei einem Bevölkerungsanteil von 13 Prozent deutlich überrepräsentiert ist.

„Junge Fahrer sind und bleiben gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil bei den Verursachern von Verkehrsunfällen immer noch die Risikogruppe Nummer eins“, stellte Innenminister Caffier fest. „Sie fahren risikofreudiger und wollen sich und anderen häufig etwas beweisen.“

Junge Fahrer von 18 bis 24 Jahre machen etwa 6 Prozent der Bevölkerung in unserem Bundesland aus, sind aber an 13,6 Prozent aller Unfälle in Mecklenburg-Vorpommern beteiligt.

Anders verhält es sich bei der Altersgruppe der „über 65-Jährigen“: Hier ist nach wie vor festzustellen, dass diese Altersgruppe sowohl in der Gruppe der bei Verkehrsunfällen verunglückten Verkehrsteilnehmer als auch in der Gruppe der Unfallverursacher deutlich im Vergleich zum Anteil in der Bevölkerung unterrepräsentiert ist. Auch bei dem Anteil der Schwerverletzten liegen die Zahlen seit Jahren konstant bei ca. 17 Prozent.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels gewinnen Senioren bezüglich der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit immer mehr an Bedeutung. Der größte Anteil an Getöteten – nämlich rund 30 Prozent – ist in der Altersgruppe der über 65-Jährigen festzustellen. Im Jahr 2010 betrug der Anteil noch knapp 20 Prozent.

Hauptzielgruppe der Repressions- aber auch der Präventionsarbeit im Land bleibt die Gruppe der jungen Erwachsenen gefolgt von der Altersgruppe der 25 bis unter 35-Jährigen.

„Der Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit der Landespolizei ist die Bekämpfung von Hauptunfallursachen“, fasst Innenminister Lorenz Caffier zusammen. „Allgemeine Ziele der Verkehrssicherheitsarbeit sind hierbei, Gefährdungen im Straßenverkehr abzubauen, das Verkehrsverhalten zu verbessern sowie vor allem die Zahl der Unfälle mit besonders schlimmen Folgen zu senken.“

Die Verkehrsüberwachung gehört zum unverzichtbaren Kernbereich polizeilicher Aufgaben. Nach der Analyse der Unfalldaten werden daher die Überwachung

der zulässigen Geschwindigkeiten,
des Fahrens unter Alkohol- und Drogeneinfluss, insbesondere verstärkt bei Radfahrern,
von Überholvorgängen und
der korrekten Gurtnutzung

die Hauptfelder polizeilicher Überwachungsmaßnahmen sein mit dem Ziel, die Verkehrssicherheit weiter zu erhöhen. Dies wird auch weiterhin durch verstärkt durchgeführte Anhaltekontrollen der Landespolizei erfolgen.

Die Zahlen aller im Straßenverkehr festgestellten Ordnungswidrigkeiten insgesamt steigen seit 2011 kontinuierlich – im vergangenen Jahr um mehr als 4 Prozent auf insgesamt 319.676. Auch die Zahl der Anzeigen im Bereich „Geschwindigkeit“ konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 12 Prozent auf insgesamt 183.232 gesteigert werden.

Innenminister Lorenz Caffier: „Weil alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit schon im Vorjahr eine der Hauptursachen für schwere Verkehrsunfälle war, hat die Polizei verstärkte Anstrengungen unternommen, diesem Phänomen durch vermehrte Kontrollen zu begegnen. Damit wird nicht nur der Zweck verfolgt, überführte Alkoholsünder im wahrsten Sinne des Wortes schnellstmöglich aus dem Verkehr zu ziehen. Durch die Erhöhung der Kontrolldichte und des damit für den uneinsichtigen Kraftfahrer ansteigenden Risikos, bei einer Trunkenheitsfahrt auch tatsächlich erwischt zu werden, wird aber zugleich auch ein Abschreckungseffekt erzielt.“

Im Vergleich zum Vorjahr wurden fast 36 Prozent mehr Atemalkoholvortests durchgeführt, d. h. über 82.000 Fahrzeugführer mussten ins Röhrchen pusten. Demgegenüber stieg die Anzahl der festgestellten Verstöße erfreulicherweise aber „nur“ um 2,5 Prozent.

Das Unrechtsbewusstsein, durch Trunkenheitsfahrten gegen Normen zu verstoßen, ist oftmals nicht sehr ausgeprägt. Das gilt zunehmend auch für das Fahren eines Fahrrades unter Alkoholeinfluss. Die Zahl der festgestellten Strafanzeigen gegen alkoholisierte Radfahrer erhöhte sich um knapp 20 Prozent auf 708.

Ebenso konnte die Zahl der durchgeführten „Drogenkontrollen“ insgesamt im Jahr 2014 um mehr als 30 Prozent gesteigert werden. Dabei wurden mit 1.152 Verstößen knapp 15 Prozent mehr Verstöße des Fahrens unter anderen berauschenden Mitteln als im Vorjahr angezeigt.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich im Langzeitvergleich der kontinuierliche Rückgang der Unfälle mit Personenschaden fortsetzt und erneut einen historischen Tiefstand erreicht hat. Auch wenn es bei den Verkehrstoten seit 2011 erstmals wieder einen Anstieg gab, ist dennoch auch hier im Langzeitvergleich eine insgesamt positive Entwicklung erkennbar.

„Unfälle sind kein Schicksal! In den meisten Fällen sind sie auf Fehlverhalten, auf Regelverstöße von Menschen zurückzuführen“, erklärt Innenminister Caffier abschließend. „Ein Mehr an Verkehrssicherheit erfordert Anstrengungen der Landespolitik in eine sichere Verkehrsinfrastruktur, Können und Ausbildung der Verkehrsteilnehmer, sinnvolle verkehrsrechtliche Regelungen und deren Überwachung, die Gewährleistung der Funktionsfähigkeit und Sicherheit des kompletten Fahrzeugs sowie ein schnelles und leistungsfähiges Rettungswesen.“

[1] Unfälle mit Personenschaden:

Bei Unfällen mit Personenschaden sind Personen getötet, schwer-oder leichtverletzt worden. Als Getötete werden Personen erfasst, die unmittelbar oder innerhalb von 30 Tagen nach Unfallereignis an den Unfallfolgen starben.

Als schwerverletzt werden Personen erfasst, die unmittelbar zur stationären Behandlung – mindestens für 24 Stunden – in einem Krankenhaus aufgenommen wurden. Als leichtverletzt werden alle übrigen verletzten Personen erfasst, bei denen eine stationäre Behandlung nicht erforderlich ist.

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