Kripo ohne Ausbildung!?

9. April 2015 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Hamburg, Interessenvertretungen | Drucken

Bisher schauten Hamburger Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamte mit Entsetzen auf die Niedersächsische Polizei. Die hat bekanntermaßen ihre „Kriminalpolizei“ in eine „Polizei im Ermittlungsbereich“ umbenannt und setzt die Beamtinnen und Beamten – zum Nachteil der Strafverfolgung – regelmäßig für schutzpolizeiliche Aufgaben (Castor, Fußball etc.) ein. Derzeit schickt sich die Hamburger Polizeiführung an, diese Strukturfehlentscheidung der Niedersachsen noch zu toppen.

Die Niedersächsischen Einheitspolizistinnen und -polizisten genießen wenigstens im entfernteren Sinne noch so etwas wie eine Kripo-Grundausbildung, bestehend aus Modulen, die für das Handwerk eines Kriminalisten unverzichtbar sind. Auch Staatsanwaltschaften und Gerichte in Niedersachsen kritisieren diese Entwicklungen und die daraus resultierenden Ergebnisse inzwischen öffentlich.

Und die Hamburger Polizeiführung glaubt dem Anschein nach jetzt sogar auf diese Ausbildungsinhalte komplett verzichten zu können. So wurden aktuell mehrere ausschließlich für den gehobenen Dienst der Schutzpolizei ausgebildete Kolleginnen nach Antragstellung in die Kriminalpolizei übernommen. Dabei trifft diese Kolleginnen keine Schuld. Statt mit dem Antrag in bisher üblicher Praxis umzugehen, war ihnen bereits vor Wochen in rechtlich mehr als fragwürdiger Form der Wechsel durch die Akademie der Polizei per Verfügung zugesichert worden.

Die ihnen fehlende Praxisausbildung soll durch „learning by doing“ erfolgen, in Anleitung durch besonders qualifizierte Ausbildungssachbearbeiterinnen und
-sachbearbeiter. Aber wo kommen die für eine qualifizierte kriminalpolizeiliche Sachbearbeitung so notwendigen theoretischen Inhalte her? Oder meint der Leiter der AK, dass die Ausbildung der Akademie der Polizei so schlecht ist, dass getrost darauf verzichtet werden kann?

Das von der Polizeiführung seit geraumer Zeit bewegte Bestreben, die bisherigen Zugänge in die Kriminalpolizei um einen Zugang aus dem gehoben Dienst der Schutzpolizei zu erweitern, ist bislang vom BDK unter der Erwartung, dass den Dienstzweigwechslern eine entsprechende Ausbildung zu Gute kommt, konstruktiv begleitet worden. Dass die Polizeiführung nun scheinbar annimmt, „Kriminalpolizei“, ließe sich auch so nebenbei erlernen, offenbart eine bemerkenswerte Ahnungslosigkeit kriminalpolizeilicher Arbeit!

Das totgeglaubte Credo vom polizeilichen Alleskönner ist erstarkt! Spezialisierte Straftäter freuen sich! Nur weiter so Polizei Hamburg! Bis auf das der letzte Bürger seinen Glauben in die Strafverfolgung verloren hat!

Der BDK fordert eine sachgerechte und den Anforderungen entsprechende K-Ausbildung für Aufsteiger, Seiteneinsteiger und Dienstzweigwechsler!