Thüringen weiterhin eines der sichersten Länder in der Bundesrepublik

31. März 2015 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Thüringen | Drucken

„Wie in den Vorjahren ist das Risiko für Straftäter, entdeckt zu werden, im Freistaat Thüringen permanent hoch“, sagte Thüringens Minister für Inneres und Kommunales, Dr. Holger Poppenhäger, bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und der Statistik zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK) für das Jahr 2014 am Montag (30. März 2015) in Erfurt. „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, konnte auch weiterhin auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau stabil gehalten werden. Thüringen hat sich als eines der sichersten Länder in der Bundesrepublik etabliert.“

Im Jahr 2014 wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik 142.060 Straftaten erfasst. Dies sind 250 Fälle weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote im Freistaat Thüringen liegt wiederum auf höchstem Niveau und beträgt 63,9 Prozent (Jahr 2013: 64,5 Prozent). Thüringen wird trotz dieses leichten Rückgangs um 0,6 Prozent bei der Aufklärung wiederum erheblich über dem Bundesdurchschnitt und den Ergebnissen der meisten anderen Länder liegen.

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer oder Geschädigter einer Straftat zu werden, drückt sich in der Häufigkeitszahl (Fälle pro 100.000 Einwohner) aus. Für das Jahr 2014 beträgt die Häufigkeitszahl 6.574 und wird voraussichtlich wie in den Vorjahren (Jahr 2013: 6.557) auch wieder deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen.

Auch bei der Bekämpfung der Diebstahlskriminalität ist der Trend wieder rückläufig, nachdem die Zahlen 2012 und 2013 angestiegen waren. Mit 44.045 erfassten Taten wurde zum Jahr 2013 ein Rückgang um 1,1 Prozent registriert.

Für das Jahr 2014 ist eine Minderung der Deliktzahlen beim Diebstahl in/aus Wohnungen zu verzeichnen. Es wurden mit 1.992 Fällen insgesamt 253 weniger als im Vorjahr, also immerhin 11,3 Prozent weniger, erfasst. Mit 50,9 Prozent konnten etwas mehr als die Hälfte dieser Taten aufgeklärt werden. Bundesweit gehört Thüringen zu den wenigen Ländern, die den Wohnungseinbruchsdiebstahl zurückdrängen konnten.

Beim Diebstahl von Kraftfahrzeugen war seit mehreren Jahren ein rückläufiger Trend offensichtlich. Dieser Trend wurde im Jahr 2012 gebrochen. Jetzt gehen diese Deliktzahlen erneut zurück. Nach einem nur leichten Sinken der Fallzahl von 2012 auf 2013 um 9 Delikte ist für das Jahr 2014 ein deutlicher Rückgang um immerhin 11,1 Prozent bzw. 82 Taten auf jetzt 658 Fälle zu resümieren.

Die Anzahl der Straftaten der Gewaltkriminalität bewegt sich seit dem Jahr 2009 etwa auf einem Niveau von ca. 4.000 Fällen. Im Jahr 2013 stieg diese Deliktzahl leicht an. Für das Jahr 2014 ist wieder ein Rückgang der Taten festzustellen. Es waren immerhin 232 Sachverhalte weniger als im Vorjahr – dies entspricht einem Rückgang um 5,7 Prozent.

Delikte der gefährlichen und schweren Körperverletzung stellen zahlenmäßig mit etwa 76 Prozent den Schwerpunkt der Gewaltkriminalität dar. Die Aufklärungsquote dieser Delikte konnte gegenüber dem Vorjahr auf 87,6 Prozent erhöht werden. Es wurden 3.160 Tatverdächtige ermittelt.

Die Rauschgiftkriminalität weist mit 9.317 Delikten wieder eine gestiegene Fallzahl auf. Korrespondierend zur gestiegenen Gesamtfallzahl wurden im Deliktsbereich Rauschgiftkriminalität auch mehr Tatverdächtige (7.147) als im Vorjahr registriert.

Die Zahl der Personen, die im Jahr 2014 im Zusammenhang mit dem missbräuchlichen Konsum von Betäubungs- oder Ausweichmitteln den Tod fanden, ist gegenüber dem Vorjahr um vier Opfer gesunken. Für 2014 wurden 12 Opfer erfasst.

Im Bereich der Wirtschaftskriminalität setzt sich erneut der rückläufige Trend des Jahres 2013 mit nunmehr 1.885 erfassten Fällen fort. In einigen Deliktsfeldern dieses Kriminalitätsphänomens zeigt sich ein recht heterogenes Bild – die Veränderungen reichen von einer Verdopplung der Fallzahlen bei Betrug/Untreue im Zusammenhang mit Kapitalanlagen (47 Fälle auf 96 angestiegen) über ein gleichbleibendes Niveau bei Betrugsdelikten mit Bezug zur Wirtschaftskriminalität (2013: 1.202 – 2014: 1.204) bis zu einem deutlich sichtbaren Absinken der Deliktzahl bei Wirtschaftskriminalität im Zusammenhang mit Arbeitsverhältnissen (2013: 400 – 2014: 232). Der konstatierte Schaden der Wirtschaftsdelikte liegt mit ca. 26 Millionen Euro nochmals sehr deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (42 Mill. Euro, davor 2013: 57 Mill. Euro). Die Aufklärungsquote zeigt mit 90,3 Prozent einen begrüßenswert hohen Stand auf gleichbleibendem Niveau.

Die Computerkriminalität weist mit 2.267 erfassten Fällen in der Statistik des Jahres 2014 einen steigenden Trend auf. Dieser setzt sich in allen betrachteten einzelnen Deliktfeldern fort. So ist die Zahl der erfassten Fälle des Betrugs mittels rechtswidrig erlangter Debitkarten mit PIN im Jahr 2014 um 21 Fälle auf diesmal 219 Delikte angestiegen.

Der Computerbetrug, also rechtswidrige Manipulationen an Datenverarbeitungsvorgängen, weist mit 828 Sachverhalten eine um 7 geringfügig höhere Zahl als im Jahr 2013 auf. Im Bereich des Ausspähens und Abfangens von Daten ist ein recht deutlicher Anstieg um 212 Fälle bzw. 39,6 Prozent festzustellen. Hierzu gehören auch Straftaten des rechtswidrigen Erlangens von Zahlungskartendaten (Skimming) und des rechtswidrigen Erlangens von Zugangsdaten zum Online-Banking und anderen Online-Diensten (Phishing).

Gegenüber dem steigenden Vorjahrestrend hat sich mit 28.166 erfassten Fällen die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte im Freistaat Thüringen wieder verringert. Es wurden um 2,8 Prozent geringere Deliktzahlen registriert. Die Aufklärungsquote liegt nunmehr bei 76,1 Prozent.

Politisch motivierte Kriminalität

Im Freistaat Thüringen wurden im Jahr 2014 insgesamt 1.687 Delikte der Politisch motivierten Kriminalität registriert. Im Vergleich zum Jahr 2013 erhöhte sich die Zahl der festgestellten Straftaten um 208 Fälle. Dies entspricht einem Anstieg um 14,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist im Jahr 2014 gesunken und liegt nunmehr bei 50,5 Prozent und somit auf dem Niveau der Jahre 2010 bis 2012. Die Straftaten der PMK verursachten einen Schaden von ca. 271.200 €.

Die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen ist im Wesentlichen gleich geblieben. Während im Vorjahr 1.094 Tatverdächtige registriert wurden, waren es im Berichtszeitraum 1.084 Personen.

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen im Jahr 2014 die Fallzahlen der PMK in fast allen Schutzbereichen. Die hohen Fallzahlen waren unter anderem auf Aktivitäten von Angehörigen der dortigen rechten und linken Szene sowie deren Konfrontation mit den Sicherheitsbehörden, beispielsweise bei der Versammlung „Ehrenhaftes Gedenken – Für die Opfer der Bombardierung deutscher Städte“ am 08.02.2014 in Weimar, der NPD-Versammlung „Rock für Deutschland“ am 05.07.2014 in Gera oder der NPD-Versammlung „In Bewegung – Das politische Fest der Nationalen, dem demografischen Wandel entgegentreten“ am 09.08.2014 in Sondershausen zurückzuführen.

Darüber hinaus war die Werbung zu den im Jahr 2014 stattgefundenen Europa-, Kommunal- und Landtagswahlen häufig Anlass, einschlägige Straftaten zu begehen, die zu höheren Fallzahlen der PMK führten. In Thüringen wurden im Jahr 2014 insgesamt 357 derartige Delikte registriert. Über 20 Prozent der politisch motivierten Straftaten standen im direkten Zusammenhang mit einer Wahl.

Auch im Jahr 2014 war mit ca. 62,8 Prozent die Mehrheit der registrierten Fälle der Politisch motivierten Kriminalität – Rechts zuzuordnen. Insgesamt waren 1.060 (1083) rechte Delikte zu verzeichnen.

Im Bereich der Politisch motivierten Kriminalität – Links ist erneut ein Anstieg der registrierten Straftaten festzustellen. Im Jahr 2014 wurden 303 (192) links motivierte Straftaten registriert. Gegenüber dem Jahr 2012 (153 Fälle) hat sich die Anzahl der festgestellten linken Straftaten fast verdoppelt.

Die Politisch motivierte Ausländerkriminalität bewegt sich seit Jahren auf relativ niedrigem Niveau. Im Jahr 2014 wurden 12 derartige Delikte polizeilich festgestellt.

Die Anzahl der Straftaten, bei denen keine Anhaltspunkte vorlagen, dass sie aus einer rechten bzw. linken Orientierung begangen wurden, ist in diesem Jahr wieder gestiegen. Unter dem Phänomenbereich Politisch motivierte Kriminalität – Sonstige/Nicht wurden 312 (2013:201) Delikte erfasst.

Im Freistaat Thüringen wurden 100 (2013:79) politisch motivierte Gewaltstraftaten registriert. An diesem Anstieg sind alle Phänomenbereiche fast gleichmäßig beteiligt. Sowohl rechts- als auch linksmotivierte Gewaltdelikte haben zugenommen. Die Anzahl der rechten Gewaltdelikte mit 57 Fällen ist aber höher als die linksmotivierten Gewaltstraftaten mit 31 Delikten. Im Jahr 2014 wurden im Freistaat Thüringen 118 Personen Opfer von Politisch motivierter Gewaltkriminalität, davon 84 (2013:69) von Taten, welche der PMK rechts zuzuordnen sind. Unter den Opfern befanden sich 23 Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit.

Stephan Hövelmans

 

Quelle: Innenministerium Thüringen