Drittes Haus des Jugendrechts eröffnet

31. März 2015 | Themenbereich: Hessen, Justiz | Drucken

„Wir wollen ein Zeichen gegen Gewalt, Vandalismus und Jugendkriminalität setzen. Deshalb haben wir uns gemeinsam dazu entschieden, das Haus des Jugendrechts trotz des Brandanschlages in der letzten Woche planmäßig zu eröffnen“, so die Träger des Hauses des Jugendrechts, Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Innenminister Peter Beuth, der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, Peter Feldmann, sowie Pfarrer Jürgen Mattis vom Evangelischen Regionalverband Frankfurt am Main und Jürgen Fröhlich vom Verein Kinder- und Jugendhilfe Ffm. e.V.

Junge Straftäter zum Umdenken bewegen

„Mit den Häusern des Jugendrechts setzen wir konsequent um, was wir uns vorgenommen haben: Die Jugendkriminalität zu bekämpfen, ohne die oft sehr jungen Opfer und Täter aus dem Blick zu verlieren. Wir wollen und können hier Lebenswege beeinflussen. Jeder Jugendliche, der keine kriminelle Karriere einschlägt, sondern eine Ausbildung absolviert, eine Familie gründet und ein Leben ohne Straftaten schafft, ist ein Erfolg, an dem wir alle gemeinsam arbeiten“, so Eva Kühne-Hörmann.

Innenminister Peter Beuth wies auf den großen personellen Einsatz der Polizei bei den Häusern des Jugendrechts hin. „Auch im Frankfurter Norden wird sich die Polizei mit großem Einsatz engagieren. Wir sind von dem Konzept der Zusammenarbeit überzeugt. Gerade bei sehr jungen Straftätern können schon wenige Monate ausreichen, um kriminelle Karrieren zu festigen. Dem wollen wir durch ein intensives Eingehen auf die Täter, gute Informationsarbeit zwischen den unterschiedlichen Trägern und schnellen Entscheidungen entgegenwirken. Denn oftmals ist es nicht die Strafe selbst, sondern der Umstand, dass die Strafe auf dem Fuße folgt, der junge Menschen zum Umdenken bewegt“, so Hessens Innenminister Peter Beuth.
Präventive Arbeit durch Vernetzung verbessern

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann hob die Bedeutung des Hauses des Jugendrechts für die Sicherheit in Frankfurt am Main hervor. „Wir haben als Stadt Frankfurt das Projekt der Häuser des Jugendrechts von Beginn an unterstützt, denn sie tragen dazu bei, dass Frankfurt sicherer und lebenswerter wird“, so der Oberbürgermeister, der fortfuhr: „Ich will, dass kein Kind, kein Schüler oder älterer Mitbürger Angst hat, Opfer einer Gewalttat zu werden. Gerade jugendtypische Delikte wie Diebstahl oder Raub sprechen sich in den Vierteln herum und beeinträchtigen das Sicherheitsgefühl der Frankfurterinnen und Frankfurter erheblich. Die Häuser des Jugendrechts helfen uns dabei, solche Fehlentwicklungen schon in einem sehr frühen Stadium aktiv anzugehen. Die städtische Jugendgerichtshilfe unterstützt Staatsanwaltschaft und Polizei dabei, die persönlichen Hintergründe von Opfern und Tätern besser zu verstehen und ist deshalb unverzichtbarer Bestandteil des Konzeptes“, so Peter Feldmann.

Die Häuser des Jugendrechts sind nicht nur dazu da, möglichst schnell Ermittlungsverfahren abzuschließen, sondern die Vernetzung der zuständigen Stellen dient auch dazu, die präventive Arbeit im Bereich der Bekämpfung der Jugendkriminalität weiter zu verbessern, etwa durch eine verstärkte Kooperation mit dem Präventionsrat der Stadt und den freien Trägern“, so die Justizministerin.
„Drehtür-Effekte“ vermeiden

„Diese vernetzte Arbeit führt dazu, dass sich die Beteiligten intensiver mit der Persönlichkeit des Betroffenen befassen, um beispielsweise „Drehtür-Effekte“ zu vermeiden. Oftmals wird in laufenden Ermittlungsverfahren bereits mit dem Täter-Opfer-Ausgleich begonnen, denn nicht nur für die Täter ist eine schnelle Entscheidung richtig; oftmals hilft ein schnelles Vorgehen auch den Opfern von Straftaten, schnell mit den Erfahrungen abzuschließen. Als Evangelischer Regionalverband Frankfurt am Main beteiligen wir uns deshalb aus Überzeugung an den Häusern des Jugendrechts“, so Pfarrer Jürgen Mattis.

„Obwohl Jugendkriminalität seit ca. 10 Jahren statistisch kontinuierlich abnimmt, müssen weiterhin Anstrengungen höchste Priorität haben, die Legalbewährung junger Täter zu fördern oder – noch besser – sie gar nicht erst zu Tätern werden zu lassen. Dies ist nicht nur im Sinne dieses Personenkreises, sondern auch und gerade im Sinne der Gesamtgesellschaft. Die Einrichtung von Häusern des Jugendrechts stellt die Realisierung kriminalpolitischer Innovationen dar; durch die Kooperation der Verfahrensbeteiligten unter einem Dach wird neben der Beschleunigung der Verfahren vor allem erreicht, dass schnellstmöglich die am besten geeignete Maßnahme für den jugendlichen Täter gefunden und umgesetzt werden kann. Mit Anti-Gewalt-Trainings und anderen ambulanten Maßnahmen wollen wir dabei helfen, künftig Straftaten zu verhindern“, so Jürgen Fröhlich vom Verein Kinder- und Jugendhilfe Ffm. e.V.