„Mehr Rücksicht, weniger Raserei!“

16. März 2015 | Themenbereich: Hessen, Verkehr | Drucken

Seit 2004 ist die Zahl getöteter und schwerverletzter Menschen bei Verkehrsunfällen um 20 Prozent zurückgegangen. Das hat der Hessische Innenminister Peter Beuth bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2014 im Landtag erklärt. „Die Auswertung zeigt, dass unsere Straßen und Verkehrswege kontinuierlich sicherer werden und die Arbeit der Hessischen Polizei wirkt. Die Zahl der Getöteten hat sich seit 2004 sogar halbiert. Dennoch wurden im letzten Jahr landesweit 130.907 Unfälle gezählt und 223 Menschen fanden dabei den Tod“, sagte der Minister. Tödliche Verkehrsunfälle und solche mit Schwerverletzten, verursachten nach wie vor großes Leid. „Unsere Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste leisten hervorragende Arbeit. Dennoch ließen sich mit mehr Rücksicht und weniger Raserei eine Vielzahl der Unfälle auf Hessens Straßen verhindern oder die Folgen wären weniger schwerwiegend. Denn: Jeder Verkehrstote ist einer zu viel“, unterstrich Beuth.

2014 wurde erstmals seit 2009 wieder die Marke von 131.000 Verkehrsunfällen unterschritten. 21.239 Verkehrsunfälle waren in der Kategorie mit Personenschaden zu verzeichnen, sodass der Anteil am Gesamtunfallaufkommen bei rund 16 Prozent lag – ihre Anzahl ist gegenüber 2013 um drei Prozent angestiegen. Dabei wurden 23.307 Personen leicht und 4.887 Personen schwer verletzt. Das sind 171 Schwerverletzte mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2013 kamen acht Menschen mehr ums Leben – der zweitniedrigste Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1953. Mit einem Anteil von 65,5 Prozent, das sind 85.694 Unfälle, ereigneten sich die meisten aller Verkehrsunfälle innerhalb von Ortschaften (2013: 86.040). Das Gros liegt hier jedoch bei den Sachschadensunfällen. Trotz des Rückgangs von Verkehrsunfällen auf Landstraßen – hier ereigneten sich nur knapp ein Viertel aller Verkehrsunfälle – waren dort mehr als die Hälfte (60,1 Prozent) der Verkehrsunfalltoten zu verzeichnen. „Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall tödlich zu verunglücken, bleibt auf hessischen Landstraßen wie schon im Vorjahr etwa viermal so hoch wie auf anderen hessischen Straßen. Folgerichtig steht die Landstraße besonders im Fokus der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit“, erläuterte Peter Beuth.

Nicht nur auf der Landstraße, sondern auch auf den Autobahnen und im innerörtlichen Bereich ist zu hohe bzw. nicht angepasste Geschwindigkeit die Hauptunfallursache bei Verkehrsunfällen mit schweren Folgen. Mit der Aktion „(B)RENNPUNKT Geschwindigkeit“ widmet sich die hessische Polizei daher seit dem Jahr 2014 konsequent der Bekämpfung der Hauptunfallursache bei Verkehrsunfällen mit schweren Folgen. Damit einhergehend steht der Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmenden im Fokus der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit.

Während insgesamt bereits weniger geschwindigkeitsbedingte Verkehrsunfälle zu verzeichnen sind, weicht die Entwicklung bei den motorisierten Zweiradfahrern von diesem positiven Trend ab. Der Innenminister rief zur Besonnenheit auf. „Die Freude am Motorrad und eine vorausschauende, angepasste Fahrweise sind keine Gegensätze. Im Interesse aller Verkehrsteilnehmer wird die Hessische Polizei weiterhin ein besonderes Augenmerk auf motorisierte Zweiradfahrer legen“, so Beuth. Waren Motorrad- und Mopedfahrer in Verkehrsunfälle mit Getöteten und Schwerverletzten verwickelt, haben sie diese in mehr als der Hälfte durch eigenes Fehlverhalten mitverursacht – dabei waren sie in vier von zehn Fällen zu schnell unterwegs.

„Wir setzen zuerst auf die Besonnenheit der Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer sowie auf Prävention. Auf fehlende Einsicht haben wir mit der Beschaffung modernster Geschwindigkeitsmesstechnik reagiert, die im Rahmen der landesweiten Aktion „(B)RENNPUNKT Geschwindigkeit“ flächendeckend eingesetzt wird“, sagte der Minister. Diese fertigt bei einer festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitung gleichzeitig eine Fahrzeugaufnahme sowohl von vorne als auch von hinten. So wird eine sichere Fahrererkennung gewährleistet – auch nach festgestellten Geschwindigkeitsverstößen von Motorradfahrenden.

„Rasen ist kein Kavaliersdelikt. Geschwindigkeit entscheidet bei Verkehrsunfällen oft über Leben und Tod. Deshalb findet am 16. und 17. April 2015 der ‚24-Stunden-Blitzmarathon‘ erstmalig nicht nur bundes- sondern europaweit statt. Im Rahmen der Aktion ‚(B)RENNPUNKT Geschwindigkeit‘ wird die Hessische Polizei gemeinsam mit über 20 europäischen Ländern Raser ins Visier nehmen“, sagte der Innenminister.

Jeder zweite getötete Fußgänger und elf der 15 tödlich verunglückten Radfahrer war über 65 Jahre alt. Die Polizeipräsidien treffen bereits vielfältige Präventionsmaßnahmen, die in Zukunft noch weiter intensiviert werden. Beispielgebend ist etwa das Programm „MAXimal mobil bleiben – mit Verantwortung!“, das beim Polizeipräsidium Mittelhessen erfolgreich umgesetzt wird. Es soll Menschen ab 65 Jahren zur größtmöglichen Verkehrssicherheit bei gleichzeitiger maximaler Mobilität verhelfen. „Ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger werden mit der Verkehrspräventionskampagne MAX gezielt angesprochen“, so Beuth. Dies erfolgt durch einen zielgruppengerechten Mix aus Sensibilisierung, Verhaltensberatung, Fortbildung und praxisorientierten Angeboten.