Kriminalitätsstatistik 2014: Etwas mehr Straftaten, höchste Aufklärungsquote

5. März 2015 | Themenbereich: Kriminalität, Schleswig-Holstein | Drucken

Nach vier aufeinander folgenden Jahren mit rückläufiger Kriminalität ist die Zahl der Straftaten erstmals wieder leicht gestiegen. Die Polizei registrierte 2014 insgesamt 202.301 Delikte, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Jede zweite Tat konnte aufgeklärt werden. Mit 51,2 Prozent erreichte die Polizei die höchste Aufklärungsquote seit zehn Jahren. Die so genannte Häufigkeitszahl (sie gibt an, wie stark die Bevölkerung eines Landes mit Kriminalität belastet ist) erhöhte sich nur gering. 2014 entfielen rechnerisch 7.184 Straften auf 100.000 Einwohner, 2013 lautete die Häufigkeitszahl 7.125. Diese Zahlen teilte Innenminister Stefan Studt bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminal-statistik (PKS) am Donnerstag (5. März) vor der Presse in Kiel mit. „Schleswig-Holstein bleibt weiterhin ein insgesamt sicheres Land“, sagte der Minister.
Mehr Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht – Keine echte Gefahr für Sicherheit

Der Grund für den Anstieg der Kriminalität im vergangenen Jahr sind 7.772 Fälle von Verstößen gegen das Aufenthalts-, das Asylverfahrens- und das Gesetz über die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern (Freizügigkeitsgesetz/EU). Das sind 3.463 Delikte oder 80,4 Prozent mehr als 2013. Dieser Anstieg ist auf den verstärkten Zuzug von Flüchtlingen aus den Kriegs- und Armutsregionen der Welt zurückzuführen. „Diese Menschen sind grundsätzlich keine Straftäter, wie sie die Kriminalstatistik typischerweise kennt“, sagte Studt. Sie seien deshalb keine Gefahr für die innere Sicherheit. „Bei den Verstößen handelt es sich konkret um den unerlaubten Aufenthalt im Inland oder die unerlaubte Einreise“, erläuterte der Minister.
Fast überall rückläufige Zahlen – Mehr Brandstiftungen und Raub

In nahezu allen Deliktsgruppen nahmen die Fallzahlen ab: 1,1 Prozent weniger Rohheitsdelikte, ein leichter Rückgang um 0,3 Prozent bei den Diebstählen, und die Vermögens- und Fälschungsdelikte nahmen um 2,9 Prozent ab. Die Gewaltkriminalität sank um ein Prozent. Auch die Fälle von Sachbeschädigung verringerten sich um 1,7 Prozent.

Bei der vorsätzlichen Brandstiftung stiegen die Fallzahlen um 78 oder 13,4 Prozent. Vorwiegend Autos und Wohnhäuser wurden angezündet. Mehrere Brandserien und Großbrände konnten aufgeklärt werden. Raubdelikte nahmen um 4,9 Prozent oder 69 Taten zu. Mit insgesamt 1.489 Delikten haben Raub und räuberische Erpressung allerdings nur einen eher geringen Anteil an der Gesamtkriminalität.
Jugendkriminalität weiter auf dem Rückzug

Die Jugendkriminalität ist weiter auf dem Rückzug. Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen (74.749 Personen) ging von 23,1 auf 22,7 Prozent zurück und stellt damit einen Tiefststand in den zurückliegenden zehn Jahren dar. „Die Umsetzung der Konzepte zur Bekämpfung der Jugend-kriminalität und insbesondere der Kriminalität jugendlicher Intensivtäter steuern offenbar ihren Teil zu der erfreulichen Entwicklung bei“, sagte Studt.
Anstieg der Einbruchszahlen gestoppt – Studt: Kein Grund zur Entwarnung

Das im Herbst 2012 gestartete landesweite Konzept der Polizei zur Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen zeigt nach Überzeugung des Ministers erste Erfolge. In 2014 gab es erneut keinen weiteren Anstieg der Einbruchszahlen; sie gingen sogar geringfügig um 0,1 Prozent zurück. Die Aufklärungsquote ist 2014 gegenüber 2013 von 10,2 Prozent auf 12,6 Prozent gestiegen. Die Höchstzahl an Wohnungsein-brüchen in den vergangenen zehn Jahren gab es 2012 mit 7.654 Delikten. Mit 7.534 Fällen in 2013 und 7.529 Fällen in 2014 setzt sich der Abwärtstrend weiter fort.

Dennoch bleibt Studt in seiner Beurteilung der Lage und weiteren Entwicklung zurückhaltend. Auch wenn der fortgesetzte Anstieg der Einbruchszahlen gestoppt werden konnte, bestehe kein Grund zur Entwarnung. Die Fallzahlen bewegten sich nach wie vor auf einem vergleichsweise hohen Niveau.
Schwerpunkt: Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls

„Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls wird auch zukünftig ein Schwerpunkt in der Polizeiarbeit sein“, kündigte der Minister an. Die damit verbundenen flächendeckenden enormen personellen Anstrengungen dürften angesichts der erheblichen Eingriffe in den persönlichsten Lebensbereich der Opfer und der damit einhergehenden Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung ebenso erforderlich wie gerechtfertigt sein.
Kriminalstatistik unverzichtbar, aber weitere Analysen sind notwendig

Studt bezeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik als ein wichtiges und unverzichtbares Instrument, bestimmte Trends und mögliche Fehlentwicklungen zu erkennen, insbesondere wenn man den Blick auf einen längeren Zeitraum richte. Er warnte jedoch davor, die PKS in ihrer Aussagekraft für die tatsächliche Kriminalitäts-lage zu überhöhen. „Die Statistik bildet nur einen Teil des so genannten Hellfeldes ab“, sagte Studt. Gerade im Bereich der Cybercrime sei das vermutete Dunkelfeld besonders hoch. Darüber hinaus erlaubten auch die derzeitigen bundeseinheitlichen Erfassungsgrund-sätze der PKS nur ein sehr unvollständiges Bild der polizeilich bekannten Kriminalität.

„In der Statistik werden insbesondere die Straftaten nicht erfasst, die mittels Internet oder telefonisch aus dem Ausland heraus begangen wurden“, sagte der Minister. Das liege daran, dass der Tatort nur eine politische Gemeinde in der Bundesrepublik sein könne und als Tatort im Sinne der PKS grundsätzlich der Ort der Tathandlung betrachtet werde. Gerade im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte führe dies zu einem statistischen Rückgang, der die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung nicht wiedergebe. „Dennoch ist jedem sofort klar, dass auch diese zahlreich angezeigten Taten das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung immens beeinträchtigen und einen enormen Ermittlungs- und Verwaltungsaufwand bei den Strafverfolgungsbehörden verursachen“, sagte Studt.