Innensenator kündigt Strategiewechsel der Polizei nach Gewalttaten von Bremer Ultras an

17. Februar 2015 | Themenbereich: Bremen | Drucken

„Die brutalen Angriffe auf völlig friedliche Fußballfans des FC Augsburg, auf Fanbegleiter und Einsatzkräfte nach der Begegnung SV Werder Bremen gegen den FC Augsburg am Sonnabend (14. Februar 2015) bedeuten eine Zäsur für die künftige Polizeitaktik in Bremen“, kündigte heute (16. Februar 2015) Innensenator Ulrich Mäurer nach einer Lagebesprechung mit dem Polizeipräsidenten und Polizeiführungskräften an. Teile der Bremer Ultra-Szene seien offenbar nur noch auf Gewalt aus. Mit enthusiastischer Fan-Kultur habe dieses Verhalten nichts mehr zu tun. Dabei hätten die Angreifer die bewusst deeskalierende Einsatztaktik der Polizei ausgenutzt, um unbehelmte Beamte durch Flaschenwürfe, Fußtritte und Schläge gezielt zu verletzen. „Die Begegnung war zuvor von allen Seiten als friedlich verlaufendes Grünspiel eingestuft worden“, betonte Mäurer. Dementsprechend seien nur 120 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz gewesen. Aber: „Die bisherigen Erfahrungen und Prognosen hinsichtlich Teile der Bremer Ultra-Szene gelten nicht mehr.“ Völlig unvermittelt seien rund 50 zumeist vermummte Männer, die der Bremer Ultras-Szene zugeordnet werden konnten, aus dem Hinterhalt gewalttätig geworden. „Auf die neue Lage werden wir uns konsequent einstellen und dazu das ganze polizeiliche Instrumentarium nutzen“, kündigte Mäurer am Montag an.

Die ca. 350 friedlichen Augsburger Fans hatten sich am frühen Abend bereits zu Fuß auf dem Rückweg befunden, als maskierte Anhänger der Bremer Ultra-Szene wahllos schwere Metallgestelle, Gasflaschen, Stühle und Tischplatten von der Terrasse des Lokals „Ambiente“ auf die vorübergehenden Augsburger Fans und die sie begleitenden Polizistinnen und Polizisten schleuderten. Die Angegriffenen konnten den Wurfgeschossen zum Teil nur in letzter Sekunde ausweichen. „Jeder einzelne Treffer hätte bei den Männern und Frauen , die da unten lang gingen zu schwersten Verletzungen führen können“, betonte der Innensenator. Ein Fanbegleiter der Polizei wurde bei dem Angriff von einer Flasche getroffen.
Wenige Minuten später attackierten mehrere Dutzend vermummte Mitglieder Bremer Ultras einen sogenannten szenekundigen Beamten auf dem Osterdeich, der den Einsatz in Zivil begleitet hatte. Als der Beamte zu Boden ging, wurde er von einem Maskierten mit Fußtritten gegen den Kopf und den Oberkörper malträtiert. Ein Polizeibeamter aus Augsburg, der ebenfalls in Zivil im Einsatz war, sprang dem am Boden liegenden Kollegen bei und schlug die Angreifer schließlich mit seinem Schlagstock in die Flucht. Der Bremer Beamte erlitt am ganzen Körper schwere Prellungen. Nur dank des schnellen Eingreifens seines Augsburger Kollegen konnte Schlimmeres verhindert werden. Die Angriffe seitens einiger Bremer Ultras waren damit aber noch nicht zu Ende. Kurz vor 19 Uhr befanden sich die Augsburger Fans auf dem Rückweg zum Bahnhof, als sie plötzlich von rund 30-40 Maskierten am Herdentorsteinweg angegriffen wurden. Begleitende Einsatzkräfte der Polizei wehrten den Angriff ab, ohne dass es zu weiteren Verletzten kam. Mehrere Tatverdächtige wurden bei den Angriffen identifiziert. Gegen sie wird nun u.a. wegen besonders schwerer Fälle von Landfriedensbruch und schwerer sowie versuchter Körperverletzung ermittelt.

Mäurer: „Was wir am Sonnabend nach dem Fußballspiel erlebt haben, war ein Tabubruch. Das Verhalten zeigt, dass offenbar jeder Polizist und jede Polizistin, aber auch jeder noch so friedliche Auswärtsfan von dieser hoch aggressiven Gruppe kurzerhand zum gegnerischen Feind erklärt worden ist.“ Auf Initiative des Innensenators wird sich kurzfristig der Örtliche Ausschuss Sport und Sicherheit (ÖASS) zu einer Sondersitzung treffen, an dem auch der Präsident des SV Werder teilnehmen wird, um das weitere Vorgehen zu beraten. „Wir müssen feststellen, dass es in Bremen viele Ultras gibt, die begeistert ihre Mannschaft feiern aber auch eine sich zunehmend brutalisierende Gruppe von Ultras, die völlig enthemmt auf friedliche Fans und Polizisten losgeht und offenbar leider auch nicht von der bisherigen Fanarbeit bzw. –betreuung erreicht wird“, so Mäurer.