Weihnachtsgeschenke helfen bei Resozialisierung

27. November 2014 | Themenbereich: Brandenburg, Justiz | Drucken

Schon zum 15. Mal veranstaltete das Justizministerium in diesem Jahr einen Weihnachtsbasar, auf dem jedermann Produkte aus den Justizvollzugsanstalten des Landes erwerben konnte.

Justizminister Dr. Helmuth Markov erklärte aus diesem Anlass: „Der Basar ist nicht nur eine schöne Tradition in der Vorweihnachtszeit. Mit seinen handwerklichen Produkten zeigt er auch das Ergebnis eines humanen, auf Resozialisierung ausgerichteten Strafvollzugs, der Aus- und Weiterbildung sowie sinnvolle Beschäftigung und Arbeit in den Mittelpunkt stellt.

Ausbildung und Beschäftigung im Vollzug haben das Ziel, Gefangenen den Start in ein normales Leben nach Haft zu erleichtern. Nichts verbessert die Chancen auf Resozialisierung mehr als Bildung.

Straffällige und von Inhaftierung bedrohte Menschen sind häufig schlecht gebildet, gering qualifiziert und verfügen nur über rudimentäre Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt. Diese Fakten, verbunden mit der gesellschaftlichen Stigmatisierung, führen zu sehr schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt und damit häufig zu Arbeitslosigkeit. Das wollen wir ändern. Studien haben die Wirksamkeit von Bildungsmaßnahmen für die Bewährung Haftentlassener belegt. Die Rückfallquote kann dadurch deutlich gesenkt werden.“

Wer den jährlichen Weihnachtsbasar der Justizvollzugsanstalten in diesem Jahr verpasst hat, kann eine Auswahl der hergestellten Produkte übrigens auch im Online-Shop der Werkstätten des Brandenburger Vollzugs erwerben. Der Shop ist erreichbar über http://www.meisterhaft-brandenburg.de.

Hintergrund:

Bildungsangebote für Gefangene werden bereits seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert angeboten. Bereits damals hatte man in Preußen den Bildungsstand von Rückfalltätern erfasst. Man war zu der Erkenntnis gekommen, dass die Mehrheit von ihnen über eine sehr schlechte Schulausbildung verfügt. Bildungsangebote sollten der Eingliederung in das Arbeits- und Kulturleben dienen. Sowohl in der DDR als auch in der alten Bundesrepublik waren Bildungsangebote für Gefangene gesetzlich geregelt. Nach der politischen Wende 1989 wurde die Bildungsarbeit im Brandenburgischen Justizvollzug ab 1995 neu aufgebaut.

Junge Gefangene können in Brandenburg Ausbildungen in den Gewerken Holz, Metall, Maler/Lackierer, Bau, Elektro und Garten-Landschaftsbau abschließen und auch erwachsene Gefangene können an Erstausbildungen/Umschulungen in den Bereichen Bau, Metall, Elektro, Farbe, Holz, Schweißen, Gebäudereinigung und Gastgewerbe teilnehmen. Die beruflichen Bildungsangebote sind modularisiert und ermöglichen auch den Erwerb von Teilqualifikationen, um unterschiedlichen Leistungsvoraussetzungen und Haftlängen Rechnung tragen zu können.

In allen Justizvollzugsanstalten des Landes gibt es neben der Ausbildung auch Freizeitangebote. Neben Bildungs- und Sportangeboten haben die Gefangenen die Möglichkeit, Kreativangebote wie Keramik und Malen in Anspruch zu nehmen.

Im Rahmen der Ausbildungen können Teilqualifikationen, Ausbildungsmodule und Ausbildungsabschlüsse erworben werden, die von den jeweiligen Ausbildungskammern zertifiziert werden. Junge Gefangene müssen ihre Ausbildung in der Regel nach der Haftentlassung fortsetzen, da die Haftzeit für eine Beendigung nicht ausreicht. Erwachsene Gefangene beenden ihre Ausbildung in mehr als 80 % der Fälle erfolgreich. Die Abbrecherquote in Schule und Ausbildung ist gering und liegt in der Regel nicht über 1 %. Sehr viel häufiger sind Abbrüche aus „vollzuglichen“ Gründen, z.B. wegen Verlegungen oder Haftentlassungen zu verzeichnen.

Jede Justizvollzugsanstalt verfügt über Ausbildungsangebote. Die Angebote sind landesweit abgestimmt, um eine Ausbildungsvielfalt zu gewährleisten. Gefangene können zur Teilnahme an einer für sie geeigneten Maßnahme in die entsprechende Anstalt verlegt werden.

Die Finanzierung berufsvorbereitender Angebote für junge Gefangene erfolgt teilweise über die jeweiligen Agenturen für Arbeit und teilweise über den Europäischen Sozialfonds (ESF). Die Justiz finanziert lediglich die Werkstätten und deren Ausstattung sowie die Ausbildungsbeihilfe der Gefangenen. Da in der neuen ESF Förderperiode 2014 – 2020 für Bildungsmaßnahmen im Justizvollzug deutlich weniger Fördermittel zur Verfügung stehen werden, wird die Finanzierungslücke zukünftig mit Mitteln aus dem Landeshaushalt geschlossen.

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