Schaut hin! Gewalt kommt nicht in die Tüte!

25. November 2014 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Schleswig-Holstein | Drucken

Die meisten Gewalttaten werden nicht in der Öffentlichkeit, sondern zuhause in der Familie verübt – fast immer sind die Opfer Frauen und Kinder.

Zum 11. Mal macht die gemeinsame Aktion des Sozial- und Gleichstellungsministeriums, des Landesinnungsverbandes des Bäckerhandwerks, der Gleichstellungsbeauftragten und der lokalen Bündnisse gegen häusliche Gewalt auf die Situation aufmerksam. Rund 340.000 Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ werden landesweit in der Aktionswoche rund um den 25.November, dem internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen, von über 60 Bäckereien verteilt.

„“Häusliche Gewalt in Familien ist leider noch immer ein bedeutsames Thema. Betroffene müssen ermutigt werden, nicht zu schweigen, sondern über ihre Erlebnisse zu sprechen. Nur so können sie ihre Situation ändern. Der Kontakt zu einer qualifizierten Hilfe ist oft der erste Schritt für einen Ausstieg aus der Gewaltspirale. Ich möchte Betroffene ermutigen, diese wichtigen Schritte zu gehen. In Schleswig-Holstein gibt es dafür ein breites Hilfsangebot an qualifizierten Frauenfacheinrichtungen sowie das Kooperations- und Interventionskonzept bei häuslicher Gewalt (KIK“) “, betont Schirmherrin und Gleichstellungsministerin Kristin Alheit zum Auftakt in Segeberg.

Das Thema Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor präsent – dies zeigt eine im März dieses Jahres vorgelegte Untersuchung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte. Sie hat eine der bisher größten Studien zu körperlicher und sexueller Gewalt an Frauen durchgeführt. Befragt wurden 42 000 Frauen zwischen 18 und 74 Jahren in allen 28 EU Mitgliedstaaten. Insgesamt wurde festgestellt, dass 22 Prozent aller Befragten angaben, körperliche oder sexuelle Gewalt durch den eigenen Partner erfahren zu haben. Deutschland liegt hier im EU-Schnitt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit der Hilfsangebote für Frauen. Alheit dankt den Gleichstellungsbeauftragten, den Bäckereien im Lande und den lokalen Bündnissen gegen häusliche Gewalt für ihr Engagement.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Rellingen (landesweite Koordinatorin der Aktion), Dorathea Beckmann, weist darauf hin, dass in vielen Kommunen und Kreisen in SH sich in den vergangenen Jahren ein weit vernetztes Aktionsbündnis „gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“, gerade auch durch die Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, entwickelt hat. Das Engagement der Bäckereien war dabei Ansporn und Motivation. Die ganze Aktion ist mittlerweile unverzichtbar, um auf die Situation von Frauen, die häusliche Gewalt erlitten haben, aufmerksam zu machen und die vielfältigen Beratungsangebote der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Landesinnungsmeisterin des Bäckerhandwerks Maren Andresen: „“Wir freuen uns, dass wir auch in diesem Jahr wieder so viel Unterstützung aus den Reihen unserer Handwerksbäckereien erhalten haben. Unsere Aktionstüte wird in Bäckereien im gesamten Bundesland zu finden sein und wir hoffen, damit unseren Teil dazu beizutragen, dieses wichtige Thema transparenter und den Betroffenen Mut zu machen“.“

Im Jahr 2013 gab es in Schleswig-Holstein 1971 polizeiliche Einsätze bei häuslicher Gewalt, bei denen 438 Täter der gemeinsamen Wohnung verwiesen wurden. 1135 Frauen flohen mit ihren 1.057 Kindern in ein Frauenhaus. Darüber hinaus kontaktierten rund 11.000 Frauen die vom Land geförderten 23 Frauenberatungsstellen; ein Großteil von ihnen benötigte Hilfe aufgrund häuslicher und sexualisierter Gewalt.

Die Hilfsangebote bei häuslicher Gewalt und weitere Informationen zum Thema sind auch in der Broschüre „Nur Mut- Handlungsmöglichkeiten in Gewaltbeziehungen“ zusammengestellt. Die Broschüre steht im Internet unter www.schleswig-holstein.de/MSGWG zum Herunterladen bereit. Die Broschüre steht dort in deutscher, türkischer, russischer, englischer und französischer Sprache zur Verfügung.

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