4. Bundesfachkongress mit Teilnehmerrekord

18. September 2014 | Themenbereich: Feuerwehr - Katastrophenschutz | Drucken

„Die Vielfalt des Angebotes macht den Bundesfachkongress interessant“, „Da ist thematisch für Jeden etwas dabei!“ – so Rückmeldungen von Teilnehmern am 4. Bundesfachkongress des DFV. Die Veranstaltung erlebte einen Teilnehmerrekord: 160 Feuerwehrangehörige nutzten die Gelegenheit, sich praxisorientiert fortzubilden. Zum Auftakt betonte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer die Bedeutung der Kooperation von Handwerk und Feuerwehr. Gemeinsam mit DFV-Präsident Hans-Peter Kröger zeichnete er sieben „Partner der Feuerwehr“ aus.

Kreisbrandmeister Alexander Widmaier blickte im Modul „Feuerwehr und Einsatz“ auf das verheerende Feuer in der Behindertenwerkstatt Titisee-Neustadt (Baden-Württemberg) mit 14 Toten zurück. Hier stand vor allem die psychologische Belastung aller Beteiligten im Vordergrund – Einsatzkräfte und dort betreute Behinderte hatten sich von Begehungen und Übungen gekannt. Bereits an der Einsatzstelle waren Notfallseelsorge und Notfallnachsorge eingeleitet und über Monate fortgesetzt worden. Letztlich zog Widmaier ein positives Fazit: „Es ist ohne große Spuren geblieben. Die Erfahrungen fließen in den vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes vielfach ein.“

Thomas Wienecke, Kreisbrandmeister in Soest (Nordrhein-Westfalen) und Bezirksschornsteinfegermeister, ging auf CO-Unfälle und Schornsteinbrände ein. Er mahnte zur Aufklärung der Einsatzkräfte über mögliche Gefahren. „Insbesondere bei Notfalltüröffnungen ist die Absicherung über ein CO-Messgerät absolut zu empfehlen“, erklärte Wienecke. Bei Schornsteinbränden wies Wienecke darauf hin, dass sich Bauteile erst langsam aufwärmten und sich ein Einsatzabbruch aufgrund geringer Temperaturen an den Schornsteinwänden als fataler Fehler herausstellen könne.

In ganz andere Dimensionen begab sich Stefan Bruck, Oberbrandrat der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz), mit seinem Bericht über das Großfeuer einer rund 10.000 Quadratmeter großen Lagerhalle auf der Parkinsel Ludwigshafen, das auch zu einer logistischen Großleistung führte – ein Szenario der Superlative mit insgesamt 650 Kräften und einer zeitweisen Abgabe von 38m³ Wasser/Minute. Eine besondere Herausforderung war die Bereitstellung des Personals; parallel wurden noch 14 weitere Einsätze durch Wachbesetzungen der FFen aus dem Umland unter Leitung eines Zugführers der BF bewältigt.

Ralf Mucha, Landtagsabgeordneter und Fachreferatsleiter „Soziales“ im Landesfeuerwehrverband Mecklenburg-Vorpommern, eröffnete das Modul „Feuerwehr und Politik“. „Die Stärkung des Brandschutzbewusstseins bei Bürgermeistern und Ratsmitgliedern ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Einbringung der Feuerwehren in politische Entscheidungen“, erklärte er. Mucha nannte Parlamentarische Abende als gute Möglichkeit, bei Abgeordneten Verständnis für die Arbeit der Feuerwehr zu wecken. Er forderte die Feuerwehrverbände auf, sich bei Gesetzesvorhaben einzubringen.

„Man muss um die Ecke denken“, riet Alexander Blasczyk, Geschäftsführer des Thüringer Feuerwehrverbandes, zum Thema Projektförderung. Stiftungen oder Lottomittel seien Finanzierungsoptionen von Projekten etwa zur Mitgliederwerbung oder Führungskräfteausbildung. Blasczyk beschrieb den Weg der Förderungen von der Vorbereitung bis zur Verwendungsprüfung, gab Hinweise zu Evaluation und Dokumentation und forderte zur Prüfung der Zielgruppe auf.

„Wie ehrlich sind wir als Feuerwehr?“ fragte Ludger Hoster, Leitender Regierungsbranddirektor am Institut der Feuerwehr in Münster (NRW), zum Thema Brandschutzbedarfsplanung. Er identifizierte die Transparenz bei der Beschreibung von Ist-Situation und Leistungsanforderungen an die Feuerwehr als Herausforderungen. Hoster beschrieb die Analyse der Gefahrenpotenziale, die Beschreibung der Schutzziele und die Festlegung der zur Erreichung der Schutzziele notwendigen Maßnahmen.

Das Modul III befasste sich mit der Schnittstelle von „Feuerwehr und Recht“. Jürgen Weiß, LFV Bayern, schilderte die Umsetzung des „Feuerwehrführerscheins“ in der bayerischen Fahrberechtigungsverordnung: Hier sind die Voraussetzungen für prüfungsberechtigte Personen sowie Zeitaufwand und Inhalte für Ausbildung und Prüfung festgelegt. Checklisten sowie Vordrucke für Prüfungsbewertung und -bescheinigung ergänzen das Dokument. Allein in Bayern wurden bis Ende Juli 2014 mehr als 4.700 „Feuerwehrführerscheine“ erteilt.

Wie der neue Beruf des Notfallsanitäters den Rettungsdienst verändert, erklärte der Frechener Feuerwehrchef Harald Band: Er warnte vor erheblichen Unterschieden zwischen den Bundesländern und unterschiedlichen Trägern und empfahl Standardeinsatzregeln als Lösungsansatz für die Haftungsfrage. In NRW werden sich Rettungsassistenten mit fünfjähriger Dienstzeit mit einem Seminar fortbilden können. Nach Absolvierung der Laufbahnausbildung für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst kann die Notfallsanitäterausbildung hier um sechs Monate verkürzt werden.

„Der Notruf muss bei den Leitstellen ankommen – nicht bei den Fahrzeugherstellern“, forderte Ralf Ackermann, Kreisbrandinspektor im Kreis Offenbach (Hessen) und DFV-Vizepräsident, bei der Vorstellung von e-Call. Ziel ist es, dass verunglückte Fahrzeuge Daten zum Unfallgeschehen weitermelden. In einem Pilotprojekt war die Umsetzbarkeit der Technologie in den Alltag getestet worden. Zum Thema gibt es auch eine gemeinsame Position von DFV und AGBF, die unter anderem fordert, dass die Kosten für die technische Umsetzung von den Ländern getragen werden.

Kai Winter von der Jugendfeuerwehr Hamburg eröffnete das Modul „Feuerwehr und Mensch“ mit der Vorstellung des Projekts „Jugendfeuerwehr und Handwerk“: Die Innungswerkstätten bieten Praxiskurse für Jugendliche zur Berufsorientierung und bilden Jugendwarte als Multiplikatoren aus. In der Handwerkskammer gibt es einen speziellen Ansprechpartner für Feuerwehrangehörige; erste Ausbildungsplätze sind vermittelt. „Insbesondere geht es auch darum, Berufe vorzustellen, die nicht mehr so bekannt sind, aber dringend Fachkräfte suchen“, erläuterte er.

Gegenseitiges Verständnis zwischen Mitbürgern mit Migrationshintergrund und der Feuerwehr ist das Ziel des Integrationsprojekts der Feuerwehr Arnsberg (NRW), das Peter Krämer vorstellte. Ausgehend von Gesprächen mit Kulturvereinen und Veranstaltungen gibt es hier Informationen über die Organisation der Feuerwehr, die Selbsthilfe und Mitmachmöglichkeiten. „Es ist wichtig, die eigenen Feuerwehrangehörigen einzubeziehen“, erklärte er. Im Rahmen des Projekts wurde ein mehrsprachiges Einsatzleiter-Handbuch erstellt.
Karen Leonhardt (Freiwilligen-Agentur Halle-Saalekreis e.V., Sachsen-Anhalt) lenkte den Blick der Zuhörer darauf, neue Führungskräfte zu gewinnen und bestehende Strukturen zu verbessern. Sie gab Tipps zur Schaffung attraktiver Strukturen mit der Personalentwicklung als integralem Bestandteil des Alltags und einem kooperativen Führungsstil. Leonhardt wies allerdings auch auf die Gefahr der Überlastung durch einen zu schnellen strukturellen Umbau hin.

Die freigegebenen Präsentationen der Referierenden stehen zum Download unter www.feuerwehrverband.de/bundesfachkongress2014.html bereit.

Quelle: DFV-Pressedienst

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