Fußballfreuden – oder wenn am Wochenende alle Einsatzkräfte gebunden sind

26. August 2014 | Themenbereich: Bundespolizei | Drucken

Zu einem Gespräch in Berlin trafen sich heute Direktionspräsident Thomas Striethörster mit Arne Bischoff und Thomas Mischke vom BDK Verband Bundespolizei.

In dem Gespräch ging es ausschließlich um das Thema Fußball und die damit verbundenen Probleme für die Einsatzkräfte der Polizei. Der BDK Gesamtverband beschäftigt sich schon eine Weile mit dieser Thematik und will durch ein in Arbeit befindliches Positionspapier dazu beitragen, das seit Jahrzehnten schwelende Problem einer anderen Betrachtungsweise und hoffentlich einer Lösung zuzuführen.

Das Gespräch mit Herrn Striethörster diente insoweit einem Erfahrungsaustausch und verlief in herzlicher und angenehm-fachlicher Atmosphäre.

Nachfolgend einige Gedanken zum Thema, die sehr verkürzt einige Aspekte des Problems aus Sicht des BDK Bundespolizei darstellt:

Betrachtet man die Bundespolizei, die im vergangenen Jahr 780.371 Einsatzstunden durch 110.954 eingesetzte Polizeivollzugsbeamte bei 1.787 Einsatzanlässen eingebracht und dabei 2.860 Straftaten festgestellt hat klingt das allein schon gewaltig. (Quelle: BPOL Jahresbericht 2013)

Die Zahl wird noch etwas gewaltiger wenn man bedenkt, dass die Bundespolizei dabei im Wesentlichen nichts anderes gemacht hat, als die „Fans“ von und zu den Spielen zu begleiten, und dies überwiegend in/an der Bahn.
Da liegt der Gedanke nahe, dass der Hebel aus Sicht der Bundespolizei an eben dieser „Fanbegleitung“ anzusetzen ist. Das BDK-Positionspapier wird sich daher mit der Frage auseinandersetzen, wie die Polizeipräsenz in den Zügen und an den Bahnsteigen massiv verringert werden kann.

Doch sind es nicht nur die Einsatzkräfte der Bundespolizei, die in ihrem eingeschränkten Zuständigkeitsbereich enorme Ressourcen für diese moderne Form von „Brot und Spielen“ einsetzen müssen, sondern auch die Bundesländer. Besonders betroffen ist das Land NRW, das angesichts der zahlreichen Vereine in den relevanten Ligen besonders viele Spiele abzudecken hat. Bereits in der abgelaufenen Spielzeit musste es 1/3 der Gesamteinsatzstunden seiner Bereitschaftspolizei in den Fußball stecken.

Fußball ist in Deutschland extrem populär und bietet vielen Millionen Menschen Emotionen, Events, Identifikation, Gruppenzugehörigkeit, sportliche Betätigung und Einkommen, je nachdem aus welchem Blickwinkel man das betrachtet.

Aus Sicht des BDK Bundespolizei darf es jedoch nicht länger so sein, dass DFB, bzw. deren Vermarktungsgesellschaft DFL die schöne Seite des Fußballs präsentieren dürfen und dem Staat die hässliche überlassen. Hässlich ist in diesem Zusammenhang nicht nur, dass die Polizei ständig in eine Auseinandersetzung gezwungen wird, die teilweise an gewalttätige Demonstrationslagen erinnert. Hässlich ist auch, dass die Bundespolizei durch die aberwitzige Einsatzbelastung beim Fußball, bei gleichzeitiger Sparwut, Personalschrumpfung und Überalterung von anderen wirklich drängenden Problemen abgehalten wird.

Auch hässlich ist, dass die emotional und lautstark geführte Diskussion ausschließlich von Fußballfans und –profiteuren geführt wird, die Politik vor der Macht des DFB, bzw. seiner vielen Millionen potentiellen Wählerstimmen kuscht und dass die Stimmen der vielen Millionen Nichtfußballfans nicht wahrzunehmen sind, ergo deren Meinung als stillschweigende Zustimmung bewertet wird.

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