LKA stellt Jahresbericht zur Wirtschaftskriminalität 2013t vor

31. Juli 2014 | Themenbereich: Kriminalität, Sachsen-Anhalt | Drucken

Delikte der Wirtschaftskriminalität verursachten 2013 bundesweit Schäden von 3,82 Milliarden Euro und damit knapp 2 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr (3,75 Milliarden Euro). Die Lage ist geprägt von einer hohen Dunkelziffer.

In Sachsen-Anhalt hat sich im Jahresvergleich 2012/2013 der durch Wirtschaftskriminalität in Sachsen-Anhalt verursachte Schaden nahezu verdoppelt. Während es 2012 noch 61 Millionen Euro waren, entstand 2013 bereits ein Schaden von 110 Millionen Euro.

Entgegen dem Bundestrend sind in Sachsen-Anhalt im Jahr 2013 nicht nur die Schäden angestiegen, auch die Fallzahlen im Bereich der Wirtschaftskriminalität haben sich signifikant erhöht und zwar um fast 37% auf 1.809 Fälle (2012: 1323).

Jürgen Schmökel, Direktor des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt dazu: „Mehr als 50 Prozent aller auf Kriminalität zurückzuführenden Schäden sind der Wirtschaftskriminalität zuzurechnen. Gemessen an der Gesamtzahl aller verfolgten Straftaten gehört der Bereich der Wirtschaftskriminalität zwar zu den kleineren Deliktsbereichen, war aber der schadensträchtigste.“

Lediglich 0,9% (1.809 / 193.885 Straftaten) der Gesamtdelikte spielen sich im Bereich der Wirtschaftskriminalität ab. Jedoch liegt der Anteil am Vermögensschaden der Gesamtkriminalität bei 53,2 % (110 Mio. Euro / 207 Mio. Euro)

Die in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erfassten Fallzahlen bilden allerdings nicht die ganze Brisanz der Wirtschaftskriminalität im Lande ab. Auch das sogenannte Dunkelfeld spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Eine erhebliche Anzahl von strafrechtlich relevanten Sachverhalten wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bei den Sicherheitsbehörden angezeigt.

In der Polizeilichen Kriminalstatistik selbst lässt sich das sogenannte Dunkelfeld nicht beleuchten. Sie kann deshalb das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftskriminalität nur eingeschränkt wiedergeben.

Die Aufklärungsquote der Wirtschaftskriminalität bewegte sich 2013 auf einem sehr hohen Niveau. Sie betrug 97,1 Prozent (Aufklärungsquote der Gesamtkriminalität 56,5 Prozent).

Die meisten Fälle (1.090) von Wirtschaftskriminalität traten auch im Jahr 2013 in speziellen Bereichen des Betruges auf. Hier führten mehrere umfangreiche Verfahren zu einer Verdoppelung der Fallzahlen gegenüber 2012 (548). Die registrierten Schäden beliefen sich landesweit auf über 18 Millionen Euro.

Ein Beispiel hierfür sind Fälle des Abrechnungsbetruges im Gesundheitswesen. In einem konkreten Fall rechnete ein Klinikum in Sachsen-Anhalt hunderte Fälle von Patienten gegenüber den Krankenkassen falsch ab. Obwohl die Kranken nur ambulant versorgt worden waren, wurden stationäre Leistungen gegenüber den Kassen geltend gemacht. Die Schäden beliefen sich allein in diesem Fall auf mehrere hunderttausend Euro. Seitdem die Krankenkassen im Abrechnungswesen vermehrt Kontrollen durchführen, steigen auch die Fallzahlen in diesem Phänomenbereich beständig an.

Auch Betrügereien über das Telefon nahmen zu. Die Kriminellen nutzen seit einigen Jahren vermehrt Callcenter um ihre Straftaten durchzuführen. Beliebte Opfer sind vor allem ältere Mitbürger. Häufig werden die Opfer im Rahmen angeblicher Gewinnspiele zu Vorauszahlungen verleitet, bzw. es werden ihnen mittels falscher Versprechungen ihre Kontodaten entlockt.

Mit den Kontodaten haben die Täter dann widerrechtlich verschiedene Beträge per Lastschrift abgebucht. Die Schäden pro Opfer sind häufig erheblich.

Einer dieser Fälle ereignete sich im Süden Sachsen-Anhalts. Das Verfahren wegen des Verdachts des versuchten und vollendeten gewerblichen Betruges sowie des Verstoßes gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) richtete sich gegen mehrere Personen aus Thüringen, die als Einzelunternehmer bzw. Geschäftsführer für verschiedene Unternehmen (Call Center) tätig waren. Die Beschuldigten kontaktierten die Geschädigten, u.a. in Sachsen-Anhalt, telefonisch und brachten diese dazu, im Rahmen angeblicher Gewinnspiele „Chance 09“ oder „Komet“ ihre persönlichen Bankdaten preiszugeben. Mit den ausgespähten Daten ließen die Verdächtigen bei mehreren hundert Betroffenen im gesamten Bundesgebiet unberechtigt Gelder per Lastschrift von deren Konten abbuchen. Nach bisherigen Erkenntnissen ist ein Gesamtschaden von ca. 1,3 Millionen Euro entstanden. Zur Verschleierung ihrer Taten unterhielten die Beschuldigten ein ganzes Firmengeflecht in Deutschland sowie Spanien (Betrieb eines Call-Centers), vergrößerten auf diese Weise ihre „Marktabdeckung“ und banden immer neue Mittäter zur „Umsatzsteigerung“ ein. Im Jahr 2013 konnte ein Tatverdächtiger zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und 11 Monaten auf Bewährung verurteilt werden.

Auch der Fiskus bleibt von betrügerischen Handlungen nicht verschont. Das LKA Sachsen-Anhalt bearbeitet im Auftrag der Staatsanwaltschaft Halle/Saale seit mehreren Jahren einen komplexen Fall des Subventionsbetruges. Unternehmensverantwortliche und Weiterbildungsinstitute hatten kollusiv zusammengearbeitet, um Weiterbildungslehrgänge gegenüber öffentlichen Fördermittelgebern abzurechnen, die gar nicht stattgefunden hatten. Der Schaden für die öffentliche Hand bewegt sich im zweistelligen Millionenbereich. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen führten letztendlich auch dazu, dass ausgezahlte Millionenbeträge vom Fördermittelgeber zurückgefordert werden konnten.

Eine große Bedeutung kam, wie in jedem Berichtsjahr, auch 2013 den Insolvenzdelikten zu (dazu zählen etwa Delikte wie Bankrott, Insolvenzverschleppung etc.). Zwar sind die absoluten Zahlen der Insolvenzdelikte gering (2013: 239). Gemessen an der Schadenssumme von über 85 Mio. Euro, die sich gegenüber dem Vorjahr (2012: 44 Mio. Euro) fast verdoppelt hat, besitzt dieser Deliktsbereich aber eine große Relevanz. Die Verfahren zeichnen sich durch Komplexität und längere Ermittlungszeiten aus.

Beispielhaft ist hier ein Fall aus Halle. Einer Firma des produzierenden Gewerbes, deren Geschäftsführer den finanzierenden Banken umfangreiches Betriebsvermögen als Sicherheit übereignete, wurde nach ausbleibenden Zahlungsverpflichtungen seines Unternehmens die Kredite gekündigt. Erst danach stellten die Banken fest, dass die sicherungsübereigneten Anlagen zum größten Teil nicht existent gewesen waren. Es entstand ein Schaden von mehr als 3 Millionen Euro.

In einem weiteren Fall hatten die Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft, obwohl das Unternehmen bereits überschuldet und zahlungsunfähig war, große Mengen von Waren im In- und Ausland bestellt und diese Waren dann an andere Betriebe weiterveräußert. Den Lieferanten entstanden wegen der Forderungsausfälle erhebliche Schäden. Mit den eingehenden Verkaufserlösen und Guthaben, die sie im Vorfeld für veräußertes Betriebsvermögen erlöst hatten, haben sich die beschuldigten Geschäftsführer dann ins Ausland abgesetzt.

Aus präventiver Sicht ist aber auch vor dubiosen Beteiligungs- und Kapitalanlagen zu warnen. Zwar waren die Fallzahlen in Sachsen-Anhalt 2013 in diesem Bereich sehr gering (2013: 35), die registrierten Schadenssummen waren aber, relativ betrachtet, überaus hoch (2013: fast 1 Mio. Euro). Insoweit machten sich die Kriminellen weiterhin die Unsicherheit vieler Bürger bezüglich der Zukunft des Geld- und Kapitalmarktes im Euroraum zunutze, indem sie Anlagen zu Konditionen anboten, die deutlich über den aktuell üblichen Verzinsungen lagen und von vornherein ausgeschlossen werden musste, dass diese Gewinne zu erzielen wären.

 

Fazit

Aufgrund der hohen Vermögensschäden bildet das Deliktfeld der Wirtschaftskriminalität auch in Zukunft einen Schwerpunkt der polizeilichen Tätigkeit. Ziel ist es aber auch, dass zu vermutende hohe Dunkelfeld zu erhellen und Opfer zu ermutigen, Anzeige zu erstatten.

Manche Opfer, etwa Firmenverantwortliche scheuen sich davor, Anzeige zu erstatten, weil sie bei Bekanntwerden des Sachverhaltes Ansehensverluste für ihr Unternehmen befürchten. Privatpersonen, sehr häufig ältere Leute, vermeiden aus Scham eine Anzeige bei der Polizei, wenn sie das Opfer gewerbsmäßiger Betrüger geworden sind.

Einige einfache Hinweise und deren Beachtung verringern das Risiko, Opfer von Betrugsmaschen zu werden, erheblich. Beispielsweise erfordern seriöse Gewinnspiele nie Vorleistungen wie die Zahlung von Gebühren. Zum anderen dürfen keinesfalls persönliche Daten wie Kontoverbindungen am Telefon leichtsinnig bekannt gegeben werden.

Weitere Hinweise zur Verringerung des Risikos, Opfer von Betrügereien zu werden, finden Sie im Internet unter www.polizei-beratung.de.

(AvK)

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