Ehemaliger LKA-Chef wird neuer Anti-Korruptionsbeauftragter

31. Juli 2014 | Themenbereich: Innere Sicherheit | Drucken

Schleswig-Holstein hat einen neuen Anti-Korruptionsbeauftragten. Der ehemalige Direktor des Landeskriminalamts, Hans-Werner Rogge, übernimmt das Ehrenamt an diesem Freitag (1. August) von Wolfgang Pistol. Der pensionierte Landespolizeidirektor hört nach genau sieben Jahren auf eigenen Wunsch auf. Er war der erste Anti-Korruptionsbeauftrage des Landes, nachdem die Landesregierung im Sommer 2006 den Grundsatzbeschluss gefasst hatte, eine Kontaktstelle zur Bekämpfung der Korruption einzurichten.

Innenminister Andreas Breitner vollzog den Personalwechsel am Donnerstag (31. Juli) im Rahmen einer Landespressekonferenz in Kiel. Breitner würdigte Pistol als einen aufrechten und leidenschaftlichen Streiter gegen Bestechung und Bestechlichkeit. „“Wolfgang Pistol hat dafür gesorgt, dass Korruption aus dem Dunkel von illegalen Absprachen und Schmiergeldern herausgeholt und aufgeklärt werden konnte““, sagte Breitner. Der Anti-Korruptionsbeauftragte habe Korruptionsfälle ans Licht gebracht, von denen die Ermittlungsbehörden ansonsten nichts erfahren hätten.

Mit Hans-Werner Rogge werde die Kontaktstelle zur Korruptionsbekämpfung weiterhin kompetent und hochrangig besetzt. „Rogge war einer der profiliertesten und engagiertesten Kriminalisten des Landes“, sagte der Minister. Er habe sich in dem Auswahlverfahren für die Nachbesetzung der Stelle des Anti-Korruptionsbeauftragten gegen sieben weitere Bewerber überzeugend durchgesetzt. Rogge sei sehr kommunikativ und besitze das notwendige Einfühlungsvermögen im Umgang mit Hinweisgebern. Seine frühere berufliche Nähe zur Polizei und zur Staatsanwaltschaft seien weitere Pluspunkte für sein künftiges Amt.
Aufgaben und rechtliche Stellung des Anti-Korruptionsbeauftragten

Der Anti-Korruptionsbeauftragte schließt eine Lücke im System der Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung. Die Lücke besteht darin, dass es Menschen gibt, die Fälle von Korruption in Firmen, Betrieben, Organisationen oder Verwaltungen kennen, sich aber nicht trauen, dies der Polizei oder der Staatsanwaltschaft mitzuteilen. Oft möchten diese Menschen anonym bleiben, weil sie Nachteile für sich befürchten. Anonyme Hinweise an Polizei und Staatsanwaltschaft leiden aber darunter, dass keine Nachfragen zum Sachverhalt möglich sind. In diesen Fällen kann der Anti-Korruptionsbeauftragte des Landes als unabhängiger Mittler zwischen Hinweisgebern und Strafverfolgungsbehörden helfen.

Der Anti-Korruptionsbeauftragte des Landes ist zur Verschwiegenheit verpflichtet und unterliegt nicht wie Polizei und Staatsanwaltschaft dem Zwang, Straftaten zu verfolgen. Er nimmt vertrauliche Mitteilungen entgegen, aus denen sich der Verdacht von Korruption oder anderen schwerwiegenden Verfehlungen gegen das Land ergeben. Für den Hinweisgeber entstehen hierbei keine Kosten. Um falsche Verdächtigungen oder üble Nachrede zu verhindern, wird der Sachverhalt durch den Anti-Korruptionsbeauftragten sehr sorgfältig geprüft. Wenn der Anti-Korruptionsbeauftragte einen Vorgang als Verdachtsfall einstuft, leitet er ihn zur weitergehenden Beurteilung und Bewertung an die Polizei oder die Staatsanwaltschaft weiter.

Der Anti-Korruptionsbeauftragte unterliegt keinen Weisungen des Landes hinsichtlich der inhaltlichen Sachbehandlung. Er entscheidet nach pflichtgemäßer Prüfung, ob er einen ihm unterbreiteten Sachverhalt zur weiteren Prüfung an die zuständige Verwaltungs- oder Strafverfolgungsbehörde weiterleitet.

Der Anti-Korruptionsbeauftragte wird auch präventiv tätig und gibt gegebenenfalls Hinweise für verbesserte Präventionsmaßnahmen gegen Korruption, die er aufgrund von Erkenntnissen aus seiner Tätigkeit gewinnt.
Wie erreicht man den Anti-Korruptionsbeauftragten?

Jeder kann sich bei einem Korruptionsverdacht an den Anti-Korruptionsbeauftragten wenden. Ein Korruptionsverdacht kann sich zum Beispiel aus Hinweisen auf Vorteilsgewährung oder Vorteilsannahme, auf Bestechung oder Bestechlichkeit oder auf andere Missstände in der Verwaltung ergeben.

So erreichen Sie den Anti-Korruptionsbeauftragten:

Anti-Korruptionsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein
Postfach 1206
24212 Gettorf
Telefon: 04346 369137
E-Mail: antikorruption.sh@kielnet.net

Anti-Korruptionsbeauftragter Hans-Werner RoggeHans-Werner Rogge
Zur Person: Hans-Werner Rogge

Hans-Werner Rogge wurde 1953 im Kreis Rendsburg geboren. Nach seiner Kindheit in Nordrhein-Westfalen lebt er seit 1968 wieder in Schleswig-Holstein. Rogge ist verheiratet, hat eine erwachsene Tochter und wohnt in der Nähe von Kiel. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit seinen Hobbies Fotografieren, Radfahren und Reisen

Nach dem Abitur im Jahre 1971 begann er seine berufliche Laufbahn als Kriminalkommissar bei der Landespolizei Schleswig-Holstein. Die ersten sechs Jahre nach seiner Ausbildung 1974 arbeitete er als Ermittler in der Mordkommission Kiel. Nach zweijährigem Studium an der Polizeiführungsakademie in Münster-Hiltrup (1980-1982) erfolgten der Aufstieg in den Höheren Dienst und verschiedene Verwendungen als Leiter des Lage- und Führungszentrums im Landeskriminalamt, als Leiter der Kriminalpolizei Kiel, der Bezirkskriminalinspektion Flensburg sowie als stellvertretender Leiter der Kriminalpolizeidirektion Nord.

Seit 1990 hat Rogge verschiedene Abteilungen im Landeskriminalamt geleitet. Von 1995 – 2002 war er als Leiter der Abteilung 2 für die zentralen und spezialisierten Ermittlungen in Fällen der Organisierten Kriminalität, der Rauschgift-, Waffen-, Falschgeld-, Wirtschafts- und Korruptionskriminalität verantwortlich. In diesen Jahren entwickelte er gemeinsam mit dem Generalstaatsanwalt u.a. die noch heute bestehende Konzeption der zentralisierten und spezialisierten Korruptionsbekämpfung in Schleswig-Holstein

Im Jahre 2002 wurde Rogge vom Innenministerium mit der Leitung des Landeskriminalamtes in Kiel betraut. Dieses Amt bekleidete er bis zum seinem regulären Eintritt in den Ruhestand am 1. April 2013.

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