Prof. Hans-Jürgen Lange neuer Präsident der Deutschen Hochschule der Polizei

7. Juli 2014 | Themenbereich: Polizei | Drucken

Freude und Erleichterung an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster (DHPol). Zum 1. Juli 2014 hat Prof. Dr. Hans-Jürgen Lange, bislang Politikwissenschaftler und Sicherheitsforscher an der Universität Witten/Herdecke, das Amt des Präsidenten der DHPol angetreten, nachdem er am 30.06.2014 die Ernennungsurkunde aus der Hand des Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger, entgegen genommen hat. Damit beendet der ausgewiesene Experte in Sachen Polizeiforschung und Innere Sicherheit mit viel Erfahrung im Hochschulmanagement die einjährige Vakanz an der Spitze der DHPol. Der Entwicklungsprozess dieser bundesweit einzigen Hochschule der Polizei mit universitärem Charakter wird unter der Leitung eines derart ausgewiesenen Experten an Dynamik gewinnen. Mit Prof. Dr. Lange hat erstmalig ein Universitätsprofessor die Funktion des Präsidenten an der DHPol inne.

Hans-Jürgen Lange ist 1961 in Bochum geboren. Er studierte Sozialwissenschaften (Schwerpunkt Politikwissenschaft), Geschichte und Philosophie an der Universität -GH- Duisburg (1981-87); arbeitete danach als wiss. Mitarbeiter und Doktorand im Lehrgebiet Politikwissenschaft an der Fernuniversität -GH- Hagen (1987-93). In seiner Dissertation untersuchte er Modernisierungsverläufe im bundesdeutschen Parteiensystem, die Promotion erfolgte 1993 (Hagen). Er wechselte als wiss. Mitarbeiter und DFG-Habilitationsstipendiat an die Philipps-Universität Marburg (1994-98) und habilitierte sich dort 1998 mit einer Studie über das Politische System der Inneren Sicherheit in der Bundesrepublik.

Nach der Habilitation und Ernennung zum Privatdozenten für Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg (1998) übernahm er Vertretungsprofessuren in Duisburg (1998-2000) und Marburg (2000-01), eine Forschungsprofessur für Politikwissenschaft in Witten/Herdecke (2001-03) sowie eine Vertretungsprofessur in Kassel (2003-04). An der Philipps-Universität Marburg wurde er zum außerplanmäßigen Professor für Politikwissenschaft (2004-08) ernannt. Parallel dazu nahm er eine Gastprofessur für Politikwissenschaft und Zeitgeschichte in Witten/Herdecke (2004-07) sowie eine Vertretungsprofessur in Marburg (2007-08) wahr.

Am Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Universität Duisburg-Essen leitete er die gemeinsam mit dem Zentrum für Konfliktforschung (ZFK) der Philipps-Universität Marburg betriebene Forschungsgruppe Politische Steuerung und Konfliktregelung (2001-2008). Seit 2006 ist er Wiss. Direktor des RISP. Zum 1. Juli 2008 wurde er zum Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Sicherheitsforschung und Sicherheitsmanagement an die Universität Witten/Herdecke berufen. Zum 1. August 2009 übernahm Hans-Jürgen Lange das Amt des Dekans der Fakultät für Kulturreflexion. Im Mittelpunkt seiner Wittener Dekanstätigkeit standen der Ausbau und die inhaltliche Weiterentwicklung der kulturwissenschaftlich ausgerichteten Fakultät. Die erfolgreiche Reakkreditierung des Bachelor- und Masterprogramms der Fakultät, die Entwicklung neuer Masterstudiengänge, die Einrichtung eines Orientierungsstudiums, die Erweiterung des Bildungskonzepts der Universität („Studium fundamentale plus“) sowie die erfolgreiche Erfüllung einer Auflage des Wissenschaftsrates, die zugleich das Promotionsrecht der Fakultät sicherte, gehören zu seiner Arbeitsbilanz. Auf Ebene der Gesamtuniversität setzte er sich als Vorsitzender eines Senatsausschusses 2009/2010 erfolgreich dafür ein, der Universität Witten/Herdecke im Zuge ihrer Neuausrichtung eine neue, hochschulrechtlich innovative Grundordnung zu geben. Am 16. November 2010 wurde er zum Vorsitzenden des Senats der Universität Witten/Herdecke gewählt, den er seitdem leitet.

Hans-Jürgen Lange ist Initiator und Sprecher des 1996 gegründeten Interdisziplinären Arbeitskreises Innere Sicherheit (AKIS) sowie des Arbeitskreises Politikfeldanalyse Innere Sicherheit in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW). Die beiden eng miteinander kooperierenden Arbeitskreise zählen heute rund 240 Mitglieder, die zu Fragen der Polizei- und Sicherheitsforschung sowie der Inneren Sicherheit forschen. Er ist Herausgeber der Buchreihe „Studien zur Inneren Sicherheit“, die beim Springer VS Verlag in Wiesbaden erscheint.

In der Sicherheitsforschung ist von ihm der Ansatz einer Politikfeldanalyse Innere Sicherheit konzeptionell entwickelt worden. Diese untersucht das Wechselspiel zwischen Akteuren, Strukturen, Prozessen und politischen Inhalten beim Zustandekommen politischer Entscheidungen. Die entsprechenden Studien konzentrierten sich zunächst auf die Polizei und bezogen dabei historische und soziologische Perspektiven ein. Die Phasenentwicklungen der Problemdefinition, der Agendagestaltung und der Implementation von politischen Programmen der Polizei- und Kriminalpolitik sowie insgesamt der Politik der Inneren Sicherheit stehen hierbei im Fokus. Die Forschungsarbeiten erweiterten sich auf weitere Akteure im Sicherheitssystem – aktuell auf den Bereich des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes, welcher Gegenstand eines jüngst abgeschlossenen sowie eines noch laufenden Forschungsprojektes ist. In einem weiteren gerade abgeschlossenen Forschungsvorhaben wurden, gemeinsam mit einem rechtswissenschaftlichen Projektpartner, die formalen und vor allem informellen Einflüsse auf den Gesetzgebungsprozess im Bereich der Inneren Sicherheitspolitik untersucht. In der übergreifenden Zielsetzung geht es Professor Lange darum, den Wandel des Sicherheitssystems, wie er in allen westlichen Gesellschaften beobachtbar ist, in seinen Auswirkungen auf Theorie und Praxis von Staatlichkeit und Demokratie zu analysieren und Folgerungen insbesondere für die rechtsstaatliche und demokratische Verfasstheit sozialer Ordnung aufzuzeigen.

An der Universität Witten/Herdecke, so Professor Lange, habe er sehr gerne gearbeitet. Sie zeichnet sich durch eine gelebte interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine große Offenheit für neue Problemsichten und -lösungen aus. „Es ist ein überaus spannender Ort, an dem ich selbst viel gelernt habe“. Zugleich bedeute der Wechsel an die DHPol für ihn, die beiden Erfahrungsstränge, die seine Arbeit prägen und die ihm Freude machen, die Polizei- und Sicherheitsforschung zum einen, Hochschulpolitik und Hochschulmanagement zum anderen, zusammenbringen zu können. „Die DHPol ist eine sehr interessante Einrichtung mit einem sehr eigenständigen Aufgabenprofil. Sie ist Hochschule mit universitärem Status, damit Teil des Wissenschaftssystems, zugleich hat sie als Hochschule der Polizei, die den gesamten Führungsnachwuchs aller Polizeien in Deutschland auf Masterniveau ausbildet, eine starke Praxisverankerung“, so Lange. Sie müsse sich damit als wissenschaftliche Hochschule bewähren, vor allem in der Forschung, und sie müsse dieses Wissen in die Praxis vermitteln und von der Praxis lernen, ohne dabei die wissenschaftliche Distanz aufzugeben. „Praxisreflexion“, schmunzelt Lange, „nennen wir diese Gradwanderung in Witten“. Die Erfüllung der Auflagen, die der Wissenschaftsrat der DHPol bis 2018 ins Stammbuch geschrieben hat, die Stabilisierung des Promotionsrechts, die damit verbunden ist, eine konzeptionelle Verbindung der Polizeiforschung mit der sich rasant entwickelnden Sicherheitsforschung, eine engere Vernetzung in die Wissenschaftslandschaft hinein, die Stärkung der Zusammenarbeit mit den Fachhochschulen der Länder und des Bundes, die Stärkung der Akzeptanz der universitären Hochschule innerhalb des Bildungssystems der Polizeien und vor allem die Zielsetzung, die DHPol zu einem Ort werden zu lassen, an dem über Polizei- und Sicherheitspolitik in ihrer Wechselwirkung mit gesellschaftlichen, demokratischen und europäischen Entwicklungen diskutiert und gerungen wird, erklärt Professor Lange zu den konkreten Zielen, die er mit seiner neuen Tätigkeit an der DHPol realisieren will.

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