Konzept „Feuerwehr 2020“

26. Juni 2014 | Themenbereich: Feuerwehr - Katastrophenschutz, Sachsen | Drucken

Innenminister Markus Ulbig hat gemeinsam mit Vertretern der Arbeitsgruppe „Freiwillige Feuerwehren Sachsen 2020“ den Abschlussbericht präsentiert. An der Arbeitsgruppe war zur wissenschaftlichen Begleitung auch das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI beteiligt.

Innenminister Markus Ulbig: „Dank an alle Beteiligten. Sachsen setzt auf Feuerwehren in moderner Struktur mit moderner Technik – wie beispielsweise einer Feuerwehr-App. Es wird keine Schwerpunktfeuerwehren geben.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen e.V., Karl-Heinz Filusch betonte: „Das erarbeitete Konzept Feuerwehr 2020 bietet den Gemeinden Lösungsansätze zur Gewährleistung der Tageseinsatzbereitschaft. Es stellt keinen abgeschlossenen Stand dar. Wichtig ist, dass die damit gemachten Erfahrungen erfasst werden und das Konzept fortgeschrieben wird.“

Der Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, Mischa Woitscheck sagte: „Die Sicherstellung der Tageseinsatzbereitschaft ist auch für uns ein wichtiges Thema. Der Abschlussbericht gibt dazu gute Handlungsempfehlungen. Er zeigt aber auch auf, dass es keine sachsenweit einheitliche Lösung gibt. Letztendlich können die erforderlichen Entscheidungen nur vor Ort und nur miteinander getroffen werden. Dafür ist die Verstärkung der kommunalen Zusammenarbeit ein wesentlicher Aspekt.“

Kernaussage des Berichts ist, dass Sachsens Freiwillige Feuerwehren zukunftsfähig sind. Die Arbeitsgruppe hat die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren untersucht. Dabei ging es um die Frage, wie diese angesichts veränderter Lebensgewohnheiten jüngerer Generationen und der demographischen Entwicklung gesichert werden kann. Die Arbeitsgruppe hat dafür beispielsweise folgende Handlungsempfehlungen entwickelt:

Optimierung der Brandschutzbedarfsplanung
Das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI hat eine Software entwickelt, mit der nach den Vorgaben der Arbeitsgruppe eine entsprechende Analyse durchgeführt werden konnte. Die Gemeinden können so den Ist-Zustand ihrer Freiwilligen Feuerwehren analysieren. Auf Grundlage der Ist-Analyse kann entschieden werden, ob Ergänzungen bei der Brandschutzbedarfsplanung nötig sind.

Förderung der Jugendfeuerwehr intensivieren
Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr bieten großes Potential für ein späteres Engagement in der Feuerwehr. Die Mittel, die der Landesfeuerwehrverband zur Förderung der Jugendfeuerwehren erhält, sollen erhöht werden. Des Weiteren sollten die Gemeinden vom Freistaat bei der Deckung des Grundbedarfs an Schutzkleidung, Ausbildungsmaterialien, etc. durch einen Pauschalbetrag pro Jugendfeuerwehr-Mitglied unterstützt werden.

Feuerwehr-App
Die Feuerwehr-App wird derzeit in Zusammenarbeit mit der TU Bergakademie Freiberg erstellt. Damit haben die Feuerwehrfrauen und -männer künftig am Einsatzort Informationen über das Hydrantennetz, Gefahrgutwarntafeln, aber auch Rettungskarten aller Pkw-Modelle digital zur Verfügung und können die Atemschutzüberwachung digital durchführen.

Gemeindeübergreifende Zusammenarbeit ausbauen
Die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit ist ein zweckmäßiges Mittel zur dauerhaften Verbesserung der Einsatzbereitschaft. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Bereich des Brandschutzes sollten daher verstärkt genutzt werden.

Bessere Refinanzierungsmöglichkeiten für Feuerwehreinsätze schaffen
Bei Kostenersatzansprüchen sollen künftig die Betriebskosten der Feuerwehren in die Kostenkalkulation einbezogen werden können. Gemeinden erhalten so die Möglichkeit, den Verursacher von kostenpflichtigen Einsätzen finanziell angemessen zu beteiligen. Einsätze zur Brandbekämpfung und zur technischen Hilfe bleiben wie bisher kostenfrei.

Angebot an landeseinheitlichen Lehrunterlagen erweitern
Die positive Resonanz aus der Nutzung der Lehrunterlagen für die Truppmann- und Truppführerausbildung, die im Dezember 2012 veröffentlicht wurden, bestärkte das Innenministerium in seiner Absicht, weitere landeseinheitliche Lehrunterlagen zur Unterstützung der gemeindeübergreifenden Ausbildung zur Verfügung zu stellen. Zwischenzeitlich wurden auch die Lehrunterlagen für die Ausbildung der Träger von Chemikalienschutzanzügen veröffentlicht. Weitere Lehrunterlagen für die Ausbildung Atemschutzgeräteträger, Maschinisten und Sprechfunker sind bereits geplant.

Außerdem gibt es folgende Handlungsempfehlungen:

• Gutes Verhältnis zwischen Gemeinde und Feuerwehr pflegen
• Doppelmitgliedschaft stärker nutzen
• Zusammenarbeit mit Berufsfeuerwehr und Werkfeuerwehren ausbauen
• Konzentration der Feuerwehren auf ihre Kernaufgaben
• Ausbildungs- und Lehrgangsangebot an der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule dauerhaft auf hohem Niveau sichern
• Unfallversicherungsschutz für Feuerwehrangehörige optimieren
• Brandschutzerziehung in Schulen stärken
• Gezielte und kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit betreiben
• Flächendeckenden Brandschutz auf ehrenamtlicher Grundlage erhalten

Die Arbeitsgruppe setzte sich aus Vertretern des Innenministeriums, des Landesfeuerwehrverbandes, des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, des Sächsischen Landkreistages, der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule sowie des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme zusammen. Die wichtigen Akteure wirkten gleichberechtigt in der Arbeitsgruppe mit. Besonders ist die wissenschaftliche Begleitung des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme. Durch das gemeinsame Vorgehen gibt es übergreifende Empfehlungen an die Feuerwehren, Gemeinden, Landkreise und an den Freistaat.

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