100 Tage Polizeireform: Berufsperspektiven und Sachbearbeiterkarriere

18. Juni 2014 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

„Vor dem Hintergrund zunehmender Spezialisierungserfordernisse bei der kriminalpolizeilichen Sachbearbeitung und der Notwendigkeit einer Personalkontinuität wird eine weitere Umsetzung/Stärkung der „Sachbearbeiterkarriere“ bei der Kriminalpolizei für dringend geboten erachtet.“

… so formulierte es noch das sogenannte Eckpunktepapier zur Polizeireform. Diese Zielsetzung ist bislang noch nicht ansatzweise erkennbar und steht abstrakt im Raum, wie die Rückmeldungen auf die vom BDK am 10. April initiierte Umfrage zeigen.

Einen bisherigen Inspektions- oder Dezernatsleiter formal zum Sachbearbeiter zu machen, ist keine Sachbearbeiterkarriere.

Sachbearbeiterkarrieren werden uns seit Jahren versprochen, aber nie umgesetzt.

Bei absolviertem Studium und langjährig engagierter Arbeit im gehobenen Dienst müssen aus meiner Sicht mindestens Beförderungen in A 12 möglich sein. Diese Perspektive sehe ich derzeit leider nicht.

Ich sehe dringenden Handlungsbedarf darin, dass uns der Dienstherr nach dem Wegfall von vielen Führungspositionen im gehobenen Dienst unsere Chancen auf Beförderungen aufzeigt.

Gegenüber zahlreichen Führungsfunktionen bei der Schutzpolizei ist man als Sachbearbeiter der Kriminalpolizei bei Beförderungen immer der Verlierer.

Die faktische Schaffung einer Zweiklassen-Kripo (KD/KK) wird im Innenverhältnis für vermeidbare Dissonanzen sorgen. Bereits heute zeichnet sich ab, dass die bei den räumlich distanzierten Kriminalkommissariaten tätigen Beamtinnen und Beamten bei Beförderungen in zweiter Reihe stehen.

Was noch dazu kommt, ist die sehr schlechte Aussichten auf eine Beförderung in der neuen Struktur. Dem IM fiel sehr schnell auf, in welchen Besoldungsgruppen bei welchen PP´en, nach ihren Maßstäben, ein „Überhang“ besteht. Demnach sind in diesen Bereichen auch keine Beförderungen zu erwarten. Somit haben wir nicht nur die krankheitsbedingten Ausfälle durch die Überlastungen, sondern die Motivation, Leistung zu bringen, wird bei den Aussichten nicht gerade gefördert.

Leider muss ich als fast 50-jähriger – im Übrigen mit einem guten FH-Studium – feststellen, dass meine Aufstiegsmöglichkeiten durch die Polizeireform noch geringer geworden sind. Jetzt ist meine Dienststellen zum Kommissariat herabgestuft worden. Eine Führungsposition bei Kriminalpolizei zu bekommen ist aussichtslos geworden.

Unterschiedliche Beurteilungsstandards in den einzelnen ehemaligen PD´en führen nun bei Zusammenlegung verschiedener Dienststellen zumindest bis zu nächsten Beurteilungsrunde zu Ungerechtigkeiten und Frustration.

Nach Sachlage wird sich aus dem Bereich des LKR A kaum noch jemand zur Kriminalpolizei bewerben, wodurch sich in den nächsten Jahren ein völliger Verlust an Orts- und Personenkenntnis in dieser Region abzeichnet.

Die bei den KK´s verbliebenen Kolleginnen und Kollegen haben als Sachbearbeiter trotz mehr Arbeit keine Zukunftsperspektiven da nun alle wichtigen Funktionen in den neu geschaffenen OE´en und bei der KD bzw. bei den Inspektionen zunächst befördert werden müssen.

Kriminalpolizeiliche Arbeit findet keine Anerkennung. Fallverantwortung wird nicht honoriert.