„Kulturelle Vielfalt im BKA – Spiegel der Gesellschaft?“

16. Mai 2014 | Themenbereich: Bundeskriminalamt, Bundespolizei | Drucken

Das Vertrauen der Bevölkerung ist für die Polizeiarbeit von essenzieller Bedeutung. Alle Bürgerinnen und Bürger sollten gleichermaßen Respekt und Akzeptanz im zwischenmenschlichen Umgang erfahren. Für das Bundeskriminalamt (BKA) ist deshalb nicht erst nach Bekanntwerden der Mordtaten des selbsternannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) die interkulturelle Kompetenz eine der Schlüsselkompetenzen für gute Polizeiarbeit.

Ein weiterer Baustein zur Förderung der interkulturellen Kompetenz im BKA ist die neue Vortragsreihe „Spektrum“, die das BKA heute ab 10.00 Uhr in Wiesbaden mit dem Thema „Kulturelle Vielfalt im BKA – Spiegel der Gesellschaft?“ startet. Die Reihe wird das Thema Migration mit Bezug zur Polizeiarbeit, aber auch in seiner Bedeutung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe aufbereiten.

Als Gastrednerin der Auftaktveranstaltung begrüßt BKA-Präsident Jörg Ziercke Staatsministerin Aydan Özo?uz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Sie ist zugleich Vorstandsmitglied des Vereins „Charta der Vielfalt“, der sich als Unternehmensinitiative seit 2006 dafür einsetzt, eine vorurteilsfreie Arbeitskultur in der deutschen Wirtschaft zu verankern und von 18 Großunternehmen getragen wird. Schirmherrin ist Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Mehr als 1.700 Unternehmen und Institutionen mit 6,7 Millionen Beschäftigten haben die Charta der Vielfalt bereits unterschrieben.

Ab heute gehört auch das Bundeskriminalamt dazu: BKA-Präsident Jörg Ziercke unterzeichnet die „Charta der Vielfalt“ für das BKA. Damit bekennt sich das Amt dazu, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei ist von Vorurteilen und in dem alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität. Weitere Ziele der Vereinbarung sind die Gewährleistung gegenseitigen Respekts, die Anerkennung der Vielfalt in der Gesellschaft innerhalb und außerhalb der Organisation sowie die Wertschätzung der darin liegenden Potenziale.

BKA-Präsident Jörg Ziercke: „Dem BKA ist bewusst, dass das verloren gegangene Vertrauen in die Sicherheitsbehörden nach Aufdeckung des NSU nicht allein mit einer Unterschrift unter die ‚Charta der Vielfalt’ wieder hergestellt werden kann. Die Unterschrift ist aber ein weiteres Zeichen dafür, dass sich das BKA der Fortentwicklung der interkulturellen Kompetenz verpflichtet fühlt. Die ‚Charta der Vielfalt’ soll zum Thema eines internen und externen Dialogs werden. In der Aus- und Fortbildung werden wir weiterhin dafür sensibilisieren, verantwortungsvoll und reflektiert mit den Befugnissen umzugehen, die uns als Polizeibeamte zur Verfügung stehen.“

In seinem heutigen Vortrag „Migranten in der Polizei und die Relevanz interkultureller Kompetenz für das Bundeskriminalamt“ beschreibt BKA-Präsident Jörg Ziercke die Bedeutung von Vielfalt und Internationalität für das BKA. Als national- und international vernetzte Sicherheitsbehörde verlangt das BKA von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Offenheit und Toleranz. Denn das BKA unterhält feste Verbindungen zu nahezu allen Polizeizentralen weltweit, es ist nationale Schnittstelle zu Interpol und Europol und in mehr als 50 Staaten der Erde mit Verbindungsbeamten vertreten. Zudem ist das BKA Kooperationspartner für mehr als 100 Verbindungsbeamtinnen und -beamte aus mehr als 40 Staaten, die ihre Büros teilweise direkt im BKA haben. Das Bundeskriminalamt unterstützt die Polizeien weltweit mit Spezialisten für Ermittlungen, Tatortarbeit und der Identifizierungskommission. Im Rahmen von eigenen Ermittlungsverfahren ist das BKA mit Tätern konfrontiert, die international organisiert sind – ob beim Kriminalitätsphänomen Cybercrime, der Organisierten Kriminalität oder dem transnationalen Terrorismus.

Gastrednerin Aydan Özo?uz spricht in ihrem Vortrag über „Migration als gesellschaftliche Aufgabe und Erwartungen an die Polizei“.

Sie betont, dass sich die Vielfalt in unserer Gesellschaft auch im öffentlichen Dienst besser widerspiegeln muss: „Verwaltung und Behörden müssen sich für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte öffnen, wenn sie zukünftig ihre Aufgaben angemessen erfüllen und attraktive Arbeitgeber sein wollen. Dies gilt besonders für die Polizeiarbeit, die heute nicht nur viele Sprachen, sondern auch vielfältige Blicke und Perspektiven braucht, will sie – national wie international – erfolgreich sein. Ich freue mich, dass das Bundeskriminalamt diesen Weg zu mehr Vielfalt entschiedener und offensiver gehen will. Er geht sich am leichtesten, wenn alle Beteiligten – Leitung, Mitarbeiter und Personalvertretung – Vielfalt als Chance begreifen.“

Um Vertrauen in die Sicherheitsbehörden bei Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit ausländischer Herkunft wieder herzustellen, hatte der Bundestagsuntersuchungsausschuss zum NSU in einer seiner Empfehlungen die Verankerung der interkulturellen Kompetenz in der Polizeiausbildung gefordert.

Das BKA hat bereits vor dem Bekanntwerden des NSU den Dialog zwischen Polizei und Migranten gefördert. Seit 2005 führt es regelmäßige Gespräche mit Vertretern von muslimischen Verbänden in Deutschland im Rahmen der „Arbeitsgruppe Vertrauensbildende Maßnahmen“.

Ab 2007 ließ das BKA in einem Forschungsprojekt von externen Experten die eigene Geschichte aufarbeiten. Die Ergebnisse des Historienprojektes wurden öffentlich vorgestellt und werden den Kriminalkommissaranwärterinnen und -anwärtern in der Ausbildung vermittelt. Das BKA hat zudem eine Bildungspartnerschaft mit dem Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main geschlossen. Die Geschichte und Wirkung des Holocaust werden mit dessen Unterstützung bei Aus- und Fortbildungsprojekten im BKA, die sich mit dem Holocaust, der Heterogenität von Kulturen und Religionen sowie mit Polizeigeschichte beschäftigen, intensiv betrachtet.

Das BKA veranstaltete außerdem im Januar die „Projektwoche Interkulturelle Kompetenz“. Studierende der Fachhochschule des BKA besuchten unter anderem in Berlin das Türkisch-Deutsche-Zentrum, eine Moschee und stellten die Ergebnisse der Projektwoche in der türkischen Botschaft in Berlin vor.

Zur weiteren Steigerung der interkulturellen Kompetenz und Vielfalt im Amt wirbt das BKA auch verstärkt um Bewerberinnen und Bewerber mit Migrationshintergrund. BKA-Präsident Jörg Ziercke: „Das Bundeskriminalamt braucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die offen sind für neue Perspektiven und die das Interesse und die Kompetenzen mitbringen, für das BKA im nationalen und internationalen Verbund tätig zu sein. Die kulturelle Vielfalt in unserem Land begreifen wir als Chance.“

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