Team Wallraff – Chance vertan!?

14. Mai 2014 | Themenbereich: Security | Drucken

„BDSW und BDGW hätten sich eine tiefer gehende Recherche und Bearbeitung gewünscht“, so kommentierte der Hauptgeschäftsführer beider Verbände, Dr. Harald Olschok, die gestrige RTL- Reportage „Team Wallraff- Reporter undercover“ zu den privaten Sicherheitsdiensten. Olschok bemängelte vor allem, dass die Reporter es unterlassen hätten, die für die gezeigten Missstände zuständigen Behörden dazu zu befragen.

Die RTL- Reportage vom 12.05.2014 berichtete am Beispiel einer Hand voll Sicherheitsunternehmen über Missstände in der Sicherheitsbranche. Bei deutschlandweit 4000 Sicherheitsunternehmen könnten „Schwarze Schafe“ niemals ausgeschlossen werden, so Olschok. Die gezeigten Beispiele können Insider nicht überraschen, weil Missstände aufgezeigt werden, die bereits seit geraumer Zeit vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft und der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste beanstandet werden.

Anhand dieser Beispiele wird gezeigt, wie die Zugangskriterien der Branche unterlaufen, Tariflöhne nicht gezahlt werden und neue MitarbeiterInnen ohne Einweisung ihre Arbeit verrichten. Die seitens BDSW und BDGW geltenden Vorgaben für die Arbeit in der Sicherheitsbranche als auch mit den Gewerkschaften vereinbarte Tarifverträge werden häufig nicht eingehalten.

„Auch wir bemängeln solche Arbeitsweisen und fordern seit vielen Jahren eine deutliche Verschärfung der Gewerbezugangsregelung sowie regelmäßige Überprüfungen der Unternehmer und Beschäftigten in der Sicherheitsbranche. Leider wurden bisher alle Vorstöße der Verbände vom zuständigen Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) abgelehnt.“, so Olschok weiter. Erst vor wenigen Wochen habe es ein Gespräch dazu mit einem der Staatssekretäre des BMWi gegeben.

Vor diesem Hintergrund sei es mehr als ärgerlich, dass weder der Verband noch das zuständige Ministerium befragt wurden. „Allerdings stellen wir auch hier fest, dass die Frage nach der behördlichen Zuständigkeit wieder einmal im Hintergrund bleibt“, so Olschok. Seit Jahren setzen sich BDSW und BDGW dafür ein, dass seitens der Behörden Kontrollen durchgeführt werden, damit die Unterwanderung der Tariflöhne und andere Verstöße gegen Vorgaben, sei es in Bezug auf Qualifikation oder auch Einsatzbereiche, entdeckt und geahndet werden können.

Lohndumping, was wie gezeigt auch oft seitens öffentlicher Stellen – unabhängig von den konkreten Anforderungen – unterstützt wird, ist ein maßgeblicher Faktor dafür, dass mit „Billigkräften“ gearbeitet wird, anstatt den ausgebildeten, qualifizierten Fach- und Servicekräften adäquate Stellen anzubieten und die Beschäftigten nach Tarif zu entlohnen.

Für den Bereich der Geld- und Wertdienste – im Bericht als Geldtransporte dargestellt – haben die Journalisten ihre Aufgaben nur mangelhaft erfüllt. Die Überfälle auf gepanzerte Spezialgeldtransportfahrzeuge sind eine eigene Klasse in der Polizeilichen Kriminalstatistik. Demnach gab es 2012 5 und im vergangenen Jahr 4 Überfälle. Bei den genannten rund 130 Überfällen auf Geldboten, die im Bericht angesprochen werden, handelt es sich um alle Vorfälle, die mit Personen in Verbindung stehen, die Geld transportieren – beispielsweise den Angestellten eines Geschäfts, der in einer Geldtasche Geld zur Bank bringt. Überfälle auf Geldtransporter sind hier ausgenommen.

Für die 42 Mitgliedsunternehmen der BDGW, die bewaffnet Geldtransporte begleiten, besteht die Vorgabe, ihre Mitarbeiter vier Mal jährlich Schießübungen durchführen zu lassen. Diese Übung geht über die vorgeschriebenen Regelungen des Waffengesetzes hinaus. Die Überprüfung der gesetzlichen Regelungen – inklusive einer zu bestehenden Schießprüfung- obliegt behördlichen Stellen und wurde im gezeigten Fall auf eklatante Weise missachtet.

Zudem ist die im Beitrag gezeigte Ausbildung an Langwaffen nicht Bestandteil der zulässigen Waffennutzung im Geld- und Wertbereich.

„Wallraff hat leider eine Chance vertan, den Ursachen für die gezeigten Missstände auf den Grund zu gehen“, so Olschok abschließend. Dazu gehöre auch, auf die Verantwortung der Auftraggeber bei der Auswahl eines leistungsfähigen Sicherheitsunternehmens hinzuweisen. Nur mit deren Hilfe ist es möglich, die inzwischen erreichte Leistungsfähigkeit der privaten Sicherheitsdienste mit Ausbildungsberufen, Studiengängen und entwickelten Standards auch in der Praxis nachhaltig umzusetzen.

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.