19. Deutscher Präventionstag am 12. und 13. Mai in Karlsruhe

6. Mai 2014 | Themenbereich: Aktuelle Veranstaltungen, Baden-Württemberg | Drucken

„Prävention ist ein Schlüssel zur Lösung vielfältiger gesellschaftlicher Probleme, auch wenn Erfolge nur schwer messbar sind. Gerade die Sicherheitsbehörden engagieren sich immer stärker auf diesem Feld.“ Das sagte Innenminister Reinhold Gall im Vorfeld des 19. Deutschen Präventionstags, der vom 12. bis 13. Mai im Karlsruher Kongresszentrum veranstaltet und von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig eröffnet wird.

Minister Galls Diagnose: „Unsere Erfahrung macht uns immer besser!“ Zielführend sei es, die Prävention bei bestimmten Themen langfristig anzulegen, aber auch auf neue Kriminalitätsformen möglichst schnell zu reagieren.

Eindrucksvoll sei insbesondere die jüngste Bilanz bei der Kriminalprävention: 21.956 Veranstaltungen bedeuteten 2013 ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit 9.676 Veranstaltungen habe sich die Verkehrsunfallprävention durch die Polizei auf hohem Niveau stabilisiert. Durch diese Präventionsprogramme, zu denen auch 15.500 Beratungen zählten, seien rund 682.000 Menschen erreicht worden.

Einen besonderen Schwerpunkt lege die Polizei auf die Gewaltprävention (2013: 5.842 Veranstaltungen). Um Gewaltdelikte schon im Vorfeld zu verhindern, hat das Innenministerium beispielsweise das Förderprogramm „Prävention alkoholbedingter Jugendgewalt (PAJ)“ angestoßen, das durch die Baden-Württemberg Stiftung mit einer Million Euro unterstützt wird. Mit diesem Programm sollen örtliche Netzwerke (etwa zwischen Jugendhilfe, Suchtbeauftragten, Polizei und Vereinen) gefördert und neue, brennpunkt-, problem- und zukunftsorientierte Projekte gestartet werden. Aus 61 Förderanträgen wurden 26 besonders geeignete ausgewählt, die seit Oktober 2011 jeweils eine Förderung bis zu 40.000 Euro erhalten. Zwei der Projekte wurden beim Bundeswettbewerb Alkoholprävention der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Februar 2013 in Berlin ausgezeichnet.

Als Beleg für die hervorragende Präventionsarbeit in Baden-Württemberg wertete der Innenminister auch die Auszeichnung des Netzwerkprojekts „Neue Festkultur“, das seinen Ursprung im Landkreis Sigmaringen hatte und inzwischen auf weitere 18 Landkreise ausgedehnt wurde. Kern des Projekts ist es, Regeln für die Gestaltung von Festen zu definieren, die den Jugendschutz gewährleisten und Ausschweifungen verhindern. Als herausragend wertete er auch die in Singen, Lahr, Heilbronn und Ludwigsburg organisierten Aktionstage zum Thema „Zivilcourage im öffentlichen Personennahverkehr“ mit der Landespolizei unter Beteiligung der Bundespolizei und des Landeskriminalamtes.

Als Indiz dafür, dass diese Anstrengungen auch wirkten, nannte Minister Gall die jüngste Entwicklung bei der Jugendgewalt. Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren sei 2013 um 13,4 Prozent auf 5.648 gesunken. Die Anzahl alkoholisierter Tatverdächtiger unter 21 Jahren haben sich um 19,1 Prozent auf 1.579 verringert. Auch der Einbruchschutz trage Früchte. In 41 Prozent der Fälle seien die Täter 2013 auch dank gut gesicherter Wohnungen beim Versuch stecken geblieben. Schon im Oktober 2012 sei die bundesweite Öffentlichkeitskampagne „K-Einbruch“ gestartet worden – gemeinsam von Polizei, Versicherungswirtschaft, Industrieverbänden und Errichterfirmen. Von den 36 Beratungsstellen vor Ort wurden allein 13.233 Termine zu Privatobjekten (plus 34 Prozent gegenüber 2012), davon 8.352 Beratungen direkt am Objekt, organisiert.

Neue Zielgruppen in der Prävention sind Senioren und Mitarbeiter von Banken und Geldinstituten. Das Merkblatt zum „Enkeltrick“ etwa zeigt mögliche Betrugsmaschen auf und kann Gaunern das Handwerk erschweren. Gegen die zunehmende Zahl von Metalldiebstählen wurden einschlägigen Firmen neben dem Merkblatt „Metalldiebstähle“ auch verhaltensorientierte und sicherungstechnische Tipps gegeben. Am 6. Februar 2014 wurde im Innenministerium eine Kooperation zwischen der Verbraucherzentrale und dem LKA mit dem Titel „Vernetzt, beklaut, betrogen. Senioren sicher in allen Netzen“ unterzeichnet. Durch gezielte Aufklärung soll erreicht werden, dass weniger alte Menschen von Abzocke am Telefon, Verbraucherfallen im Internet oder Betrügereien bei Haustürgeschäften getroffen werden.

In der Projektdatenbank „KKP“ (Kommunale Kriminalprävention) waren am 1. April 2014 insgesamt 210 herausragende vernetzte Projekte eingestellt. Einen Schwerpunkt setzt die Polizei auch mit der Aktion Sicherer Schulweg (2013: 3.571 Veranstaltungen). Insgesamt habe die Polizei Baden-Württemberg im vergangenen Jahr für Kriminal- und Verkehrsunfallprävention knapp 500 Personalstellen (Vollzeitäquivalente) eingesetzt, berichtete der Innenminister. Durch die Polizeireform werden diese beiden Bereiche in Präventionsreferaten bei den regionalen Polizeipräsidien zusammengelegt, und durch die direkte Anbindung beim Polizeipräsidenten („Prävention ist Chefsache“) gestärkt.

Unter dem Slogan „Prävention braucht Praxis, Politik und Wissenschaft“ findet der Deutsche Präventionstag am 12. und13. Mai 2014zum zweiten Mal in Baden-Württemberg statt, erstmalig im Kongresszentrum der Stadt Karlsruhe. Zu dieser europaweit größten Fachveranstaltung dieser Art werden über 3.000 Teilnehmer und Besucher erwartet, dort präsentieren sich 220 Organisationen mit Ausstellungen und Filmen.

Der Kongress richtet sich insbesondere an Vertreter von Politik, Kommunalverwaltung, Schulen, sozialen Trägern, Jugendhilfeeinrichtungen, Kirchen, Wissenschaft, Vereinen, Verbänden, Verkehrsträgern, Wirtschaft, Justiz, Polizei, aber auch an die breite Bevölkerung. Thematisiert werden neben der Kriminal- auch die Suchtprävention, die Verkehrsprävention und verschiedene Präventionsbereiche im Gesundheitswesen, auch mit zahlreichen Mitmachangeboten.

„Prävention ist Teil der Daseinsvorsorge und damit ein zentrales Thema für Städte und Gemeinden“, unterstrich der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und verwies auf die vielfältigen Projekte und Beratungsangebote, die das Präventionsnetzwerk von Stadt- und Landkreis Karlsruhe an einem Gemeinschaftsstand vorstellen wird. „Es ist uns ein besonderes Anliegen, nicht nur das Fachpublikum, sondern auch die Menschen in Stadt und Region zu erreichen“, hob Mentrup hervor.

Erstmals auf dem Programm steht das Karlsruher Forum für Cybersicherheit. „Als drittgrößter IT-Cluster in Europa mit über 4.200 wichtigen IT-Unternehmen und Technologieanwendern ist die Stadt und die TechnologieRegion Karlsruhe ein idealer Standort, um das Thema Cybersicherheit fundiert zu diskutieren“, zeigte sich Mentrup überzeugt. Als Redner erwartet wird auch BKA-Präsident Jörg Ziercke, spannende Vorträge drehen sich etwa um WLAN-Hacking und Cybermobbing. Aus den USA konnte das Karlsruher Stadtoberhaupt Melissa Hathaway (Harvard) als Referentin gewinnen. Sie war unter US-Präsident Barack Obama, und zuvor bereits unter George W. Bush, Abteilungsleiterin im Nationalen Sicherheitsrat mit Zuständigkeit für Computer- und Netzwerksicherheit. Mit eigenem Stand und Workshop beim Präventionstag vertreten ist auch das Landesamt für Verfassungsschutz. Mitarbeiter informieren über die Prävention etwa in der rechtsextremen und salafistischen Szene und schildern Radikalisierungsverläufe bei Extremisten.

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