Kooperation der Hochschule Mittweida mit der Chemnitzer Polizei

2. Mai 2014 | Themenbereich: Polizei, Sachsen | Drucken

Die Hochschule Mittweida arbeitet mit der Polizeidirektion Chemnitz mit dem Ziel der Erforschung und Entwicklung technischer Lösungen zur Kriminalitätsbekämpfung zusammen. Der Chemnitzer BDK ist maßgeblich an Zustandekommen und Umsetzung der Kooperation beteiligt.

Am 13. Juli 2011 unterzeichneten der Präsident der Polizeidirektion Chemnitz–Erzgebirge, Uwe Reißmann, und der damalige Rektor der Hochschule Mittweida, Prof. Dr. Lothar Otto, einen Kooperationsvertrag und legten damit den Grundstein für eine konstruktive und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Ziel der Erforschung und Entwicklung technischer Lösungen zur Kriminalitätsbekämpfung.

Gleich zu Beginn dieser Zusammenarbeit konnten 4 Projekte aus unterschiedlichen Bereichen der polizeilichen Arbeit ins Leben gerufen werden:

Entwicklung einer Software zur automatisierten Aufbereitung und Auswertung von Daten aus Video-Überwachungssystemen
Text Mining im Umfeld kriminalpolizeilicher Ermittlungen, Entwicklung eines Softwarepaketes zur computergestützten semantischen Textanalyse
Entwicklung eines skalierbaren und autarken Überwachungssystems mittels drahtlosen Sensorennetzwerken zur Bekämpfung der Kfz- Kriminalität
Fortbildungsmaßnahmen für Polizei und Staatsanwaltschaft

Auf Grundlage der Kooperationsvereinbarung wurde ein 3-tägiges Weiterbildungskonzept zum Thema Digitale Forensik für 20 Teilnehmer (18 Polizei und 2 Staatsanwaltschaft) erarbeitet und im März 2014 durchgeführt. Das Ziel bestand darin, Fortbildungsmöglichkeiten auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse für Polizei und Staatsanwaltschaft aufzuzeigen, um zukünftig die Aus- und Weiterbildung von Spezialisten im Bereich festgelegter Kernkompetenzbereiche, wie Cyberkriminalität, zügig voranzutreiben.

Inhaltlich erstreckte sich die Fortbildung über folgende Schwerpunkte:

Analyse daktyloskopischer Spuren und genetischer Fingerabdrücke auf Grundlage von Ähnlichkeitsfunktionen
Digitale Bildbearbeitung
Blutspuren und Analyse
Videoanalyse in der Forensik – Vorstellung einer Software zur Aufbereitung von Videodateien
Hacking und Verfolgung digitaler Spuren
Digitale Forensik und Textanalyse mit praktischer Übung
Gesichtsrekonstruktion und praktische Übungen
Internet und soziale Netzwerke – Digitale Spuren und Auswertung
Sensornetze im Bereich der Diebstahlsicherung

Die anspruchsvolle und zielorientierte Fortbildung machte deutlich, welche großen Chancen und Potenziale in der Zusammenarbeit mit interdisziplinären wissenschaftlichen Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen, wie der Hochschule Mittweida stecken. Im Anschluss nahm die Presse alle Gelegenheiten wahr, um einige Eindrücke zur Fortbildung durch die Teilnehmer zu erfahren und titelte u.a. in folgenden Beiträgen:

„CSI Mittweida – Hochschule bildet Forensiker aus“
„Mit wissenschaftlichen Mitteln den Tätern auf der Spur“
„Cyber-Polizisten aus Mittweida“
„Die Einrichtung bildet künftig Cyber-Polizisten aus. Ab Oktober 2014 gibt es den neuen Studiengang Allgemeine und Digitale Forensik. Das ist bisher einmalig in Deutschland.“
„Fortbildungsprogramm der Hochschule Mittweida zum Schwerpunkt Computerforensik für die Sächsische Polizei“
„Bachelor-Studiengang ‚Allgemeine und Digitale Forensik‘ an der Hochschule Mittweida“

Natürlich war auch das Echo in den sozialen Netzwerken entsprechend hoch.

An dieser Stelle sei noch einmal den Professoren der Hochschule Mittweida für das hohe Niveau und die Qualität der Vorlesungen und praktischen Übungen gedankt. Besonders hervorzuheben ist, dass die gesamte Veranstaltung kostenlos war. Alle Teilnehmer, die in praktische Ermittlungstätigkeit involviert sind, waren begeistert und sind einhellig der Meinung, dass das Konzept Veranstaltungen praxistauglich ist und ausgebaut werden sollte.

Trotz dieser durchweg positiven Bilanz fehlt bisher leider jegliche Unterstützung durch die Entscheidungsträger der Sächsischen Polizei. Bereits im Juni 2013 fand in Chemnitz eine erste Besprechung mit allen Verantwortlichen der sächsischen Polizei, der Hochschule Mittweida und der Staatsanwaltschaft zum Thema Perspektivische Gewinnung von Spezialisten für Computerforensik und Forensik statt. Ziel war die Instanziierung eines oder mehrerer der folgenden Angebote bzw. Maßnahmen:

Bachelorstudium Allgemeine und Computerforensik
duales Studium an der Hochschule der Sächsischen Polizei und der Hochschule Mittweida
Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Sächsische Strafverfolgungsbehörden

Die hierbei festgelegten Termine zur weiteren Konkretisierung der Thematik verstrichen ohne Umsetzung der besprochenen Arbeitsschritte.

Auf Initiative von Prof. Otto’s Nachfolger Prof. Dr. phil. Ludwig Hilmer, Prof. Dr. Dirk Labudde, Forensiker an der Hochschule Mittweida, und Uwe Reißmann konnte, in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Chemnitz, der bereits beschriebene 3-tägige Weiterbildungslehrgang trotzdem ins Leben gerufen werden.

In einer Pressekonferenz betonten Hilmer und Reißmann die Notwendigkeit der Fortbildung vor allem im Bereich der digitalen Forensik und stellten die Vorteile von Vernetzungsmöglichkeiten polizeilicher Aus- und Fortbildungseinrichtungen in den Vordergrund. Weiterhin stellte Labudde den ab Wintersemester 2014 an der Hochschule Mittweida, trotz fehlender Unterstützung der sächsischen Polizei, angebotenen Bachelorstudiengang Allgemeine und Computerforensik vor, den er als Studiendekan führen wird.

Nun müsste man denken, die Entscheidungsträger der Sächsischen Polizei könnten sich glücklich schätzen, innovative Angebote dieser Art von einer sächsischen Bildungseinrichtung angeboten zu bekommen; eine Entscheidung in dieser Sache steht allerdings aktuell noch aus. Vielleicht lässt die sächsische Polizei die Chance ja doch nicht verstreichen.

Übrigens:

Am Zustandekommen und der Umsetzung der Kooperation war und ist das BDK-Mitglied EKHK a.D. Karlheinz Meyer maßgeblich beteiligt.