Feiert Niedersachsen das 20jährige Jubiläum des Erfolgsmodells „Verbannung der Kriminalpolizei“?

23. April 2014 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Niedersachsen | Drucken

 

Vor genau 20 Jahren wurde in Niedersachsen die eigenständige Kriminalpolizei faktisch in die „Bürgerpolizei Niedersachsen“ integriert. War diese politische Entscheidung richtig?

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter sagt: Nein! Diese Entscheidung war und ist ein fataler Fehler, der sich immer mehr bemerkbar macht, weil jetzt auch die letzten Kompetenzen verloren gehen. Ca. 18 bis 20 % der niedersächsischen Polizisten sind Kriminalbeamtinnen oder Kriminalbeamte. Die Qualifikation erfolgte damals über spezielle Überleitungslehrgänge oder durch Direkteinstellungen mit speziellen Aufgabeninhalten. Die Kriminalisten haben sich mit ihrem Beruf und ihren spezifischen Aufgabengebieten identifiziert. Eine hohe Berufsidentifikation, besondere Einsatzbereitschaft bei besonders schweren Verbrechen und ständige Weiterentwicklung waren das Markenzeichen der Kripo und haben ihr bis heute zu einem hohen Ansehen in der Bevölkerung verholfen. Nicht umsonst sind dieser Beruf und die Berufsinhalte so interessant und werden oft in Krimis wie „Tatort“ und ähnlichen „Staffeln“ gesendet.

Die Gegenwart sieht allerdings inzwischen anders aus. Eine Direkteinstellung zur Kriminalpolizei gibt es in Niedersachsen nicht mehr, ebenso keine Überleitungslehrgänge. Man meldet Interesse an, kann eine ca. 2-jährige Verwendung in einem Ermittlungsbereich nachweisen und wird quasi auf Zuruf Kriminalist, freilich nur dann, wenn die Dienststelle die 18 oder 20% auffüllen will.Die Realität bis dahin sieht so aus: Alle Polizisten können alles: heute Verkehrsunfälle aufnehmen, morgen auf Streife fahren, übermorgen einen Fußballeinsatz begleiten oder einen Kriminalfall lösen.

Aus Sicht des BDK geht das nicht. Allgemeinmediziner werden auch nicht von heute auf morgen Spezialisten für Augenheilkunde, Krebserkrankungen oder in anderen medizinische Spezialgebiete. „Learning by doing“ im „Selfmade-Verfahren“ reicht nicht aus, um hochspezialisiert zu behandeln oder brutale Täter zu überführen bzw. organisierten Tätergruppierungen entgegen zu treten.

20 Jahre nach dieser damaligen falschen Entscheidung gehen in Niedersachsen nun langsam auch die letzten ausgebildeten Kriminalistinnen und Kriminalisten in Richtung Pensionierung. Der Altersschnitt in den Ermittlungsbereichen liegt bei deutlich über 50 Jahren! Zu diesem „Jubiläum“ gibt es keinen Grund zum Gratulieren. Der BDK fordert deshalb jetzt und sofort eine Rückkehr zu einer spezialisierte Aus- und Fortbildung für die Schutz- und Kriminalpolizei in Niedersachsen! Bundesländer wie Schleswig-Holstein, Hamburg, Hessen und Berlin und nun auch Thüringen haben die Notwendigkeit bereits erkannt, ebenso der Bund!

Wer sich in Niedersachsen zur Polizei bewirbt kann sich nicht speziell zur Kripo bewerben. Oft endet ein solcher Wunsch in der Bereitschaftspolizei oder im Einsatz- und Streifendienst. Potenzielle geeignete Nachwuchskräfte gehen in unserem Bundesland so verloren, wirklich schade!

 

 

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