Täter-Opfer-Ausgleich stärkt die Anliegen der Opfer

7. April 2014 | Themenbereich: Justiz, Schleswig-Holstein | Drucken

Justizministerin Anke Spoorendonk hat  in der Justizvollzugsanstalt Flensburg an einem Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) teilgenommen. In einem solchen, von einer Mediatorin oder einem Mediatoren geleiteten Gespräch, geht es vorrangig um eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen den Beteiligten einer Straftat. Somit ist ein TOA auch ein Instrument für eine opferbezogene Strafrechtspflege und kann der Versöhnung und Bewältigung dienen.

Am heutigen Täter-Opfer-Ausgleich nahmen der wegen Betruges verurteilte Täter und eine Geschädigte teil. Der Täter hatte sich aus eigener Initiative an die Mediatorin gewandt, weil er sein Leben nach der Haft straffrei gestalten möchte. Er hat sich mit seiner Schuld auseinandergesetzt und den Geschädigten auch das Angebot einer finanziellen Wiedergutmachung gemacht. Diese Ausgleichszahlungen sollen über sein Haftkonto geleistet werden. Die Ministerin sagte im Anschluss: „“Ohne näher auf Einzelheiten dieses Falles eingehen zu können möchte ich deutlich machen, dass mich beide Beteiligten beeindruckt haben. Sich als Täter in ein solches Verfahren zu begeben, zeigt für mich die ehrliche Bereitschaft, sich mit seiner Tat und deren Folgen auseinanderzusetzen und daraus zu lernen. Und sich als Opfer dieser Situation zu stellen, bedeutet Mut und den großen Willen, das erlebte Leid zu verarbeiten““, betonte Spoorendonk.

Die Justizministerin ging außerdem auf die Planungen zur gesetzlichen Normierung des Täter-Opfer-Ausgleichs im neuen Jugendarrest- und im geplanten Strafvollzugsgesetz ein. „“Im geltenden bundesweiten Strafvollzugsgesetz sind tatausgleichende Maßnahmen nicht enthalten – das wollen wir ändern““, sagte Spoorendonk. „“Wir möchten die Instrumente der sogenannten Restorative Justice (wiederherstellenden Gerechtigkeit) stärken. Der TOA im Vollzug ist ein weiterer anspruchsvoller Ergänzungsbaustein zur Resozialisierung der Gefangenen. Zusätzlich zu dem Angebot der beruflichen Wiedereingliederung, der Schuldenregulierung, den Familien unterstützenden Maßnahmen, sozialen Hilfen und Therapien sollen die Gefangenen die Möglichkeit haben, die Ursachen der Tat aufzuarbeiten und die Folgen auszugleichen. Neben dem Aspekt der materiellen Wiedergutmachung zielen Restorative Justice-Maßnahmen aber vor allem auf die versöhnende Täter-Opfer-Beziehung, die das System Familie, Gruppe und Gesellschaft mitintegriert und in besonderem Maße der Wiederherstellung des Rechtsfriedens dient“.“

Täter-Opfer-Ausgleich im Vollzug beinhaltet unter diesen Aspekten die Angebotsbereitstellung von Opferempathie-Training und Straftat-Aufarbeitung für die Gefangenen und deren Angehörige, Vorbereitung der Geschädigten auf die „face to face“ Begegnung mit dem Täter (in speziellen Gruppen), die Möglichkeit der Schadensregulierung über das Haftkonto sowie die Einbindung dieser Maßnahmen in die Vollzugsplanung. Im Sinne der EU-Opferschutzrichtlinie werden die persönlich geschädigten Opfer von Straftaten aktiv in den Sühne- und Heilungsprozess miteinbezogen. Der Konflikt wird somit an die Beteiligten zurückgegeben, die in einem konstruktiven Dialog mithilfe eines neutralen, geschulten Vermittlers die Möglichkeit haben, die Folgen einer Tat aufzuarbeiten und damit zu mildern.

 

 

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